Im Labyrinth des Schweigens

Es gibt mittlerweile zahlreiche Filme, die sich mit dem 2. Weltkrieg befassen. Siegerseite. Verliererseite. Tragische Geschichten, oft mitten aus den Erlebnissen von Überlebenden. Schindlers Liste. Der Pianist.

Wahrscheinlich denken auch einige mittlerweile „Och nee, nicht noch ein Film, in dem alle Deutschen die Dummen sind“.

Die Unlust, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen wird meist noch mit dem Merkmal „Deutsche Filmproduktion“ stark gesteigert. 2014 kam jedoch ein Film in die Kinos, dessen Hauptfigur fiktiv ist, der Hintergrund zum Film jedoch real und ernst ist. „Im Labyrinth des Schweigens“ ist ein Titel, der Bände spricht.

Ende der 50er Jahre. Das Ende des Krieges liegt schon etwas zurück, im Zuge des Wirtschaftswunders haben die Deutschen den Spaß am Leben wieder entdecken können. Doch manche Bürger wirft der pure Zufall auf der Straße zurück in die Vergangenheit, die nicht vergessen ist, nicht vergessen werden kann. So geht es auch Simon Kirsch, der einen ehemaligen Aufseher im KZ Ausschwitz erkennt, während er unterwegs ist. Sein Bekannter, der Journalist Thomas Gnielka, will ihm helfen und möchte gemeinsam mit ihm Anzeige gegen diesen Wärter erstatten. Doch niemand in der Frankfurter Staatsanwaltschaft interessiert sich wirklich dafür.

Bei dem jungen Staatsanwalt Johann Radmann wird jedoch Interesse an dem Fall geweckt. Er weiß zwar nicht wirklich etwas mit Ausschwitz anzufangen, aber irgendetwas muss sich doch dahinter verstecken . Anfangs noch müde von den Kollegen belächelt, übergibt ihm schließlich der Generalstaatsanwalt die Leitung der Ermittlung. Was auch immer in Ausschwitz passierte, Täter müssen für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden, so Radmanns berechtigte Meinung.

Die Basis des noch mühsamen Ermittlungskampfes sind Dokumente von Kirsch. Listen aus dem Lager mit den Namen einiger Wärter. Aufgespürte Zeugen erzählen in der Vernehmung von den furchtbaren Taten. Die vermeintlichen Täter werden im sichtbar erschütterten Team um Radmann über Telefonbücher ausfindig gemacht und nach und nach festgenommen sowie verhört.

Unterstützung durch Behörden gibt es nicht. Im Gegenteil. Radmann muss sich Anfeindungen anhören. Die zermürbende Arbeit lässt den jungen Mann trinken, was zu privaten Problemen führt. Nachdem er auch noch von der Vergangenheit seines Mitstreiters Gnielka hört, reicht es ihm und er schmeißt seinen Job bei der Staatsanwaltschaft hin. Gerechtigkeit gibt es nicht, wenn sich jeder sein Leben mit Lügen und Vergessen aufbaut.

Sein neuer Job in der Wirtschaft wirkt nett, aber für seinen Kollegen sind die selektiven Maßnahmen an der Deportationsrampe absolut harmlos gewesen. Quasi natürliche Auslese. Für Radmann ist das zu viel. Er will zurück. Er will die Täter für ihre Verbrechen verurteilt sehen…

Der Film stellt die Vorgeschichte zum Auschwitzprozess von 1963 – 1965 stellenweise fiktiv, stellenweise belegt dar. Damals arbeiteten drei Staatsanwälte zusammen, damit es zur Anklage für diesen Prozess kommen kann.

Für mich als Kind einer Generation, die spätestens im Schulunterricht mit diesem Thema der Aufarbeitung einer Schuldfrage konfrontiert war, ist es im ersten Moment stets unvorstellbar, dass Leute nichts gewusst haben (wollen). Auch im Film sind es die jungen Leute, die mit dem Namen Ausschwitz nichts verbinden können, weil ihnen Wissen dazu fehlt. Ich selbst kenne aber auch die Erzählungen, dass Dinge totgeschwiegen worden bzw. man einfach nicht drüber sprechen wollte. Ich komme aus Dessau. Dort wurde Zyklon B hergestellt und in den Osten geschafft. Damals rühmte man sich als treuer Zulieferer für das Reich und überstützte vaterlandstreu den Führer. Heute distanziert man sich davon. Die Mahnzylinder, die symbolisch an der Brücke nahe der ehemaligen Fabrik angebracht sind, nimmt kaum einer wahr…

Natürlich kann man aus rein menschlicher Sicht nachvollziehen, dass das gesamte Thema Krieg nicht zu schönen Unterhaltungen anregt und das Bedürfnis nach Angenehmem, auch mit dem Risiko des Vergessens, größer als das nach Aufklärung kommender Generationen war. Das war immer so, wird auch immer so bleiben.

Fakt ist aber, dass „Im Labyrinth des Schweigens“ ein durchaus gelungener Film ist, der nicht belehrend den Zeigefinger erhebt und sich auch nicht in einer peinlichen Theatralik verliert. Er lässt erahnen, gegen welche Mauern des Schweigens die drei Staatsanwälte damals gerannt sind und wie mühsam ihrer Ermittlungen waren. Umso bedeutender ist die Tatsache, dass es trotzdem zu diesem Prozess kam. Und das hat Vorbildcharakter: Gerechtigkeit fliegt nicht einfach zu. Man muss sie sich sehr oft hart erkämpfen.

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Kinokritik: Alles steht Kopf

Wer kennt es nicht: Manchmal wünscht man sich, hinter die Stirn eines anderen schauen zu können, um zu wissen, was jemand wirklich denkt. Oder einfach mal selbst ergründen können, warum man gerade genau den einen Gedanken so zu Ende dachte und nicht anders.

Disney und Pixar haben mit „Alles steht Kopf“ (original: Inside Out) mal wieder einen wunderbaren Animatinonsfilm geschaffen. Die Figuren sind wie schon bei „Oben“ liebenswürdig und irgendwie ist es neben einer schönen Geschichte wieder tiefgründig genug, um auch als Erwachsener mit den Tränen zu kämpfen und einmal über die Story intensiver nachzudenken, anstatt es als einfachen Kinderfilm abzutun.

Wir befinden uns in Rileys Kopf, genauer gesagt im Kontrollzentrum der nun Elfjährigen. Hier arbeiten die Emotionen Freude, Kummer, Neid, Zorn und Angst. Als wäre es im Kopf eines Mädchens in dem Alter nicht schon spannend genug, zieht Rileys Familie vom idyllischen Land in die große, hektische Stadt. Erschwerend für Rileys Gemüt wird es dann auch noch durch die Abwesenheit von Freude und Kummer im Kontrollzentrum. Diese sind nämlich durch ein Missgeschick plötzlich tief im Gedächtnis von Riley und müssen dringend mit sehr wichtigen Kernerinnerungen zurück in die Zentrale, was natürlich nicht so einfach ist.

Während Angst, Wut und Neid ihr Bestes geben, damit Riley sie selbst bleibt, kämpfen sich Kummer und Freude mit den Kernerinnerungen mühselig durch Rileys Kopf. Langzeitgedächtnis, Abstraktes Denken, Traumfabrik – all diese Ort müssen sie passieren und die Zeit rast. Riley fehlen die Kernerinnerungen, wodurch sie sich in ihrem Wesen verändert und wichtige Verbindungen können so nach und nach dauerhaft verloren gehen…

Hauptaugenmerk beim Film liegt aus Kindersicht bestimmt auf den lustigen Figuren, die die Emotionen darstellen und in ein herrlich buntes Abenteuer purzeln. Das ist auch durchaus gelungen, auch wenn ich nicht verstehe, warum ausgerechnet Kummer so pummelig sein muss. (Ich persönlich schloss sie direkt ins Herd, aber vorurteilsfreier bezüglich Kummerspeck hätte es sicher gehen können.)

Trotzdem wird es größeren Kindern auffallen, dass es mit den Emotionen dann eben nicht so einfach ist. Manchmal kann man einfach nicht erklären, warum man todunglücklich oder unheimlich glücklich ist. Warum man sich fürchtet oder warum der Neid in einem kratzt, obwohl es auch dafür keinen plausiblen Grund gibt. Ich als mittlerweile Erwachsene verstehe mich und mein Verhalten hin und wieder überhaupt nicht. Natürlich ist „Alles steht Kopf“ keine wissenschaftlich fundierte Erklärung, aber die Art und Weise, wie die kleinen Stimmen in uns und all die Bereiche des Gedächtnisses dargestellt sind, wirken lustigerweise plausibel. Natürlich weiß ich, dass es in meinem Gehirn nicht ganz so fluffig und bunt zugeht, aber hey, irgendwie wäre es schon nett. Auch die Idee der Darstellung und Bedeutung sogenannter Kernerinnerungen ist durchaus nachvollziehbar. Jeder, der Demenz in der Familie/im Bekanntenkreis in den unterschiedlichen Stadien beobachten musste, weiß, wie belastend der Verlust vom Gedächtnis und Wissen für Betroffene und Angehörige sein kann.

Ich vergebe für diesen Film eine absolute Filmempfehlung. Ich habe gelacht, ich habe mitgefiebert und ich habe auch arg mit den Tränen gekämpft und verloren. Disney und Pixar haben hier wieder einen tollen Familienfilm geschaffen.

Alle Infos und der Trailer sind hier zu finden.

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Da Vinci’s Demons

Maler und Bildhauer, Mechaniker und Ingenieur, Architekt und Anatom – Leonardo da Vinci gilt als Genie der Renaissance und zahlreiche Mythen ranken sich um sein Leben.

Wen wundert es da, dass seine Person als Rollenvorlage für eine Historienserie mit fantastischen Elementen genutzt wird? Richtig, niemanden. 2013 fand die Erstausstrahlung von Da Vinci’s Demons statt und die Kritiken waren durchweg positiv. Staffel 2 startete 2014 und angeblich gab der Sender Starz die Produktion einer dritten Staffel bekannt.

Doch worum geht es in Da Vinci’s Demons?

Der Titel ist doch recht plakativ und verursachte zumindest bei mir ein Wirrwarr an Erwartungen an diese Serie, bevor ich sie endlich sah. Soll Da Vinci hier als Irrer dargestellt werden, der von Dämonen heimgesucht wird? Beruht seine Genialität auf Erscheinungen, die ihn heimsuchten? Wird es eine Gut-gegen-Böse-Serie mit Dämonen à la Buffy und Charmed?

Zum Glück nicht.

Wir treffen den jungen Leonardo (Tom Riley) im Florenz des 15. Jahrhunderts. Wie sich schnell herausstellt, ist er der Bastardsohn des Notars der Medici. An seine Mutter hat er keine Erinnerung, obwohl er sich sonst an alles erinnern kann. Leonardo ist ein Freigeist. Er will entdecken, er will forschen, er will genießen, er will LEBEN – und mit all seinen Entdeckungen und Ideen der Zeit weit voraus.

Der junge Da Vinci ist dreist, aber gleichzeitig brilliant und so erhält er ebenfalls Arbeit im Dienste der Medicis. Er soll die Mätresse (Laura Haddock) von Lorenzo Medici (Elliot Cowan) malen. Natürlich bleibt es nicht nur bei der Malerei. Auch seine Ideen für Kriegsgeräte stoßen bei Lorenzo Medici durchaus auf Interesse.

Während Leonardo so ein Projekt nach dem anderen beginnt und nur wenige vollständig beendet, stößt er auf das Buch der Blätter. Dieses mysteriöse Schriftstück scheint ihn näher an die Wahrheit rund um seine Mutter zu bringen und so begibt er sich auf die Suche…

Es ist klar, dass nicht jede Begebenheit in den einzelnen Folgen historisch vollkommen korrekt ist. Ich meine, in einer Folge ist Da Vinci in der Walachhei und kämpft gegen Vlad den Pfähler, den viele von uns nur als Drakula kennen. Die Serie ist jedoch mit Blick für das Detail produziert worden. Die Ideen und die Vorstellungen, die sich in Leonardos Kopf abspielen, sind wunderbar visualisiert worden. Wenn Da Vinci beispielsweise den Bewegungsablauf eines Vogels beim Fliegen studiert, wird der Zuschauer aktiv eingebunden. Er sieht selbst den Flügelschlag in Zeitlupe, erhält die Bewegungsmuster als Skizze eingeblendet. Es ist genau dieser Blick für Kleinigkeiten, die Serien einen eigenen Charakter und jede Menge Charme verleihen.

Serienerfinder und Regisseur ist übrigens der Drehbuchautor David S. Goyer, der auch bei der Batman-Triologie von Christopher Nolan mitarbeitete.

Wohin Staffel zwei und zukünftig irgendwann Staffel drei den Zuschauer entführen, bleibt abzuwarten. Ich jedenfalls mag die Story rund um das Genie Leonardo Da Vinci. Von mir gibt es eine klare Empfehlung, die Serie zu sehen.

Wer jedoch mehr auf Fakten steht, sollte die Finger davon lassen.

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Life on Mars – Gefangen in den 70ern

Manchester, England. Gegenwart. Der Polizist Sam Tyler wird im Dienst von einem Auto angefahren. Er verliert das Bewusstsein und als er wieder aufwacht, ist er plötzlich im Jahr 1973. Auch hier arbeitet er erneut als Polizist, jedoch besteht das Team um ihn aus Chaoten und einem stetig nörgelnden Detective Chief Inspector Gene Hunt, der das Abbild eines grantigen Polizisten ist. Polizeiarbeit, wie Sam sie kennt, gab es 1973 nicht. Hier zählen Instinkte. Oder so. Seine Methoden werden müde belächelt.

Tyler lässt sich jedoch nicht unterkriegen und löst trotz trägem Team und fehlender Technik zahlreiche Fälle. Dies beäugen seine Kollegen ziemlich argwöhnisch, doch so nach und nach erarbeitet Sam sich den Respekt, den er verdient.

Es ist nicht eindeutig, ob Tyler sich wirklich im Jahr 1973 befindet oder einfach nur durch seinen schlimmen Unfall im Koma liegt und ziemlich authentische Illusionen hat. Bereits in der ersten Staffel treffen Sam immer wieder Erinnerungsblitze. Was es damit auf sich hat, wird erst in der zweiten Staffel geklärt. Hier erwartet Sam auch ein mysteriöser Anrufer, der ihn regelmäßig kontaktiert. Während Tylers Team 1973 in einer Undercover-Aktion sitzt, erwacht Tyler aus dem Koma.

Life on Mars ist gewiss keine bekannte Serie, aber sie erhielt 2006 den International Emmy Award in der Kategorie Beste Drama-Serie. Das Grundgerüst der Serie ist sicher auch etwas verrückt. Trotzdem sind die einzelnen Episoden bestimmt etwas für Krimifans.

Die Amerikaner übernamen das Serienkonzept für Life on Mars. Hier sah ich die ersten zwei Folgen und kann nur eins sagen: was für ein Schrott. Ich verstehe  beim besten Willen nicht, wie man eine englischsprachige Serie für den amerikanischen Markt neudrehen kann. Wahrscheinlich um das eigene Volk geografisch noch mehr zu verdummen, denn hey, wer kennt schon Manchester in England. Wer also über Life on Mars stolpert, sollte sich die originale Produktion des britischen Rundfunkanstalt BBC ansehen.

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True Detective

„When you can’t remember your lives, you can’t change your lives, and that is the terrible and the secret fate of all life. You’re trapped, by that nightmare you keep waking up into.“ Rust Cohle

Rust Cohle (Matthew McConaughey) lernen wir als einen fertigen Mann kennen. Langes, strähniges Haar. Die Kippe brennt dauerhaft und das Bier kommt direkt aus der Büchse. Dass dieser Mann ein ehemaliger Mordermittler sein soll, ist schwer zu glauben. Er sieht eher aus wie ein wirklich abgefuckter Typ, der nur noch darauf wartet, dass der Tod anklopft.

Der andere Mann, den man zu Beginn kennenlernt ist ein gepflegter Mann mittleren Alters im Anzug. Martin Hart (Woody Harrelson). Ex-Partner von Rust Cohle. Geschieden. Zwei Kinder. Nun Privatdetektiv.

Die Verbindung der beiden ist jedoch ein Ritualmord an einer Ex-Prostituierten, an dem beide 1995 arbeiteten. Nun, 17 Jahre später, werden beide getrennt voneinander zu den Ermittlungen befragt, weil der Täter scheinbar wieder zuschlug, aufgrund eines Unwetters jedoch alle Dokumente zum Fall unbrauchbar sind. Auch nach all der Zeit könnte die Sicht der Dinge nicht unterschiedlicher als die beiden selbst sein und irgendwie wirkt die gesamte Situation nicht ganz plausibel…

HBO produzierte mit True Detectives eine weitere Serie, die süchtig nach mehr macht. Die Dialoge sind keine oberflächlichen Cop-Floskeln, sondern haben Tiefe, sind anschaulich und sind wahrscheinlich eines der wichtigsten Elemente, warum man bei der ganzen Serie stets ein bedrückendes Gefühl hat. Untypisch für aktuelle Serien ist zudem, dass in der ersten Staffel die Handlung vollkommen abgeschlossen ist, nachdem der Spannungsbogen wirklich bis zum Ende ausgereizt wurde. In diesem Fall war es einfach eine gelungene Symbiose aus tollen Schauspielern und der Tatsache, dass die gesamte Staffel von nur einem Drehbuchautoren und einem Regisseur gedreht wurde. Gerne mehr davon, denn hier wirkte von Folge 1 bis 8 alles stimmig.

In diesem Jahr soll nun auch noch die zweite Staffel starten. Ich bin bereits ziemlich gespannt, ob HBO hier einen zweiten Hit landen kann oder es eher etwas Aufgewärmtes wird. Abwarten.

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Jack

Ich war im Kino. Vielleicht sollte ich den Film ersteinmal vollständig sacken lassen und ein paar Nächte drüber schlafen. Aber vielleicht ist es so jetzt auch das Beste, dass ich meine Eindrücke zum Film direkt runtertippe. Man weiß es nicht. Ich erstrecht nicht.

Jack – ein 10-Jähriger, der mehr Verantwortung übernimmt als seine Mutter, die, das muss ich zugeben, auch ihre liebevollen Momente im Umgang mit ihren Jungs hat. Aber Jack ist ein Junge, der sich im Rahmen seiner eigenen Kindheit um den kleinen Bruder kümmert, weil die Mutter oft nicht da ist. Da passieren Unfälle. Wer die Schuld trägt und dafür den Preis zahlt, ist klar: Jack. Er muss ins Heim oder wie es schöner klingt: ins betreute Wohnen.

Dort ist auch nicht alles perfekt, wie auch, denn perfekt gibt es nun einmal nicht. Aber er gibt sich Mühe, wie er es immer tut, denn die Belohnung ist zum Greifen nah: Sommerferien bei Mama und dem kleinen Bruder. Die Enttäuschung folgt direkt, weil Mama Besseres zu tun hat. Nach einem Vorfall reißt Jack aus. Er will nach Hause. Dort angekommen ist niemand. Sein kleiner Bruder seit Tagen bei einer Freundin der Mutter, dessen aktueller Hormonausgleicher den kleinen Bruder mit seinen drei Sachen wie Müll auf den Hausflur schmeißt. Jack und sein Bruder suchen nun gemeinsam die Mama. Sie irren gut drei Tage durch eine Großstadt und kein Mensch fragt, warum hier zwei Kids abends im Dunklen allein unterwegs sind. Irgendwann finden Sie die Mama. Sie ist wieder zu Hause. Doch für Jack ist es nicht, wie es war…

Ich kann mein Leben bzw. meine Situation nicht mit einem Film vergleichen. Das ist sinnlos. Ich kann mir die Welt schön reden und sagen: Ach, es ist nur ein Film, der mich etwas aufrührte, mich, in meiner kleinen Welt, in der eigentlich in allen „wichtigen“ Lebensbereichen alles schön ist. Aber mein Kopf sagt, dass es zahlreiche Fälle von dieser Art von Kindesvernachlässigung gibt. Es gibt diesen zehnjährigen Jack, der seinem kleinen Bruder versucht, eine Art Familie zu bieten. Er zieht ihn an, macht ihm Frühstück, geht mit ihm Spielen – weil die Mutter Besseres zu tun hat. Jack darf dadurch kein Kind sein. Es gibt zahlreiche Kinder, die durch die Vernachlässigung der Eltern und der Verantwortung für kleinere Geschwister keine Kinder sein dürfen und das kotzt mich an.

Im Film sieht man ihn ständig rennen. Als würde er um sein Leben rennen und nur unter Stress stehen. Der Junge ist zehn. 10! Anstatt mit seinem kleinen Bruder tagelang durch Berlin zu irren und zu versuchen, seine Mutter zu finden, sollte er mit Freunden spielen und den Sommer am See genießen und einfach nur Kind sein. Stattdessen ist er Beschützer und Familienwahrer, der das Einzige retten möchte, was er hat: Familie.

Ivo Pietzcker spielt Jack. Google Bildersuche zeigt zum Glück auch Fotos, auf denen er bis zu beiden Ohren lacht. Im Film ist es eher so, dass man von Minute zu Minute hilfloser wird, wenn man ihn mit seinem maskenhaften Gesicht sieht. Man will ihm helfen, ihn zum Lachen bringen, ihn drücken und ihm eine gottverdammte Eintrittskarte in ein schönes Leben schenken – wie auch immer das aussehen mag.

Fakt ist: Vernachlässigung gab es, gibt es und wird es immer geben. Nicht nur in den bereits genug stigmatisierten Familien, die auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Es gibt sie auch in wohlhabenden Familien. Es gibt sie überall. Die Frage ist, wie man das Problem lösen kann, ohne viel Schaden anzurichten. Die Arbeit von Familienhilfen und Sozialarbeitern muss dringend gefördert werden, aber auch Familienmitglieder und Freunde und Bekannte sollten nicht einfach blind die Augen verschließen. Sicherlich sollte primär vor der eigenen Tür gekehrt werden, aber umsichtiges Verhalten kostet nichts.

Auf dem Weg nach Hause „spielten“ wir ein „Was wäre wenn“-Gedankenexperiment. Wir kamen nur zu dem Ergebnis, dass wir unsicher sind. Hetzt man den Nachbarn das Jugendamt auf den Hals, weil das Kind 2 Tage mit dem gleichen, versifften T-Shirt zur Schule muss? Eins ist klar, ich möchte mich nie fragen müssen, was ich hätte tun können. Aber vielleicht ist es auch nur zu idealistisch gedacht, um mein Gewissen zu beruhigen.

Ich weiß auch nicht, ob ich Jack als Film empfehlen kann. Eigentlich ja, aber nur an Menschen, die auch gerne mal über einen Film und die Botschaft nachdenken wollen und nicht nur stumpf für knapp 90 Minuten bewegte Bilder sehen möchten. Ich weiß nur eins: traurige, hilflose Kinderaugen erreichen bei weitem nicht mehr jeden – und dieses Abstumpfen ist nicht gut.

 

 

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Vorurteile und Familienbande

Eins vorneweg: Ich habe schon sehr lange nicht mehr im Kino gesessen, so gelacht und war dann traurig, weil der Film zu Ende war. Aber genau so ging es mir diesen Donnerstag.

Gemeinsam mit zwei Kolleginnen ging es ins Kino zu Monsieur Claude und seine Töchter. Ausgestattet mit Popcorn und Nachos ließen wir uns in die Kinositze fallen und warteten ab.

Monsieur Claude und seine Frau Marie leben in einem beschaulichen Haus in der französischen Provinz und haben vier erwachsene Töchter, von denen 3 nacheinander heiraten. Statt der erhofften, stattlichen und erfolgreichen Franzosen, sind ihre Schwiegersöhne nun ein Muslim, ein Asiate und ein Jude. Selbstverständlich eskaliert da so manche Situation, wenn es zu Familientreffen kommt. Bereits ein Essen für alle ist ein wahres Minenfeld.

Um so größer ist natürlich die Freude, als die jüngste Tochter Loire ihren französischen und katholischen Verlobten Charles ankündigt. Doch dieser stammt von der Elfenbeinküste.

Kurz vor der Hochzeit trifft die afrikanische Familie des vierten Schwiegersohnes im Haus ein und Claude reißt endgültig der Geduldsfaden, als seine Frau freiwillig das eigene Schlafzimmer für die Gäste freiräumt. Um so überraschter ist er, als der Vater des zukünftigen Bräutigams ihm seine Meinung zur anstehenden Hochzeit der Kinder mitteilt: Er findet es ebenfalls furchtbar.

Während die Männer also ihre Sabotagemöglichkeiten durchgehen, merken sie nicht, wie sehr sie damit dem Familienfrieden schaden…

Diese franzöische Komödie hat für mich das Potential, der Film des Jahres zu werden. Es ist herrlich erfrischend zu sehen, wie es den Machern des Filmes gelungen ist, mit Vorurteilen zu arbeiten, ohne langweilige Stereotypen zu präsentieren. Es ist der ganz normale familiäre Wahnsinn, der mit der Prise Kulturverschiedenheiten gewürzt ist.

Klarer Filmtipp von mir – wirklichen sehenswert. Aber seht am besten selbst: Trailer.

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Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?

Bereits vor einigen Jahren stolperte ich über einen zuckersüßen Trailer. „Mary&Max – Oder schrumpfen Schafe, wenn es regnet?“. Vor einigen Wochen kaufte ich ihn mir. Angeblich wurde hier eine Geschichte mit wahrem Hintergrund als Knetanimation verfilmt. Egal ob wahr oder nicht, dieser Film bietet Charme, Witz und lockert doch bei so manchem ein Tränchen aus Freude und Mitgefühl. Mir ging es jedenfalls so.

Aber worum geht es?

MaryMary Daisy Dinkle wohnt in Mount Waverly, Australien. Sie ist ein kleines Mädchen, das Kondensmilch liebt, wundervolle Fragen stellt, noch schönere Antworten auf andere Fragen findet und eigentlich viel zu putzig für ihre Familie ist. In der Schule wird sie natürlich gehänselt. Freunde hat sie keine – außer ihren Hahn Ethel und selbstgebastelte Figuren. Eines Tages, während ihre Mutter, die dem Sherry sehr zugetan ist, in der lokalen Postfiliale mal wieder „Dinge besorgt“, blättert Mary in einem Telefonbuch. Sie notiert sich schnell eine Adresse, weil ihre Mutter es plötzlich sehr eilig hat. Nachts schreibt sie unter ihrer Bettdecke den ersten Brief.

MaxIn New York,Amerika, lebt Max Horowitz. Er ist Jude und hat- wie sich später herausstellt – das Asberger Syndrom. Kontakt zu anderen Menschen ist ihm unangenehm, aber er besucht tapfer seine Weight Watcher Treffen. Unerwartete Dinge stressen ihn enorm. Und so verfällt er auch nach dem ersten Brief von der kleinen Mary in seine typische Schockstarre. Dennoch wird er ihr antworten.

Es entwickelt sich eine wunderbare Brieffreundschaft zwischen den beiden, bei der auch diverse schokoladige Lebensmittel versandt werden. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein, aber ihr Dasein als Außenseiter mit zahlreichen Fragen an das Leben schweißt sie zusammen. Doch leider ist das – wie alles im Leben – nichts für die Ewigkeit…

Die Entstehung des Films dauerte fünf Jahre. In diesem Fall klarer Beweis für gut Ding will Weile haben. Aber der Film hat den Zauber der aufwendigen Animation von Knetfiguren inne, den meiner Meinung nach kein Filmstudio mit den mittlerweile oft ausgelutschten 3D-Animationen hätten erschaffen können. Die Sensibilität des Filmthemas wurde durch die Knetanimation wundervoll dargestellt. Dank des begrenzten Farbspektrum des Films wirkt er trotz seinem großen Niedlichkeitsfaktor nicht aufgesetzt kitschig.

Den letzten Feinschliff gab es mit der Besetzung der Stimmen.Im Original wird Max von dem kürzlich verstorbenen Philip Seymour Hoffmangesprochen. In der deutschen Version hört man Helmut Krauss, dessen Stimme man von Fred Feuerstein kennt. Mary wird im Original von Toni Colette gesprochen. Die deutsche Synchronisation der erwachsenen Mary übernahm Gundi Eberhard. Ihre Stimme kennt man aus Breaking Bad, wo sie Marie Schrader spricht.

Mein Fazit: Ein wunderbarer Film, der zum Nachdenken anregt. Freundschaften wollen gepflegt werden. Nicht jeder Mensch ist gleich und das gilt es zu respektieren. Und: Das Leben hat seine Höhen und seine Tiefen. Es gilt, jeweils das Beste daraus zu machen – auch wenn es kein erwartetes Happy End gibt…

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Mein Name ist…Denny Crane

Ich mag Serien sehr, was zu meiner Neugier und Ungeduld nicht wirklich passt. Geduldig Woche für Woche auf einen bestimmten Tag der Ausstrahlung zu warten ist für mich nicht der wahre Horror, aber es nervt mich schon. Daher bin ich immer dankbar, wenn ich ganze Staffeln auf DVD zur Verfügung habe. Keine nervige Werbung, kein Warten. Ideal. Der Haken: Es sind meist Serien, die bereits abgedreht sind und ich mal wieder etwas hinterherhinke.

Zur Zeit schaue ich:

Boston Legal

Worum geht es?

Die Anwaltskanzlei Crane, Poole & Schmidt gehört in Boston definitiv zu den Top-Adressen, wenn man fähige Anwälte sucht. Rund um den sehr bekannten Anwalt Denny Crane (William Shatner) arbeiten diverse Rechtsanwälte, deren Fälle sich häufig um gefühlt typische Fälle in Amerika drehen. Sei es die übermotivierte Mutti, die eine Rolle für ihre Tochter einklagt, weil sie in der Ablehnung Rassendiskriminierung sieht oder eine Klage gegen die USA, damit diese in einen afrikanischen Bürgerkrieg eingreift. Bratpfannenmörder, Schwarze Witwen. Langweilig ist es nie – was auch an den unterschiedlichen Charakteren der Serie liegt.

Die Hauptfiguren

DENNY Crane: „Wir beginnen unser Leben nuckelnd an einer Brust und mit etwas Glück beenden wir es auch so.“

Man könnte meinen, William Shatner spielt hier den altgewordenen Captain Kirk. Das weibliche Geschlecht hat auf Top-Anwalt und Seniorpartner der Kanzlei Denny Crane immer noch eine enorme Anziehungskraft und seine anzüglichen Sprüche sind beinahe legendär. Doch das Genie des Anwalts leidet unter einer gewissen Diagnose – von der ein Denny Crane sich aber nicht unterkriegen lässt: „Wenn Gott Dir Dein Talent nimmt, sollte er wenigstens so anständig sein und Dich vergessen lassen, dass Du es hattest.“ 

Durch seine Offenheit und sexuellen Annäherungsversuche an Frauen, wird er in der Kanzlei aber immer häufiger an der kurzen Leine gehalten. Das Bild soll gewahrt werden. Denny Crane ist nämlich trotz und vielleicht auch wegen seiner Frühform von Alzheimer stets direkt und sagt, was er denkt: 

„Mr. Crane, ich kann Ihrer Argumentation nicht folgen.“ – „Weil Sie zu dumm sind, Euer Ehren.“

ALAN Shore: „Ich glaube, Sie mögen mich nicht. Und ich bin irgendwie stolz drauf.“

Alan, gespielt von James Spader, ist die jüngere Variante zu Denny Crane. Auch er nimmt kein Blatt  vor den Mund – weder Frauen noch Klienten gegenüber. Seinen messerscharfen Verstand setzt er auch für Gerechtigkeit ein – was ja immer im Auge des Betrachters liegt.

Rund um die beiden kreisen natürlich noch diverse weitere Anwälte der Kanzlei. Hier und da gibt es Affairen und Rangkämpfe – wie das so ist, wenn „mächtige“ Männer auf attraktive Frauen treffen.

Fazit:

Ich mag die Serie, auch wenn die letzte Staffel nicht mehr so schlagfertig wie vorherige war. Die Figuren sind voller Witz, aber auch tiefgründig mit allen menschlichen Makeln, die in manchen anderen Serien fehlen. Der Grat zwischen Humor und Seriosität ist schmal. Die Produzenten meisterten ihn mit Bravour. Ich meine, wo treffen denn schon William Shatner und Tom Selleck in einer Serie aufeinander und messen in ihren Rollen dort vorherige Hauptrollenerfolge?!

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„Dort wo du Liebe findest, wirkt der Geist der Weihnacht“

Während die Mehrheit in der Weihnachtszeit gefühlt 500x mit Aschenbrödel mitfiebert, gehört mein Weihnachtsfilmherz einem ganz anderen Werk:

Der Muppets Weihnachtsgeschichte

Eigentlich bin ich in der Adventszeit eher grinch-artig. Aus persönlichen Gründen ist Weihnachten für mich ein schwieriges Thema. Ich würde auch gerne wie verzaubert von Adventssonntag zu Adventssonntag springen, aber davon bin ich noch Meilen entfernt. Es wird aber seit 2-3 Jahren besser. Was mir dabei seltsamerweise viel hilft, ist dieser Film rund um den verbitterten, geizigen Ebenezer Scrooge.

Für Scrooge (Sir Michael Caine) zählen finanzielle Einnahmen mehr als die Feiertage. So begibt er sich am 24. Dezember abends grantig in sein riesiges Haus, nachdem er seinen Angestellten, u.a. dem Buchhalter Bob Cratchit (Kermit der Frosch), für die Feiertage freigab. Während er einsam in das Kaminfeuer starrt, suchen ihn seine verstorbenen Geschäftspartner Marley und Marley (Waldorf und Statler) auf. Sie warnen ihn vor, dass seine geizige, verbitterte Haltung nicht zu seinem Glück führen wird. Für Scrooge ist das alles Humbug. Er glaubt nicht, dass ihn ab Mitternacht drei Geister heimsuchen werden.

In dieser Nacht wird Ebenezer Scrooge aber wirklich von drei Geistern der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht aufgesucht. Alle zeigen ihm, welche Fehler er im Umgang mit sich und anderen beging und welche Auswirkungen es auf seine Zukunft haben kann. Wenn er einsam und allein bleiben will, so braucht er sein Leben nur wie gehabt fortsetzen.

Vollkommen geläutert startet Scrooge am nächsten morgen in das weihnachtliche Geschehen und beschert sich und vielen anderen einen unvergesslichen Weihnachtstag. Ab diesem Zeitpunkt ist Scrooge nicht mehr als der geizige Geschäftsmann bekannt, sondern für seine Herzlichkeit und unglaubliche Nächstenliebe.

Der Film der Muppets Weihnachtsgeschichte kam 1993 in deutsche Kinos und beruht auf „A Christmas Carol“ von Charles Dickens. Die Muppets-Figuren übernehmen dabei den Großteil der Rollen im Film. Gonzo ist hierbei eine Art Erzähler, der gemeinsam mit Rizzo die Ratte durch den Film führt. Die beiden sorgen für so manchen Lacher. Selbstverständlich darf Miss Piggy nicht fehlen. Sie spielt die Ehefrau von Buchhalter Bob Cratchit. Doch auch Fozzi Bär, das Tier und Sam der Adler treten auf.

Typisch für eine Disney Produktion dürfen natürlich keine Lieder fehlen. Auch die Weihnachtsgeschichte bietet so manches Lied, dass ich – um ehrlich zu sein – gerne direkt mitsinge oder nach dem Film im vorweihnachtlichen Alltag vor mich hin summe.

Sendetermine 2013:

  • ZDF NEO: 17.12.2013 um 20:15 Uhr*
  • ZDF:          24.12.2013 um 04:10 Uhr*

*Angaben ohne Gewähr

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