„Sie haben den Bogen einfach nicht raus“ oder auch: Franzi beim Augenbrauenkorrigieren

Über jedem Auge sitzt ein haariger Streifen, der mal mehr, mal weniger die direkte Verbindung zur Nachbarin sucht. Nun bin ich zum Glück nicht mit einer Monobraue gestraft, aber ich setzte mich ehrlich gesagt nie großartig mit den Dingern auseinander. Klar, hier und da werden unnötige Härchen gezupft, aber ich hasse das sehr und groß Gedanken über Form und Farbe hab ich mir nie gemacht. Sie sind halt da, unterstützen meine Mimik und schützen die Augen. Kurz: Sie machen ihren Job.

Das reichte mir an Aufmerksamkeit für Gesichtsbehaarung auch vollends aus, bis, ja bis ich zum Probestyling für die Hochzeit ging. Ich bekam jetzt keine Standpauke à la „OMG, wie rennst du denn rum, da MUSS was gemacht werden!!!!111“, aber mir wurde trotzdem ans Herz gelegt, mir in Frankfurt bis zur Hochzeit vielleicht ein freundliches Kosmetikstudio zu suchen, das sicher der Sache annimmt. Immerhin seien die Augenbrauen der Frauen hier immer wunderbar in Form. Tja nun. Den Wink mit dem Zaunpfahl habe ich verstanden.

Ich haderte mit mir. Wirklich. Einerseits will auch ich am Tag meiner Hochzeit einfach phantastisch aussehen. Fakt. Da nehme ich auch die Tipps und Tricks der Schönheitsprofis gerne an. Andererseits will ich aber auch immer noch ich selbst sein und auch so aussehen. Schließlich möchte ich ein Strahlen in seinen Augen sehen, wenn mich mein Papa zu ihm führt und kein Entsetzen aufblitzen sehen.

Also sprang ich über meinen Schatten und vereinbarte einen Termin in einem Friseur- und Kosmetikstudio, das im Netz gute Bewertungen hatte und für mich ideal zu erreichen ist.

Samstagmorgen war es soweit. Ich traf in einem stylisch eingerichteten Salon ein und wurde direkt freundlich und sehr serviceorientiert empfangen. Jacke abgenommen, persönlich zum Wartebereich geführt und später platziert worden. Nach einem kurzen Gespräch inklusive Erklärung, warum ich überhaupt komme, war zumindest mein mulmiges Schamgefühl weg. Das habe ich in Gegenwart von professionell geschminkten und gestylten Menschen immer, weil ich beim Thema Make-up einfach nur faul und oft auch desinteressiert bin. So nahm ich Platz und ließ die Dame anfangen.

Oh, ich hasse Augenbrauenzupfen. Mir schießen sofort die Tränen ins Auge und ich hab dann echt keine Lust mehr. Gefühlt rupfte sie mir auch alle Härchen komplett raus und beschnitt irgendwas. Ich sah schon vor mir, wie ich die kommenden Wochen mit so Brauenstiften mir peinliche Fake-Brauen aufmalte.

Nachdem sie fertig war, schaute ich mir das Ergebnis im Spiegel an. Ehrlich gesagt war ich enttäuscht im ersten Moment. Ich hatte noch immer Augenbrauen, was mich beruhigte, aber ich sah keinen Unterschied, bis auf den Brauenanfang, den sie stutzte. Während ich mir die Augen trocknete, verschwand sie kurz und kam mit einem Brauenstift wieder. Hier fiel dann das Zitat des Tages: „Ich male kurz die Form der Brauen nach. Sie haben einfach den Bogen nicht raus.“ Was sie meinte, verstand ich auf Anhieb. Die ideale Augenbraue läuft zu ca. 2/3 nach oben und dann ab nach unten. Meine machen dies zwar auch, aber in so einem flachen Anstieg, dass man es leider für nichts gebrauchen kann. Tja gut. Wäre ich mit Theo Weigels Haarbüscheln gesegnet, könnte man hier was zurecht zupfen. An dieser Stelle bin ich halt raus. Der Kampfgeist der Kosmetikerin ist aber trotzdem irgendwie geweckt, da sie meinte, dass man es bis Juli vielleicht zum bestmöglichen Ergebnis zupfen kann. Wir werden sehen.

Bis zur Hochzeit werde ich somit noch zweimal die Pinzette vom Profi fliegen lassen, danach ist es ja eh Gesetz, dass man sich gehen lässt 😉

Ich besuchte übrigens den Salon Schloberg in Frankfurt/Sachsenhausen. Ideal für mich gelegen, weil er in der Nähe der U-Bahn sowie meiner Haus-und-Hof-Straßenbahnlinie liegt. Wie oben beschrieben, wurde ich freundlich empfangen, gut beraten. Absoluter Pluspunkt war die Zurückhaltung beim Aufquatschen von Zusatzleistungen. Beim Friseur ist mir dies immer unangenehm, wenn noch Shampoos und Kuren verkauft werden sollen. Daher hier klare Empfehlung!

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Rachel Moran: Was vom Menschen übrig bleibt

Mit autobiografischen Romanen hab ich mich noch nicht viel auseinandergesetzt. Beim Stöbern für neuen Lesestoff stieß ich auf „Was vom Menschen übrig bleibt“. Rachel Moran wurde vorgestellt als Ex-Prostituierte, die heute als Journalistin arbeitet und sich stark für den Kampf gegen die Ausbeutung und Legalisierung von Prostituierten einsetzt. Der Hintergrund ihrer Aktivität: Als Jugendliche landete sie selbst auf dem Straßenstrich von Dublin. Mit 22 Jahren, nachdem so so ziemlich jeden Bereich der Prostitution erlebt hat, wagte sie den schwierigen Ausstieg und erkämpfte sich ihre Position in der Gesellschaft.

Wer sich in diesem Werk eine Aneinanderreihung von Geschichten über Freier erhofft, sollte die Finger davon lassen. Selbstverständlich erzählt Moran über diverse Episoden ihres Tuns und das ihrer „Schwestern“. Aber sie werden nicht detailliert mit adjektiven erzählerisch aufgewertet. Sie dienen dem Leser eher als Beispiel für die Argumentation, die Moran gerade anführt. Es ist auch keine rührselige Vorlage für einen tollen Hollywoodstreifen, in der das schwierige Thema der Prostitution romantisch verklärt mit Happy End präsentiert ist. Sie arbeitet thematisch einzelne Aspekte der Prostitution ab und flechtet hier ihre eigenen Erfahrungen und Meinungen ein. Sie argumentiert wohl reflektiert – was aber nicht verwunderlich ist, weil die Entstehungszeit des Buches gut zehn Jahre umfasst.

Rachel Moran gelang es sehr gut, ihre Vergangenheit zu beleuchten ohne sich selbst in eine zu bemitleidende Opferrolle zu stoßen. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, ihre Eltern hatten beide starke, psychische Erkrankungen und das soziale Umfeld wurde von der Mutter bewusst klein gehalten. Als sich der Staat dann einmischte und Rachel in staatliche Obhut kam, besserte sich die Situation auch nicht, denn auch irische Heime bieten keine Nestwärme. Es folgte das Kennenlernen der falschen Männer und so betrat Rachel mit 15 Jahren das erste Mal den Straßenstrich. Für viele ist es vielleicht schwer zu verstehen, aber sie gibt niemandem die Hauptschuld. Nicht ihren Eltern, nicht ihrem damaligen Freund, nicht sich selbst. Es war, wie bei vielen, die Verkettung der Umstände und der beständige Überlebenskampf. Womit soll man als Jugendliche auch Geld verdienen, wenn die staatliche Obhut die Fürsorge nicht übernehmen kann und man keine Ausbildung hat? Ich glaube, dass Moran trotz ihrer Erfahrungen und zugegebener Defizite eine Frau mit einem wahnsinnig starken Charakter hat. Ansonsten wäre sie früher oder später in das Loch des Selbstmitleids und der Selbstaufgabe gefallen, wie es bei vielen anderen leider der Fall ist, die keinen Ausweg sehen.

Für mich selbst nahm ich einiges aus dem Buch mit, was seltsam klingen mag. Zum einen ist es tiefe Dankbarkeit, niemals in die Prostitution abgerutscht zu sein und in einem Elternhaus mit zwei mental gesunden Elternteilen aufzuwachsen, die bis zum heutigen Tag für mich da sind. Sowohl als Heranwachsende als auch als Studentin traf ich zum Glück auch nicht die Sorte falscher Mann, die mich zur Prostitution drängen wollten bzw. die mich generell zu etwas zwingen wollte, was nicht mir und meinen Wünschen entsprach. Dies ist nicht selbstverständlich.

Außerdem regte mich Morans Meinung hinsichtlich des Thema Missbrauchs wirklich zum intensiveren Nachdenken an. Als Außenstehende der Prostitution machte ich mir hier nie wirklich Gedanken. Ja, es gibt Bordelle und den Straßenstrich sowie Escort-Service. Ich kenne auch Kerle, die schon eines der Laufhäuser Hamburgs besuchten, um „nur mal zu gucken“. Natürlich weiß man, dass da keine Frau gerne arbeitet, weil sie es liebt, Sex mit Fremden gegen Bezahlung zu haben. Und genau hier setzt Moran ihre Kritik an. Für sie ist es in keiner Weise nachvollziehbar, wie Menschen von anderen dafür bezahlt werden, um sexuelle Phantasien auszuleben. Auch wenn hier Geld bezahlt wird, beruht die gewünschte Leistungserbringung nie in 100%-igen Einvernehmen. Im Gegenteil. Häufig sei es sogar so, dass die Männer, die für die sexuelle Dienstleistung bezahlen, die von der oder dem Prostituierten gesetzten Grenzen nicht akzeptieren und hier viele Tätigkeiten von Nötigung bis hin zum „tatsächlichen“ Missbrauch realer Alltag ist. Wer hier argumentiert mit „Aber man weiß doch, worauf man sich in der Prostitution einlässt“ hat das Grundproblem nicht verstanden. Es ist immer ein Zwang, der bei der Prostitution vorhanden ist. Immer. Die Gründe sind vielfältig, haben aber meist Geldnot, Zwang durch Dritte (Zuhälter) und/oder Traumata (bsp. frühkindlicher Missbrauch, zerrütete Familienverhältnisse etc.) in der Vergangenheit zur Basis. Von purer Freiwilligkeit, dass einem ungefragt Gegenstände, Finger und sogar Fäuste in Körperöffnungen gestoßen werden, kann hier nicht gesprochen werden. Es passiert aber, es ist Alltag.

Ich weiß, dass es zahlreiche Sexualitäten, Vorlieben und Fetische gibt. Wenn man dies mit anderen erwachsenen Menschen in gegenseitigem Einvernehmen auslebt, ist dies (für mich) vollkommen in Ordnung. Es kann aber nicht in Ordnung sein, dass man diese Handlungen – auch nicht gegen Bezahlung – an Menschen ausübt, die in ihrem Inneren dies gar nicht möchten. Leider ist es aber schwierig, dieses Denken in der Gesellschaft zu etablieren, da Prostituierte in der Hackordnung derart tief stehen, dass sich die Mehrheit nicht zuständig fühlt.

Wie in so vielen Bereichen gehört hier weltweit in den Gesellschaften umgedacht. Ich bezweifle jedoch, dass dies passiert. Dazu ist der Erotikbereich eine zu große und gewinnbringende Marktlandschaft.

 

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The Rocky Horror Show in Frankfurt

Man wird nass, findet abends beim Ausziehen noch immer Konfetti in den Klamotten, hat von den Ratschen das nervtötende Geräusch im Ohr und konnte mit viel Glück einer fliegenden Klopapierrolle von hinten ausweichen.

In der Musicalaufführung der Rocky Horror Show zu sitzen, ist etwas ganz anderes, als sich eine Oper oder ein Theaterstück anzusehen. Ganz. Anders.Und trotzdem „bloody brilliant“.

Kurz zur Handlung:

Erster Akt. Wir lernen Brad Majors und Janet Weiss kennen. Junge, offenbar schüchterne Menschen. Unschuldig und rein. So süß wie die Kirsche auf einem Vanille-Shake in einer amerikanischen Milchbar. Brad schmettert herzerweichend Dammit Janet, seine Liebeserklärung und das Publikum wird Zeuge der Verlobung. Hach…

Doch dann haben die zwei Turteltauben eine Reifenpanne und landen mittem in einer der schlimmsten Regengüsse direkt im Nirgendwo. Es scheint auswegslos zu sein, doch Brad und Janet entdecken ein Schloss. Die erhoffte Rettung ist zum Greifen nach, denn sie dürfen das Schloss betreten, um das Telefon nutzen zu dürfen.

Leider erhält weder Brad noch Janet die Chance, den Hörer in die Hand zu nehmen, um Hilfe zu rufen. In dieser regenreichen Nacht werden sie nämlich Zeuge unfassbaren Ereignissen, die ihre Grundfeste der sittsamen Moral erschüttern werden.

Dies ist nicht nur irgendein Schloss, nein. Hier lebt der verrückte Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter.  Er stammt von dem Planeten Transsexual aus der weit entfernten Galaxie Transylvania. In dieser Nacht stellt er seinen Schlossbewohnern seine neueste Schöpfung vor: Rocky. Er ist ein gutgebauter, blonder junger Mann und seine Existenz dient nur einem Zweck, nämlich dem Vergnügen von Dr. Frank N. Furter in all seinen Facetten. Doch damit nicht genug. Auch das junge Liebespaar erfährt die Täuschungs- und Verführungskünste des Wissenschaftlers am eigenen Leib.

Auf diesem Höhepunkt seiner Wolllust und Macht tötet der Wissenschaftler sogar seinen ehemaligen Geliebten, woraufhin eine wahre Revolte unter seinen mitgereisten Anhängern entfacht wird. Dr. Frank N. Furter wird entmachtet und getötet. Die Aliens kehren zu ihrem Heimatplaneten Transsexual zurück. Brad und Janet kommen mit dem wohl größten Schrecken ihres Lebens davon.


 

Nach We Will Rock You im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten war dies das zweite Musical, dass wir in der Alten Oper zu Frankfurt sahen. Dass diese Aufführung komplett anders würde, wahr uns spätestens dann klar, als drei Männer in Corsage, Slip und Strumpfhalter inkl. Netzstrümpfen an uns vorbei wippten.

Die Fangemeinde des Stücks scheint auch wegen des Kinofilms gewaltig zu sein, was ich ehrlich gesagt nicht erwartet habe. In meiner anerzogenen kulturellen Spießigkeit geht man eben ordentlich angezogen in die Oper, daher Hut ab vor allen Personen im Publikum, die es vergangenen Freitag durchgezogen haben!

Und ja, es war auch verdammt merkwürdig, dass Janet stets mit „Slut“ bzw. „Schlampe“ Rufen kommentiert wurde. Brad war in dem Fall ein „asshole“, also ein „Arschloch“. Auch der Erzähler, in unserem Fall Martin Semmelrogge persönlich, kämpfte mit Humor gegen hartnäckige „boring“-Rufe. Man scheint dies gewohnt zu sein.

Letztendlich war es diesmal nicht nur ein unterhaltsamer Abend in der Oper, sondern auch hinsichtlich der Tontechnik wirklich ein Genuss. Wer verrückte Storys mag, wird The Rocky Horror Show lieben.

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Windbeutelkringel mit Schoko-Himbeer-Füllung

Ich kam endlich mal wieder zum Backen und hatte Lust, zu experimentieren. Ein kompletter Kuchen oder gar eine aufwendige Torte sollte es nicht werden, aber so kleine Teilchen, die schnell mit einem Happs weg sind.

So entschied ich mich für Brandteig, den ich mit Schokopudding füllen wollte. Gesagt, getan.

Zutaten für ca.20-24 Stück:

  • 500ml Milch
  • 100ml Wasser
  • 1 Prise Salz
  • 75g Butter
  • 150g Mehl
  • 3 Eier (M)
  • 1x Pudding zum Kochen (Vanille oder Schoko)
  • 5 EL Zucker
  • TK-Himbeeren oder frische
  • Puderzucker

Zubereitung:

  1. Zunächst mit 400ml Milch und den 5 EL Zucker den Pudding nach Packungsanweisung kochen. Abkühlen lassen.
  2. Dann 100ml Wasser mit 100ml Milch sowie Butter und Salz in einem Topf aufkochen. Das Mehl komplett in den Topf schütten und mit einem Holzlöffel so lange rühren, bis sich ein Kloß gebildet hat und auf dem Topfboden eine weiße Schicht entsteht.
  3. Den Teigkloß in eine Rührschüssel geben und ein Ei direkt unterrühren. Teigmasse nun ca. 10 Minuten abkühlen lassen und die anderen beiden Eier nach und nach sorgfältig unterrühren.
  4. Den Teig in einen Spritzbeutel mit großer Sternentülle füllen und auf das mit Backpapier ausgelegte Blech Kringel oder Streifen spritzen. Die einzelnen Portionen mit etwas Abstand auf das Blech spritzen, da diese beim Backen noch aufgehen.
  5. Eine ofenfeste Form mit heißem Wasser füllen und auf den Boden des Ofens stellen. Ofen auf 225°C (Ober-/Unterhitze) oder 200°C Umluft einstellen. Blech mit den Teilchen in die unterste Schiene schieben und ca. 20-25 Minuten backen.
  6. Aus dem Ofen holen, wenn die Kringel goldgelb sind bzw. der gewünschte Bräunungsgrad erreicht ist und mit einem scharfen Messer zum Auskühlen vorsichtig aufschneiden.
  7. Wenn die Teilchen ausgekühlt sind, den Pudding auf eine untere Hälfte portionieren und in die Mitte eine Himbeere geben. Deckel draufsetzen und vorsichtig andrücken.
  8. Vor dem Servieren mit Puderzucker bestreuen.

collage Windbeutelkringel

– Schmecken lassen! –

 

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Ringkissen kann ja jeder

Wie ich schon erwähnt habe, ist Pinterest wohl eine der besten Inspirationsquellen aktuell. So suchte ich dort auch nach Möglichkeiten für ein Ringkissen, dass nicht so hochglanzweiß strahlt, wie es leider viele der gängigen Modelle tun. Sein Hemd ist nicht mega weiß, mein Kleid schon gar nicht, da muss es das Kissen für die Ringe auch nicht sein. Und dieses ganze Satin-Perlen-Spitze-und-davon-ganz-viel möchte ich bei unserer Trauung auch nicht. Wir sind beide einfach nicht so bling-bling, wie es die Verkäuferin beim Juwelier so schön auf den Punkt brachte und wie es die ganze Hochzeitsmaschinerie offenbar so gerne sieht.

Beim Stöbern entdeckte ich ganz interessante Alternativen. Zum Beispiel ummantelte jemand eine Herzform mit grober Wolle, nähte einen farblich dazu passenden Faden fest, an dem später die Ringe per Schleife angebunden werden und nähte auch noch die Initialien des Brautpaares auf das Herz.

Auch simple, kleine Kissen aus gröberen Sackleinen haben für Hochzeiten mit ihrem leicht rustikalem Flair definitiv ihren Charme und gefielen mir ganz gut.

Ich blieb jedoch bei der Anleitung für eine Schale hängen. Von meinem Fingerabdruck-Baum-Projekt hatte ich noch einiges an Fimo-Masse übrig. Daher wollte ich zumindest testweise den Versuch starten, ob das wirklich so einfach ist. Versuch macht klug. Oder so.

Für das Bastelprojekt brauchte ich:

  • 300g Fimo
  • Spitze (ich nahm einen Schlüpfer, geht aber auch ein Häkeldeckchen von Oma oder diese Torten-Papier-Zier-Unterleger)
  • Nudelholz
  • Müslischale, Kompottschälchen (hauptsache unterschiedliche Durchmesser)
  • Messer
  • Backpapier, Silikonbackpapier oder einfach eine glatte Unterfläche
  • ggf. Zahnstocher, Schleifenband, Acryllack, Sandpapier/Schleifpapier
  1. Zuerst knetete ich die Fimomasse ordentlich durch. Die dadurch entstandene Kugel setzte ich auf meine Unterlage zum Ausrollen und drückte die Kugel leicht an.
  2. Anschließend rollte ich die Masse mit meinem Nudelholz wie einen Kuchenteig aus, bis er ca.5mm dick war.Fimo ausrollen
  3. Nun legte ich den Teil der Spitze auf, den ich als Muster haben wollte. Mit dem Nudelholz drückte ich den Stoff vorsichtig in die Fimomasse.  Hier die Masse nicht zu oft bzw. zu kräftig weiterausrollen, sonst wird es zu dünn und es besteht die Gefahr, dass es schnell bricht, wenn es alles getrocknet ist.Anschließend zog ich die Spitze ab.Spitze zum Eindrücken in Fimo
  4. Nun nahm ich die größere Müslischale, um sie als Vorlage für den Kreis zu nutzen. Den Rand der Schale nutzte ich somit wie einen Keksausstecher, was aber leider wegen der abgerundeten Kante nicht so perfekt klappte. Mit dem Messer schnitt ich den Kreis anschließend vollständig und sauber aus.
  5. Mit dem Zahnstocher stach ich zwei Löcher an den Rand für das Schleifenband später.
  6. Die kleinere Schale diente zum Formen der Schalenform. Dazu löste ich den Fimo-Kreis von der glatten Unterlage und ließ es vorsichtig in die Schale gleiten. Dort trocknete die Masse gut 24h.20150131_163038
  7. Nachdem die Schale vollständig getrocknet war, schliff ich schärfere Kanten noch vorsichtig mit Sandpapier glatt. Anschließend trug ich in zwei Etappen den Acryllack auf, der in meinem Fall matt ist. Dies ließ ich wieder gut trocknen.
  8. Zum Schluss zog ich dünnes Schleifenband durch die Löcher.

Nachdem wir Montag die Ringe endlich beim Juwelier abholen konnten, lagen Sie bereits Probe, wie man – wenn auch leicht zunächst auch leicht bearbeitet, weil hier auch Gäste* mitlesen, die überrascht werden wollen – im Artikelbild sehen kann. Die Ringe selbst liegen nun ordentlich verpackt bei uns in der Wohnung und warten auf ihren Einsatz ab Juli. Es kann somit losgehen…

Sofern das Schälchen den Tag überlebt, werde ich es sicher im Bad als Schmuckschälchen weiterhin nutzen.

*u.a. Familienmitglieder, die sonst vor Neugier platzen

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Vorbereitung ist alles

Wie ich eingangs mal erwähnte, ich ahnte nicht wirklich etwas im vergangenen Frühjahr, dass der Herr Hochzeitspläne schmiedet.

Offensichtlich untypischerweise hatte ich auch keine klaren Vorstellungen, wie meine Traumhochzeit auszusehen hat. Bis zu dem Zeitpunkt besuchte ich nur die meines Bruders. Hatte damit zwar standesamtlich und später kirchlich durch, aber es weckte keine Träumerin in mir.

Dies änderte sich natürlich mit der Frage aller Fragen. Wir saßen beide zusammen und sponnen, wie unser Tag wohl aussehen könnte. Das war ganz schön, aber so festgesetzte Wünsche entstanden da auch nicht. Meine eine Kollegin war mir damals geistig weit voraus. Sie wusste genau, was sie will und was nicht. Das bewunderte ich. Wirklich.

Ich gönnte mir dann einfach einen ordentlichen Schwung Hochzeitsmagazine vom Kiosk – regelmäßig. Seichte Abendunterhaltung war gesichert.

Sich solche Magazine irgendwie zu besorgen kann ich nur jedem empfehlen, der nicht schon vier Hochzeiten mitorganisiert hat oder zahlreiche Feiern besuchte und somit weiß, was gefällt und was nicht. Man kann als Neuling im Thema einfach wahnsinnig viel übersehen und vergessen. Außerdem gibt es oft gute Tipps für das Zeitmanagement – wenn man nicht wie ich beruflich durch Eventplanung schon geschädigt ist. Wer meint, er kann ohne Kompromisse und Rückschläge in drei Monaten seine Traumhochzeit in der beliebtesten Location seines Wunschortes planen, ist ein bisschen naiv, denn auch hier kann Geld nicht alles regeln.

Für das Kennenlernen der Brautkleidhersteller ist es das Beste, was es gibt. Dank des Internets kann man sich oft die gesamte Palette der Designer ansehen und auch schauen, in welchen Läden man die Marke finden kann. So bastelte ich mir auch meine Vorstellungen für den Besuch beim Brautmodengeschäft zusammen. Dass mir davon gar nix stand, ist ein anderes Thema…

Auch Dekotipps hab ich gut aus den Zeitungen ziehen können bzw. erkennen können, was so gar nicht mein Fall ist. Viele meinen Ja, eine schicke Location ist alles. Das stimmt, aber kleine Details machen nicht nur die eigene Hochzeit individueller, sondern zeigen auch den Gästen, dass sich das Brautpaar Gedanken gemacht hat, eine bestimmte Stimmung zu schaffen. Ich persönlich mochte es als Gast immer, wenn sich in der ganzen Gestaltung der Hochzeit das Paar darin spiegelte. Es ist nicht immer möglich, aber die Hochzeitsreportagen und Tipps in den Magazinen können gute Starthilfe geben.

Für mich als Beauty- und Make-up-Laie waren auch die Tipps rund um Styling am Hochzeitstag bis jetzt recht praktisch. Klar, ich mache auch nicht alles Vorschläge – weil ich einfach keine Lust bzw. Bedarf habe. Meine Füße sind beispielsweise recht ordentlich gepflegt. Ich muss nicht sechs Monate vorher regelmäßig zur Fußpflege, um in meinen Schuhen einen strahlenden Auftritt hinzulegen. Meine Haut benötigt auch keine Behandlungen mit Peelingmasken und weiß der Teufel was. Aber das ist ja das Gute: Alles kann, nichts muss.

Was außerdem perfekt in einigen Magazinen gelöst ist, ist der Dienstleisterteil. Am Ende des Heftes wartet quasi eine Sonderform des Telefonbuches auf die Paare. Sortiert nach PLZ-Bereichen oder Dienstleistungssparten können hier Profis für die eigene Hochzeit kontaktiert werden. Vom Fotograf über Catering bis hin zum Zauberer oder einer Kinderbetreuung. Wer nicht lange recherchieren will und auch keine Geheimtipps von Freunden und Familie erhält, hat hier gute Chancen, erfolgreich fündig zu werden.

Mein Alltime-Favourite bei den Magazinen ist aber das offenbar noch recht junge marryMAG. Hier gibt es nicht nur die neuesten Trends zu bestaunen, sondern wunderbare Reportagen zu Brautpaaren, sondern auch herrliche DIY-Vorschläge. Beim marryMAG kann ich wirklich reinen Gewissens sagen, ich las alles. Bei anderen wäre das gelogen 😉

Mit der Zeit wuchs nun zu Hause ein ordentlicher Stapel an Magazinen und Zeitschriften. Leider heiratet in meinen Umfeld aktuell nur noch einer – zwei Wochen nach uns. Hier brauche ich der Braut keine Magazine mehr andrehen. Die sind bei der Planung wie wir fast fertig. Wer hier aber Interesse hat und sie sich irgendwie in Frankfurt abholen möchte oder ich sie bei einem Heimatbesuch in Halle, Dessau oder Leipzig irgendwie abgeben kann, ich mache dies gerne. Für den Papiermüll wären sie einfach zu schade. Also: Verlobt euch und nehmt mir das Papier ab!

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Eierwärmer selber stricken

Ich frühstücke gerne in Ruhe und ausgiebig. Noch besser ist es im Kreise mit Menschen, die ich mag. Seien das Freunde, die über das Wochenende zu Besuch sind oder unsere Eltern. Obwohl wir momentan nicht mit viel Platz am Esstisch angeben können, bemühe ich mich doch, für jedes Essen den Tisch entsprechend zu decken.

Für einen Frühstückstisch heißt das für mich auch, dass gekochte Eier ihren Weg in einen Eierbecher finden sollten. Und damit die frisch gekochten Schätze nicht sofort wieder auskühlen, gibt es gefühlt seit Menschengedenken Eierwärmer.

Ich kenne sie von früher noch. Oma häkelte (glaube ich jedenfalls) die buntesten Eierwärmer, damit das Ei im Plastebecher warm blieb. Der Eierbecher selbst war natürlich in typischer Hühner- bzw. Hahnenform. (N)Ostalgiker werden sich erinnern.

Auch ich besitze nun Eierbecher. Schlichte, aus weißem Porzellan – dank der fehlenden Verpackungskünste beim Butlerpersonal auch einen mit abgeplatzter Ecke. Sie erfüllen ihren Job. Meine Dekovorstellung zielte nämlich auf eine andere Sache ab. Ich wollte Eierwärmer selbst stricken. Quasi kleine Bommelmützen. Durch den Hype, sich selbst Wollmützen zu stricken/häkeln/klöppeln hat man seit einigen Jahren geradezu unbegrenzten Zugang zu Wolle in tollen Farben.

Ich selbst stricke die Eierwärmer  mit meinem Nadelspiel aus Bambus. Konkret habe ich ein Bambus-Nadelspiel der Stärke 5,5. Pro Eierwärmer braucht man die gewünschte Wolle zzgl. Wollresten für die Bommel. Für die Bommeln nutze ich eine Größe aus dem Pompon-Maker-Set, das ich mir bei idee.Creativmarkt kaufte.

Anleitung

  1. Schlagt mit eurem Nadelspiel 24 Maschen (M) an. Das sind pro Nadel 6 M.
  2. Strickt die erste Runde einmal in der Abwechslung rechte Masche (rM) und linke Maschen (lM) durch. Konkret heißt das für jede Nadel: rM-lM-rM-lM-rM-lM. (Für Anfänger ist es an dieser Stelle einfacher, alles in rechten Maschen einmal komplett rund zu stricken.)
  3. Nun ist es jedem frei gestellt, ob er die folgenden 17 Reihen in dem rM-lM-Muster strickt oder nur ein paar Reihen. Wer nur ein paar Reihen abwechselnd strickt, erhält ein schönes Rippenbündchen. Ich stricke meist noch 4 weitere Runden im rM-lM-Muster. Danach geht es in reinen rM weiter, bis ich 17 Reihen bzw Runden durch habe.
  4. Nun geht in in den nächsten zwei Runden ans Abnehmen. Wenn ihr wie ich am Ende nur rM gestrickt habt, geht es in der ersten Runde auf jeder Nadel wie folgt:2rm, 3.+4. Masche als eine rM zusammenstricken, 2rM. In der letzten Runde auf jeder Nadel: zwei rM, 3+4 als eine rM zusammen.
  5. Nun mit einer Nadel den Faden durch die übrigen Maschen auf den einzelnen Stricknadeln ziehen. Festziehen, vernähen.

Für die Pompons ist so ein Hilfsmittel wie der Pompon-Maker echt Gold wert. Dazu suche ich mir einfach die Wolle für die Bommel zusammen. Anschließend bereite ich mir die Teile des Makers für die Pompons vor und wickle die Wolle großzügig um die Gerätschaften. Teile zusammenklemmen, mit einer scharfen (!!!!) Schere zwischen den Scheiben schneiden, mit einem festen Stück Faden die so nun losen Schnüre zusammenbinden, festziehen und an den kleinen Eierwärme nähen. Fertig.

Natürlich kann man bei den Eierwärmern auch mit Ringelreihen arbeiten oder Initialien einsticken bzw. aufnähen. Der Verziehungsmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt!

Viel Spaß!

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Eheringe oder auch: „Karstadt macht auch schöne Freundschaftsringe…für kleine Budgets“

Zu einer Hochzeit gehören Ringe. Das ist kein Gesetz, aber Eheringe haben mit ihrer tiefen Verwurzelung in die Tradition schon eine gewisse Symbolik, die auch ich nicht abstreiten möchte. Für uns beide gab es daher auch nie die Diskussion, ob wir darauf verzichten wollen – auch wenn wir beide nicht wirklich viel Schmuck besitzen und tragen. Es besteht halt immer die Gefahr, etwas zu verlieren bzw. zu verbummeln – bei uns beiden.

So starteten wir im Januar vergnügt zur Hochzeitsmesse hier in Frankfurt und wollten uns zunächst nur inspirieren lassen. Platin, Weißgold, Palladium, Edelstahl – ist halt alles in der Grau-/Silberschiene zu finden, aber wo da die Unterschiede sind und wie sie an unseren Händen wirken, da hatten wir keine Ahnung. Die Bildungslücke wollten wir schließen.

Nun sind Messen nicht nur als Volksbespaßung gedacht, sondern die Aussteller wollen Geld verdienen. Daher ist natürlich auch klar, dass die Messemitarbeiter potentielle Neukunden gewinnen wollen. Denn wie sagte meine Schwägerin in spe so schön: „Hochzeitspaare und junge Eltern. Die können so richtig schön gemolken werden.“ Das unterschreibe ich nun blind. Also zumindest für Hochzeitspaare.

So fanden wir uns nach gefühlt 30 Sekunden nach dem Betreten der Halle in zwei äußerst bequemen Sesseln vor einer freundlich grinsenden, jungen Frau wieder. Sie hatte auch viel Schmuck am Ohr, Hals und den Händen – sie l(i)ebt ihre Arbeit somit bestens – zumindest in meinen Augen.

Das Abfragen der Grundfakten lief ab wie nach Schema F mit Ankreuzzettel. Hochzeitsdatum? Ringgrößen? Materialwünsche? Steinwünsche? Gravurwünsche? Materialmix?

Das war bezüglich der Ringart direkt etwas viel auf einmal. Wir wussten immer noch nicht, wie sich Weißgold von der Optik her von Platin und Palladium unterscheidet. Zumindest konnte uns dann hier Weißgold neben Platin gezeigt werden, aber nur kurz. Es wirkte fast so, als wäre es ihr lieber, wenn wir immer die Handflächen nach oben zeigen würden à la „Hände hoch, das ist ein Banküberfall“.

Den Beratungsgnadenschuss bei ihr gab ich mir wahrscheinlich selbst, als ich ihre Frage mit „Wie viele Steine sollen es denn werden?“ mit „ach….eigentlich gar keinen“ beantwortete. Ich weiß nicht, ob sie dachte, wir hätten so gar kein Geld oder wären geizig oder was auch immer. Jedenfalls wurde sie merklich einsilbig und betonte, dass ihre Firma nur mit ECHTEN Diamanten und HOCHWERTIGEN MATERIALIEN arbeitet. Es gäbe da aber so Warenhäuser, in deren Schmuckabteilungen findet man auch sehr schöne Freundschaftsringe, gar nicht mal so teuer…

Tendenziell ging es mir bei meiner Entscheidung gegen Stein gar nicht um den Preis. Wir hatten beide nie über ein Preislimit gesprochen, waren uns aber auch hier unausgesprochen wieder einig, dass wir nicht mehr als Summe X bezahlen möchten.  Wir kennen uns einfach. Wir sind tollpatschig. Wir sind das Paar, das beim fröhlichen Buddeln mit Kindern am Strand den Ring verliert. Ich möchte aber keine 1.000 Euro der Ostsee schenken und mich dann über meine eigene Dummheit noch mehr aufregen.

Außerdem kam auch aus optischen Gründen kein Stein für mich in Frage. Ich trage links sicher auch weiterhin meinen Verlobungsring – so lange wie dieser passt. Dieser ist schlicht mit einem kleinen Stein. Ich liebe ihn einfach, wie er ist. Da brauche an der anderen Hand nicht fast deckungsgleich das gleiche Design, nur aus anderen Materialien. Die Argumentation verstand die Dame leider irgendwie nicht.

Wir gingen anschließend zwar nicht grollend oder gar beleidigt vom Stand, aber es war auch irgendwie frustrierend. Kunde ist König, solange man die Scheine auf den Tisch knallt.

Einige Stände weiter kamen wir dann zum Stand der Goldschmiede Kargus. Dies war das totale Kontrastprogramm hinsichtlich des Ansprechens und Beratens. Wir wurden sehr freundlich angesprochen und zwar mit der direkten Frage, ob wir uns nicht vorstellen könnten, unsere Eheringe selber zu schmieden. Ehrlich gesagt, wir konnten es nicht, waren aber neugierig.

In der Hobbyschmiede kann man unter der fachkundigen Anleitung eines ausgebildeten Goldschmiedes die Eheringe selber erschaffen. Es klingt so, als würden am Ende Schmuckstücke entstehen, die nach nichts aussehen, aber durch die fachkundigen Anweisungen geht hier in der Regel wohl nichts schief und die Ringe sehen am Ende auch wirklich nach Ringen aus.

Wir selbst ließen uns vor Ort in der Hobbytrauringschmiede in Offenbach noch einmal alles zeigen. Außerdem ließen wir uns, um eine Vergleichsgröße zu haben, den Materialbedarf für unsere Ringe ausrechnen. Final zusagen wollten wir nicht, da noch ein Termin beim Juwelier ausstand. Der Leiter der Hobbyschmiede war aber auch sehr freundlich, beantwortete geduldig die Fragen und versprühte die ganze Zeit einen hessischen Charme, wie ich ihn in Frankfurt bisher noch nicht erleben durfte.

Letztendlich entschieden wir uns auch tatsächlich für die Trauringe von der Stange beim Juwelier. Das hatte ganz praktische Gründe: fehlende Zeit an den Wochenenden in den kommenden Wochen und fehlendes Vertrauen in unsere Fähigkeiten.

Wer sich jedoch vorstellen kann, hier einen Tag in einer Goldschmiede unter wirklicher Fachanleitung seine Ringe zu schmieden, sollte sich ruhig einmal umsehen, ob in seiner Gegend nicht auch eine Hobbyschmiede ist. Die Ringe, die wir sahen, waren wirklich gut gemacht und wirkten für mich, als Laien, auch nicht wie „selbstgemacht“, sondern wie aus dem Laden gekauft. Es ist wahrscheinlich ein ganz eigenes Gefühl zu wissen, dass der Partner auf diesem Stück Metall rumhämmerte, es erhitzte, es bog, es schliff. Ich glaube, hätten wir aufgrund seiner Versetzung weniger Zeitdruck gehabt, hätten wir hier wirklich ja gesagt.

Sowie der Juwelier dann vom Hersteller dann endlich mal beliefert wird, können wir auch hier ein dickes Häkchen auf der To-Do Liste setzen. Wer uns kennt und die Ringe sieht, wird wohl nicht überrascht sein. Bei der Beratung war für mich jedenfalls das schönste, nicht in Schublade „geizig“ oder „arm“ gesteckt worden zu sein. Sie beriet uns ausdauernd und verständnisvoll, gab Tipps und Hinweise – also so, wie man es sich vorstellt. An dieser Stelle großes Danke an Frau E. vom Christ Juwelier! Auch dafür, dass sie sich jetzt so fleißig rührte um nachzuhaken, wo unsere Ringe bleiben.

Jetzt freue ich mich, dass wir sie dann irgendwann in der kommenden Woche wohl abholen dürfen und dann möchte ich Juli haben, um sie endlich in der Ringschale liegen zu sehen – bis zum Anstecken.

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Das Ende von Eddy – Buchkritik

Frankreich. Die Picardie. Wir sind in einem kleinen Dorf. Eddy wächst mit einigen Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater trinkt zu viel, die Mutter schimpft zu viel und eigentlich ist sein Leben seit Generationen vorherbestimmt: geboren werden, zur Schule gehen, Schule verlassen, in der Fabrik arbeiten und ein richtiger Kerl sein, der sich prügelt und säuft.

Aber Eddy ist als Kind schon kein richtiger Junge. Statt auf dem Dorfplatz zu bolzen, würde er lieber tanzen lernen. Er liebt es, seine Schulfreundin zu schminken oder die Kleidung seiner Schwester anzuprobieren. Auch die anderen im Dorf bemerken, dass Eddy zu viel mit den Händen beim Sprechen gestikuliert und auch so oft irgendwie zu zart für einen echten Kerl aus der Normandie ist.

Er gibt sich Mühe, will angepasst sein. Eddy nervt es auch selbst, dass er in der Schule das Opfer ist, dass er in manchen Situationen lieber heulen würde anstatt vor Wut einfach zurückzuschlagen. Aber er grinst möglichen Ärger weg, immer in der Hoffnung, dass die wachsende Agression ihm gegenüber nicht eskaliert. Die Mutter, selbst mit der Gesamtsituation überfordert, erkennt es einfach nicht, wenn ihr Sohn gestresst vor ängstlicher Anspannung aus der Schule kommt. Der Vater, ein echter Kerl, weil er säuft und sich prügelt, ist auch nicht an Eddys Gedanken und Ängste interessiert. Hauptsache er verkneift sich seine Tussiattitüden und dann wird er schon noch ein Mann, wie es alle Männer im Dorf worden. Immerhin beleidigt man auch ihn als Vater, wenn Eddy als Tunte oder Tusse beschimpft wird und das kann er nicht auf sich sitzen lassen.

Somit wächst Eddy mit der Einstellung heran, dass Schwule abartig sind. Ein echter Kerl fickt (Frauen) und wird nicht gefickt. Fertig. Wenn er lieber tanzt und Mädchensachen trägt, ist er ein Freak, ein kranker Spinner. Das ist ekelhaft. Daher warnt er auch seinen kleinen Bruder, dass er sich bloß in Mädchen zu verlieben habe. Schwule sind abartig. Punkt.

Nun kommt es jedoch im Holzschuppen, in dem er sich mit seinem älteren Cousin und ein paar anderen Jungs regelmäßig zum Zeitvertreib nach der Schule trifft, zu einer Situation, bei der die Mutter sie entdeckt und schockiert ist. Am Ende ist es Eddy, der mehr als nur bespuckt wird, weil die drei anderen Beteiligten ihn als Sündenbock benutzen. Eddy, die Tunte, schlug das Spiel vor. Eddy, die Schwuchtel, wollte es so. Eddy, die Tussi, ist der Abartige. Leider erkennen die Bewohner des Dorfes in ihrer Beschränktheit nicht, dass es vier Beteiligte gab und nicht nur Eddy.

Eddy sieht seine Chance auf Leben in Frieden nur, wenn er sich zusammenreißt. Er kann ein Kerl sein. Mit einer Freundin. Das wird schon. Er zwingt sich, sich selbst zu beweisen, dass er wirklich mit Haut und Haaren ganz normal ist und Frauen begehren kann…

Das alles klingt nach der unaufgeklärten Schwulenhetze vergangener Zeiten. Édouard Louis, dessen eigentlicher Name Eddy Bellegeule* ist und der in Das Ende von Eddy seine Kindheit ansatzweise verarbeitet, wurde erst 1992 geboren. Er erlebte die Schmähungen, das Mobbing, die Beleidigungen und die Gewalt am eigenen Leibe. Sein endgültiges Entkommen war die Flucht nach Amien und zuletzt Paris, wo er nun Student der Soziologie ist.

Ich stieß in der Literaturecke des Spiegels online auf diesen Roman. Das Thema fand ich ganz interessant und erste Kritiken schwärmten vor allem von der gewaltigen Sprache des Autors. An dieser Stelle bin ich etwas ratlos, weil mir meine Fassung als deutsche Übersetzung vorliegt. Entweder bin ich vollkommen abgestumpft, oder die Übersetzung litt einfach – was Übersetzungen so an sich haben. Meine Französischkenntnisse reichen leider nicht aus, um mir das Original zu Gemüte zu führen und hier vielleicht den auffallenden Sprachgebrauch des Autors zu bemerken. In der deutschen Fassung empfinde ich die Sprache nicht wirklich aggressiv oder gewaltig. Im Gegenteil. Es ist eher sehr einfach gehalten, beinahe primitiv, wodurch die Einfachheit der Dorfbewohner gut unterstrichen wird. Von Sprachgewalt würde ich da nicht sprechen, eher von der Wahl des passenden Sprachstils.

Wenn ich von Einfachheit spreche, meine ich dies auch nicht abwertend. Es wird aber nicht nur durch den Umgang, sondern auch durch die geschilderten Weltanschauungen der Bewohner klar, dass hier komplett andere Werte wichtig sind und der Bildungsstand niedriger ist. Die Frauen sind beispielsweise dafür verantwortlich, wenn die Männer Mist bauen. Sie könnten ja liebevoller sein. Wären die Männer nicht so triebgesteuert und würden die Mädels schwängern, könnten die ja die Schule beenden und was anständiges Lernen. Eier haben ist auch ganz wichtig, um sich zu behaupten. Das zählt für Männer und für Frauen.

Eddy passt mit seiner Art nicht in dieses klassische Gefüge und das merken auch seine Eltern. Die Mutter ahnt sicherlich durch das weiche Verhalten ihres Eddys, dass dieser kein Schlägertyp wird. Der Vater lehnt auch alles kategorisch ab, was nicht seinem einfachen Weltbild passt: Schule und Bildung braucht keiner, Ärzte wollen nur Geld und jeder Angestellte, der mehr Gehalt hat und eine Ausbildung genoss, ist ein arrogantes Arschloch. Der einfache, kleine Mann muss einfach selbst gucken, wie er mit dem Arsch an die Wand kommt. Für Eddy ist es daher schwierig, fernab dieser engen Weltsicht des Dorfes in der Stadt zurechtzukommen, zumal er in der Schule recht passable Noten bekommt und er wirklich etwas aus seinem Leben machen könnte. Er spürt, dass er anders ist, dass er die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen kann, aber er kennt auch keine Alternativen.

Das Ende von Eddy beweist an einem recht aktuellen Beispiel, wie wichtig Aufklärung und Erfahrung für das Erschaffen von Weltbildern und Meinungen ist. Eindrücke prägen und je vielfältiger diese sind, desto geringer ist doch auch die Angst vor Unbekanntem und Neuem. Anderssein ist nichts, was es zu verurteilen gilt, sondern kann eine wahre Bereicherung sein.

Das Buch las sich recht zügig weg, was auch durch den einfachen Schreibtil begünstigt wurde. Wenn Eddy in der Schule gemobbt wurde, körperlich angegriffen und dadurch auch sein Nervenkostüm stark strapaziert war, fühlte ich mit, weil es trotz der Einfachheit doch anschaulich beschrieben ist. So war auch mein Ekel vor den Sachen, die ihm andere Schüler antaten, recht groß. Das ständige Ankämpfen an das Anderssein, dass von ihm innen heraus kommt, war nicht nur zu lesen, sondern zu spüren. Ich sah in den Kopf des heranwachsenden Eddys, verstand seine Erklärungen, warum er dann einfach die Hände den den Taschen ließ, wenn er sprach oder seine Stimme verstellte. Er erschuf einen zweiten Eddy, einen angepassteren – damit endlich die Hetze im Dorf aufhört und auch hier verstand ich als Leser, warum er nicht ankämpfte oder gar abhaute. Bevor Eddy die Schule und somit auch seinen Lebensraum wechselte, gab es für ihn in seiner beschränkten Weltsicht einfach keine andere Lösung als angepasst auf das Beste hoffen.

Daher Hut ab vor jedem, der den Schritt des Outings geht und sich dadurch an einen Pranger stellt, den es nicht geben müsste, denn die Schikanen für Homosexuelle in unserem Zeitalter sind wirklich ein wahres Armutszeugnis für die ach so aufgeklärte Menschheit.

*Bellegeule heißt übersetzt in etwa Schönmaul (belle = schön, geule = Maul, Fresse)

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