Im Labyrinth des Schweigens

Es gibt mittlerweile zahlreiche Filme, die sich mit dem 2. Weltkrieg befassen. Siegerseite. Verliererseite. Tragische Geschichten, oft mitten aus den Erlebnissen von Überlebenden. Schindlers Liste. Der Pianist.

Wahrscheinlich denken auch einige mittlerweile „Och nee, nicht noch ein Film, in dem alle Deutschen die Dummen sind“.

Die Unlust, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen wird meist noch mit dem Merkmal „Deutsche Filmproduktion“ stark gesteigert. 2014 kam jedoch ein Film in die Kinos, dessen Hauptfigur fiktiv ist, der Hintergrund zum Film jedoch real und ernst ist. „Im Labyrinth des Schweigens“ ist ein Titel, der Bände spricht.

Ende der 50er Jahre. Das Ende des Krieges liegt schon etwas zurück, im Zuge des Wirtschaftswunders haben die Deutschen den Spaß am Leben wieder entdecken können. Doch manche Bürger wirft der pure Zufall auf der Straße zurück in die Vergangenheit, die nicht vergessen ist, nicht vergessen werden kann. So geht es auch Simon Kirsch, der einen ehemaligen Aufseher im KZ Ausschwitz erkennt, während er unterwegs ist. Sein Bekannter, der Journalist Thomas Gnielka, will ihm helfen und möchte gemeinsam mit ihm Anzeige gegen diesen Wärter erstatten. Doch niemand in der Frankfurter Staatsanwaltschaft interessiert sich wirklich dafür.

Bei dem jungen Staatsanwalt Johann Radmann wird jedoch Interesse an dem Fall geweckt. Er weiß zwar nicht wirklich etwas mit Ausschwitz anzufangen, aber irgendetwas muss sich doch dahinter verstecken . Anfangs noch müde von den Kollegen belächelt, übergibt ihm schließlich der Generalstaatsanwalt die Leitung der Ermittlung. Was auch immer in Ausschwitz passierte, Täter müssen für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden, so Radmanns berechtigte Meinung.

Die Basis des noch mühsamen Ermittlungskampfes sind Dokumente von Kirsch. Listen aus dem Lager mit den Namen einiger Wärter. Aufgespürte Zeugen erzählen in der Vernehmung von den furchtbaren Taten. Die vermeintlichen Täter werden im sichtbar erschütterten Team um Radmann über Telefonbücher ausfindig gemacht und nach und nach festgenommen sowie verhört.

Unterstützung durch Behörden gibt es nicht. Im Gegenteil. Radmann muss sich Anfeindungen anhören. Die zermürbende Arbeit lässt den jungen Mann trinken, was zu privaten Problemen führt. Nachdem er auch noch von der Vergangenheit seines Mitstreiters Gnielka hört, reicht es ihm und er schmeißt seinen Job bei der Staatsanwaltschaft hin. Gerechtigkeit gibt es nicht, wenn sich jeder sein Leben mit Lügen und Vergessen aufbaut.

Sein neuer Job in der Wirtschaft wirkt nett, aber für seinen Kollegen sind die selektiven Maßnahmen an der Deportationsrampe absolut harmlos gewesen. Quasi natürliche Auslese. Für Radmann ist das zu viel. Er will zurück. Er will die Täter für ihre Verbrechen verurteilt sehen…

Der Film stellt die Vorgeschichte zum Auschwitzprozess von 1963 – 1965 stellenweise fiktiv, stellenweise belegt dar. Damals arbeiteten drei Staatsanwälte zusammen, damit es zur Anklage für diesen Prozess kommen kann.

Für mich als Kind einer Generation, die spätestens im Schulunterricht mit diesem Thema der Aufarbeitung einer Schuldfrage konfrontiert war, ist es im ersten Moment stets unvorstellbar, dass Leute nichts gewusst haben (wollen). Auch im Film sind es die jungen Leute, die mit dem Namen Ausschwitz nichts verbinden können, weil ihnen Wissen dazu fehlt. Ich selbst kenne aber auch die Erzählungen, dass Dinge totgeschwiegen worden bzw. man einfach nicht drüber sprechen wollte. Ich komme aus Dessau. Dort wurde Zyklon B hergestellt und in den Osten geschafft. Damals rühmte man sich als treuer Zulieferer für das Reich und überstützte vaterlandstreu den Führer. Heute distanziert man sich davon. Die Mahnzylinder, die symbolisch an der Brücke nahe der ehemaligen Fabrik angebracht sind, nimmt kaum einer wahr…

Natürlich kann man aus rein menschlicher Sicht nachvollziehen, dass das gesamte Thema Krieg nicht zu schönen Unterhaltungen anregt und das Bedürfnis nach Angenehmem, auch mit dem Risiko des Vergessens, größer als das nach Aufklärung kommender Generationen war. Das war immer so, wird auch immer so bleiben.

Fakt ist aber, dass „Im Labyrinth des Schweigens“ ein durchaus gelungener Film ist, der nicht belehrend den Zeigefinger erhebt und sich auch nicht in einer peinlichen Theatralik verliert. Er lässt erahnen, gegen welche Mauern des Schweigens die drei Staatsanwälte damals gerannt sind und wie mühsam ihrer Ermittlungen waren. Umso bedeutender ist die Tatsache, dass es trotzdem zu diesem Prozess kam. Und das hat Vorbildcharakter: Gerechtigkeit fliegt nicht einfach zu. Man muss sie sich sehr oft hart erkämpfen.

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

MeinFernbus – Update einer Erfahrung

Vor gut zwei Jahren fuhr ich das erste Mal mit MeinFernbus. Viel hat sich seitdem getan – auch auf dem Fernbusmarkt.

Damals schossen sie wie Pilze aus dem Boden. Die ersten meldeten bereits den Rückzug an. Trotzdem sieht man immer mal noch neue Anbieter, aber auch ohne Zahlen als Fakten zu recherchieren, ist MeinFernbus der wohl am häufigsten genutzte Fernbus Deutschlands. Durch den Zusammenschluss mit FlixBus und kontinuierlichem Streckenausbau sind mittlerweile über 80 Linien und gut 200 Haltstellen zu verbuchen. Selbst europäische Städte wie Amsterdam, Brüssel, Paris oder gar Zagreb und Budapest sind heute über mein Fernbus zu erreichen. Das Prinzip Fernbus scheint somit zu funktionieren.

Dank des Bahnstreiks benötigte ich am vergangenen Wochenende auch mal wieder den Fernbus als Alternative zur Bahn, da ich auch nicht auf unseren PKW zurückgreifen konnte. Lust auf Bus habe ich persönlich generell nie. Wenn man selbst fährt, hat man was zu tun. Oder kann zumindest als Beifahrer irgendwie die Zeit verfliegen lassen. Im Bus langweile ich mich stets zu Tode, auch wenn ich die Zeit für eigentlich gern gepflegte Hobbys nutzen kann. Wahrscheinlich liegrt es auch daran, dass die hessische Autobahn freitags immer zum Kotzen ist – aber mit einem PKW kommt man dann irgendwie doch schneller voran – und ist auch nicht an die gesetzliche Pause für den Fahrer gebunden. Jammern nützte  nix, ich wollte zu einem mir sehr wichtigen Termin nicht fehlen. Da führte an das verlässliche Fahren von MeinFernbus nichts vorbei.

Prinzipiell hat sich bei MeinFernbus auch nichts verändert. Während ich mich erinnere, dass die allererste Tour von Frankfurt nach Leipzig ohne Pause ging, findet heute auf der Strecke immer eine Pause statt. Der Busfahrer muss nun einmal nach gesetzlichen Regelungen genau diese Pausen einlegen. Auch wenn mich die 30-45 Min Zwangspause wirklich nervten, so ist es doch wichtig und auch gut, immerhin hängt auch von der Konzentration und Leistungsfähigkeit des Fahrers die gute und vor allem sichere Fahrt ab – und ich lebe dann doch lieber.

Die Busse sind modern und sauber. Eine Sitzplatzwahl erfolgt nach dem Modus „wer zuerst kommt, wählt zuerst“, also ganz wie in alten Klassenfahrttagen. Das WLAN ist noch immer unterirdisch schlecht, aber die Steckdosen liefern zumindest Strom für Tablets & Co. Wer dringend eine Steckdose braucht, sollte im Bus an den Fensterscheiben nach den Hinweisstickern suchen. Die Steckdosen befinden sich in den Sitzreihen unter den Sitzen zwischen den zwei Plätzen. Am Snackangebot (Getränke, Knabberzeug) änderte sich nichts. Doch auch heute noch halte ich nix davon, den Fahrer mit meinem 50er abzulenken, weil ich Bock auf Gummibären für einen Euro habe.

Generell bin ich mit meiner Notlösung wirklich zufrieden gewesen, auch wenn es nie etwas aus den angekündigten fünf Stunden Fahrtdauer wurde. Für Staus, Stockungen und Sperrungen kann der Fahrer nichts. Der Preis ist bis heute unschlagbar – auch für Leute, die kurzfristig reisen wollen. Wo ich bei MeinFernbus aber wirklich Handlungsbedarf sehe, ist die Situation an den Abfahrpunkten. Freitag gegen 15 Uhr fahren in Frankfurt zahlreiche Busse ab. Die Platzkapazitäten reichen einfach nicht mehr aus, um die Busse systematisch bzw. übersichtlich zu platzieren. Der ungeübte Fernbusgast gerät hier sicher leicht in Panik. Das Personal vor Ort wirkte auch einfach nur genervt von allem und jedem. Anfragen von eben diesen ungeübten Fahrgästen wurden auch mal barsch abgewürgt mit „ja, der kommt doch noch, meine Güte, der fährt eh erst in 5 Minuten ab – laut Plan.“ Das wirft dann doch ein schlechtes Bild auf die anstehende Reise und hat auch sicher schon so manche Beschwerde nach sich gezogen. Klar, hört der Mitarbeiter diese Frage am Tag hundertmal, mal mehr und mal weniger freundlich. Aber die Abfahrtsituation ist bei den Stoßzeiten einfach unübersichtlich und ich kann die Angst verstehen, dass der Bus ggf. auch ohne gebuchte Fahrgäste seine Tour starten könnte. Ich ging Seig C auch drei Mal ab, um sicher zu gehen, dass da noch nicht mein Bus steht.

Vielleicht können die Städte hier gemeinsam mit MeinFernbus eine vernünftige Lösung in den kommenden Jahren finden, um hier für alle Beteiligten zufrieden zu stellen. Mal sehen.

Für mich war dies wahrscheinlich vorerst das letzte Mal, dass ich von Frankfurt nach Leipzig und zurück tourte. Wer weiß, welche Strecken die Zukunft bringt.

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

„Und Sie wollen da wirklich nix drauf?“

Vergangenen Samstag hatten wir um 9 Uhr einen Termin beim Konditor. Genauer gesagt bei der Bäckerei Rahaus aus Merseburg.

Bei Kaffee und Blick auf die Backstube hinter Glas besprachen wir mit dem Profi unsere Vorstellungen. An dieser Stelle wurden wir als Paar wahrscheinlich zum ersten Mal bei allen Vorbereitungen leicht schwierig. Allein bei der Vorstellung von gefühlt 100m² Fondant auf Biscuit und Sahnecreme wird uns etwas schlecht. Problem: Fondant lässt Torten zwar wunderbar aussehen, aber wir beide wollen ihn beim besten Willen nicht auf unserer Hochzeitstorte.

Selbstverständlich waren wir auch hier im Gespräch mit dem Fachmann so gut wie möglich vorbereitet. Vorab recherchierten wir im Internet, was es denn so für Alternativen gibt und druckten diverse Varianten aus, um am Bild erklären zu können, was uns vorschwebt. Natürlich gibt es auch bei Hochzeitstorten Trends und glücklicherweise etablierte sich für Vintageweddings mit rustikalem Charme die sogenannte Naked Cake. Stellt euch hier einfach Biscuitböden vor, die mit der Creme der eigenen Wahl gefüllt werden und dann mit frischen Früchten und/oder Blumen sowie Puderzucker  dekoriert werden.

Nach einem kritischen Blick wurde uns zum Gück mitgeteilt, dass unserer Vorstellung eigentlich nichts im Wege steht. Die Details wurden auch fix geklärt und festgehalten. Nur über unseren Wunsch, kein Dekopaar oben auf der Torte zu haben, wurde mit etwas Verwunderung aufgenommen.

Schwieriger als die Hochzeitstorte war für uns die Kuchenauswahl für das Kaffeetrinken. Wenn Konditoren nur leckere Dinge produzieren, möchte man eigentlich alles haben, aber das geht einfach nicht. Bei der Auswahl gingen wir dann nach Bauchgefühl und den wichtigstens Fragen:

  • Was essen wir gerne?
  • Was würde sich schön ergänzen?
  • Was wäre besonders, was man eben nicht jedes Mal bei einer Kaffeetafel vernascht?
  • Was würde denn auch den Kleinen schmecken?

So trafen wir unter der guten Beratung von Rahaus unsere Auswahl für das Kaffeetrinken und freuen uns jetzt schon sehr, da wir 2-3 Dinge vor Ort direkt probieren und dank der Kuchentheke zum Probieren für das Kaffeetrinken bei meinen Eltern noch eine kleine Auswahl mitnehmen konnten. Fazit meiner Eltern war dort nämlich auch: gute Auswahl, schmeckt!

Vielen lieben Dank an dieser Stelle an das Team von Rahaus am Neumarkt in Merseburg. Freundliche Bedienung und Beratung, die bei uns keine Zweifel lassen, dass auch dieser Part an unserem Tag gut schmecken und funktionieren wird.

Wer sich mal in der Ecke (Merseburg, Saalekreis) rumtreibt, sollte dort ruhig einen kleinen Besuch einplanen. Es lohnt sich wirklich.

Homepage Rahaus

Checkliste Hochzeitstorte

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

Jack

Ich war im Kino. Vielleicht sollte ich den Film ersteinmal vollständig sacken lassen und ein paar Nächte drüber schlafen. Aber vielleicht ist es so jetzt auch das Beste, dass ich meine Eindrücke zum Film direkt runtertippe. Man weiß es nicht. Ich erstrecht nicht.

Jack – ein 10-Jähriger, der mehr Verantwortung übernimmt als seine Mutter, die, das muss ich zugeben, auch ihre liebevollen Momente im Umgang mit ihren Jungs hat. Aber Jack ist ein Junge, der sich im Rahmen seiner eigenen Kindheit um den kleinen Bruder kümmert, weil die Mutter oft nicht da ist. Da passieren Unfälle. Wer die Schuld trägt und dafür den Preis zahlt, ist klar: Jack. Er muss ins Heim oder wie es schöner klingt: ins betreute Wohnen.

Dort ist auch nicht alles perfekt, wie auch, denn perfekt gibt es nun einmal nicht. Aber er gibt sich Mühe, wie er es immer tut, denn die Belohnung ist zum Greifen nah: Sommerferien bei Mama und dem kleinen Bruder. Die Enttäuschung folgt direkt, weil Mama Besseres zu tun hat. Nach einem Vorfall reißt Jack aus. Er will nach Hause. Dort angekommen ist niemand. Sein kleiner Bruder seit Tagen bei einer Freundin der Mutter, dessen aktueller Hormonausgleicher den kleinen Bruder mit seinen drei Sachen wie Müll auf den Hausflur schmeißt. Jack und sein Bruder suchen nun gemeinsam die Mama. Sie irren gut drei Tage durch eine Großstadt und kein Mensch fragt, warum hier zwei Kids abends im Dunklen allein unterwegs sind. Irgendwann finden Sie die Mama. Sie ist wieder zu Hause. Doch für Jack ist es nicht, wie es war…

Ich kann mein Leben bzw. meine Situation nicht mit einem Film vergleichen. Das ist sinnlos. Ich kann mir die Welt schön reden und sagen: Ach, es ist nur ein Film, der mich etwas aufrührte, mich, in meiner kleinen Welt, in der eigentlich in allen „wichtigen“ Lebensbereichen alles schön ist. Aber mein Kopf sagt, dass es zahlreiche Fälle von dieser Art von Kindesvernachlässigung gibt. Es gibt diesen zehnjährigen Jack, der seinem kleinen Bruder versucht, eine Art Familie zu bieten. Er zieht ihn an, macht ihm Frühstück, geht mit ihm Spielen – weil die Mutter Besseres zu tun hat. Jack darf dadurch kein Kind sein. Es gibt zahlreiche Kinder, die durch die Vernachlässigung der Eltern und der Verantwortung für kleinere Geschwister keine Kinder sein dürfen und das kotzt mich an.

Im Film sieht man ihn ständig rennen. Als würde er um sein Leben rennen und nur unter Stress stehen. Der Junge ist zehn. 10! Anstatt mit seinem kleinen Bruder tagelang durch Berlin zu irren und zu versuchen, seine Mutter zu finden, sollte er mit Freunden spielen und den Sommer am See genießen und einfach nur Kind sein. Stattdessen ist er Beschützer und Familienwahrer, der das Einzige retten möchte, was er hat: Familie.

Ivo Pietzcker spielt Jack. Google Bildersuche zeigt zum Glück auch Fotos, auf denen er bis zu beiden Ohren lacht. Im Film ist es eher so, dass man von Minute zu Minute hilfloser wird, wenn man ihn mit seinem maskenhaften Gesicht sieht. Man will ihm helfen, ihn zum Lachen bringen, ihn drücken und ihm eine gottverdammte Eintrittskarte in ein schönes Leben schenken – wie auch immer das aussehen mag.

Fakt ist: Vernachlässigung gab es, gibt es und wird es immer geben. Nicht nur in den bereits genug stigmatisierten Familien, die auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Es gibt sie auch in wohlhabenden Familien. Es gibt sie überall. Die Frage ist, wie man das Problem lösen kann, ohne viel Schaden anzurichten. Die Arbeit von Familienhilfen und Sozialarbeitern muss dringend gefördert werden, aber auch Familienmitglieder und Freunde und Bekannte sollten nicht einfach blind die Augen verschließen. Sicherlich sollte primär vor der eigenen Tür gekehrt werden, aber umsichtiges Verhalten kostet nichts.

Auf dem Weg nach Hause „spielten“ wir ein „Was wäre wenn“-Gedankenexperiment. Wir kamen nur zu dem Ergebnis, dass wir unsicher sind. Hetzt man den Nachbarn das Jugendamt auf den Hals, weil das Kind 2 Tage mit dem gleichen, versifften T-Shirt zur Schule muss? Eins ist klar, ich möchte mich nie fragen müssen, was ich hätte tun können. Aber vielleicht ist es auch nur zu idealistisch gedacht, um mein Gewissen zu beruhigen.

Ich weiß auch nicht, ob ich Jack als Film empfehlen kann. Eigentlich ja, aber nur an Menschen, die auch gerne mal über einen Film und die Botschaft nachdenken wollen und nicht nur stumpf für knapp 90 Minuten bewegte Bilder sehen möchten. Ich weiß nur eins: traurige, hilflose Kinderaugen erreichen bei weitem nicht mehr jeden – und dieses Abstumpfen ist nicht gut.

 

 

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

Sommerfrische und Backfisch

Bereits im Herbst 2013 planten wir gemeinsamen Urlaub an der Ostsee. Seine Eltern, seine Schwester samt Mann und Kind und wir zwei. Da ich das Meer liebe, waren mir Details zu dem Zeitpunkt unwichtig – ich wollte Seeluft im Gesicht und den Sand zwischen meinen Zehen spüren. Nun war es endlich soweit. Knapp sechs Tage Binz auf Rügen liegen hinter mir und ich kann nur eins sagen: gerne wieder. Binz ist wohl das größte Seebad auf Rügen, bietet einen sehr schönen Sandstrand und auch für die Architekturfans unter uns gibt es einige prachtvolle Gebäude – und das nicht nur im Stil der klassischen Bäderarchitektur. Touristen können über die lange Seepromenade flanieren oder in den kleinen Boutiquen und Shops so manchen Euro lassen. Es ist schon ein sehr touristisch geprägter Ort, in dem die Bordsteine in der Nebensaison wahrscheinlich mit Sonnenuntergang hochgeklappt werden – aber das passiert auch in anderen Orten. Wir bezogen mittwochs wie vereinbart gegen 16 Uhr unser Ferienapartment Wittow in der Villa Ravensberg. Bereits nach der ersten flüchtigen Besichtigung war klar: schick, aber für uns sechs Erwachsene und dem kleinen Wirbelwind könnte es die kommenden Tage schon etwas eng werden – und vollständige Privatsphäre war auch nicht immer gegeben. Die zwei ebenerdigen Schlafzimmer hatten jeweils ein Badezimmer, das man aber nur über den Zugang zum Zimmer erreichen konnte. Die dritte Schlafmöglichkeit unter dem Dach hatte eine maximale Höhe von 1,50m, was somit selbst für mich zu niedrig war. Oben gab es kein Bad und keine Tür, daher wäre man immer mitten im Geschehen, auch wenn man bereits vor den anderen ins Bett gegangen wäre. Ich will aber nicht meckern: Die Einrichtung war total gut in Schuss und für ein Ferienapartment sehr gut ausgestattet und komfortabel.

Selbstverständlich ging es gleich am ersten Tag für mich noch an den Strand. Ich liebe das Meer und könnte eigentlich ewig am Ufer die Füße von den Wellen umspielen lassen. Auch Ludmilla war natürlich sofort dabei.

Zum Abendbrot ging es, trotz des vorherigen Einkaufs, essen. Dort bewies ich wieder meine Ungeduld in Reinform. Mein frischer Hering aus der Pfanne war sehr lecker, aber ich hasse Gräten und bekomme die Krise, wenn ich pulen muss. Das ist nichts für mich, da bin ich durch Filets vollkommen verwöhnt. Die Gaststätte wurde noch durch den Einwurf, dass Mats Hummels ein Aua hätte, unterhalten. Im Apartment warteten auch nur noch zwei Weingläser und dann rief das Bett. Seeluft macht müde. Am Donnerstag spielte das Wetter leider nicht so mit, aber wir machten das Beste draus. Im Nachhinein kann ich nur sagen: Es war gut so, denn die Radtour am Freitag nach Sellin hatte es in sich. Wer meint, dass so eine Insel total flach ist und somit wunderbar für entspanntes Radeln, der irrt – und zwar gewaltig. Aber Sellin war ganz hübsch anzusehen und irgendwie schafften wir es auch zurück. Dafür waren wir alle auch gut kaputt am Abend.

Am frühen Samstagmorgen kam ich endich in den Genuss, die Laufschuhe zu schnüren. Den Rückweg legte ich barfuß am Meer zurück und es war einfach wunderbar. Nach dem Frühstück verabschiedeten sich die jungen Eltern vom Wirbelwind, um bis in den frühen Nachmittag einmal traute Zweisamkeit zu nutzen. Also ging es für uns übrigen mit der Kleinen zunächst zum Spielplatz. Nach einem kleinen Mittagessen kaufte ich mir noch fix eine Mütze, da der Wind in Binz ganz schön kräftig wehte. Meine Ohren waren sofort dankbar. Spontan wurde dann noch beschlossen, sich Prora anzusehen. Eigentlich sollte dies quasi der Cluburlaubsbunker des Deutschen Volkes werden. Aber da der Krieg und dann das Ende kam, wurde Prora nie vollständig fertig. Das Ende vom Lied ist, dass heute ein riesiger Gebäudekomplex steht, mit dem keiner so recht was anzufangen weiß. Das Museum in einem der komplett fertiggestellten Gebäude ist definitiv sehenswert. Trotzdem ist einem das Ausmaß nicht wirklich bewusst – dazu müsste man es einmal komplett ablaufen. Dazu fehlte die Zeit.

Wer aber die Gelegenheit hat, in Prora mal ans Meer zu gehen, sollte dies tun. Der Sand ist wunderbar und dort waren auch weniger Algen, die den Binzer Strandabschnitt gut besiedelt hatten.

Panorama vom Proraer Strand.
Panorama vom Proraer Strand.

Sonntag wollten wir eigentlich mit einem Schiff über die Ostsee fahren und uns den Kreidefelsen aus der Ferne ansehen. Da aber genau die geplante Tour ausfiel und mir die nächste Tour zu spät war, um sich danach noch in die 18°C kalt-warmen Fluten zu stürzen, blieb ich gleich am Strand. Das bereue ich keine Sekunde. Auch wenn der Wind ordentlich wehte und es trotz der Sonne nicht immer schön warm war, hat so ein Tag am Strand für mich ganz viel Urlaubsgefühl bedeutet. Wahrscheinlich liegt das aber an den Kindheitserinnerungen. Am Abend waren wir noch essen, legten eine letzte Runde über die Promenade nach und fingen an, in der Wohnung die ersten Sachen zu packen. Montag hieß es dann leider Abschiednehmen. Auf uns warteten über 800km. Trotzdem ließ ich mich von Baustellen und Staus sowie langsamen Umleitungen nicht ärgern. Ich hatte wunderbare Tage am Meer hinter mir <3.

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

Es gibt Orte…und es gibt Dreieich

Das kleine, hessische Fleckchen Land Dreieich liegt südlich von Frankfurt. Kann man kennen. Muss man nicht. Wir kannten es bis zum 24.12.2012 auch nicht. Aus einem Weihnachtsgeschenk fielen uns Tickets entgegen. Ein Konzert. Im Burgtheater. Wir waren gespannt, auf

Rainald Grebe – Die Burgentour

Doch, wer ist dieser Mann? Aufgewachsen in Frechen (das ist ein kleines Örtchen ganz nah bei Köln) zog es ihn als junger Mann nach Berlin – er wurde Straßenkünstler. Es folgt ein Studium, ein Diplom für Puppenspiel. In Jena war er am Theaterhaus angestellt. Fans des Quatsch Comedy Clubs kennen ihn bereits seit Jahren. Doch wirklichen Ruhm erreichte er mit seiner Hymne, die Brandenburg gewidmet ist. Die Bühne war und ist sein Leben – und wird es sicher noch einige Jahre sein.

Das Konzert

Nachdem wir froh waren, einen der angeblich zahlreichen Parkplätze an der Burg erkämpft zu haben, liefen vor uns gackernde Weiber Mitte 40. Der Kopfschmerz in meinem Kopf regte sich wie ein hyperaktives Kleinkind auf Speed. Die Aussicht, die kommenden drei Stunden neben Hausmuttis zu sitzen, die bei jedem Wort affektiert herumalbern, stimmte mich nicht glücklich.

Zehn Minuten später saßen wir im Burghof auf stapelbaren Plastikstühlen. Wir stützten uns gegenseitig, denn wir waren beide fix und fertig – mit uns, dem Tag, der Welt. Also beste Voraussetzung, um einen Kulturabend zu überstehen und dem Künstler für seine Leistung angemessen zu huldigen – nicht.

Kurz nach 20 Uhr kam Rainald Grebe auf die Bühne. Weiße Hasenohren, graues Jacket, ein T-Shirt, das mich an meinen Opa erinnerte (und ich mochte meinen Opa sehr), eine graue, unförmige Hose und ein rosa Tutu. Alles in allem nicht der Grebe, den ich aus dem Fernsehen/Internet kannte. Ich war verwirrt. Ich ahnte Böses. Ich wollte heim.

Doch es kam anders. Es gab eine Nebelmaschine, einen Soundcheck, viele Lacher, noch mehr Lieder. Klassiker wie Brandenburg und Dörte wurden jedoch nur angespielt. Und glaubt mir, ich hätte beim Lied über Sachsen oder Sachsen-Anhalt Tränen der Rührung gehabt. Neben dem Wert an Unterhaltung kam aber auch gezielt hier und da ein spitzer Pfeil voller Ironie. Ich mochte es. Det junge Fröllein aus’m Berliner Raum neben mir wusste es nich so richtich einzuordnen. Sie lachte zunehmend weniger, je intelligenter der Text wurde.

Rainald Grebe gab an, dass er bei dem Konzert etwas von sich erzählen wollte. Warum er Künstler wurde. Wie er Künstler wurde. Welche Alltagsphänomene ihm dabei ins Auge sprangen. Das ist ihm gelungen – auch weil es peinliche Fotos aus der Kindheit und Jugend gab und er über sich selbst am besten lachen kann. Es war kein reiner Blödel-Abend eines Comedian, der seine Familienmitglieder für flache Klischeewitze missbraucht. Das ist Rainald Grebe nicht. Er ist Künstler, der klug textet und dazu noch zwei Instrumente beherrscht: seine Stimme und sein Flügel.

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich den Herrn einmal ansehen. Trotz meiner Gnatz-LMAAA-Laune war es ein schöner Abend in einer schönen Kulisse.

PS: Lieber Herr Grebe, sollten Sie dank der Google Alerts oder warum auch immer hier gelandet sein: Das Problem, das Sie mit den leeren Deko-Tellern an der Wand haben/hatten, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Ich verstand es bei meiner Oma auch nie.

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

Ludmilla wohnt jetzt hier

Wie auf der Facebookseite angekündigt, zieht Ludmilla hierher um. Das hat folgenden Grund: ich bin Facebook so langsam etwas leid – wahrscheinlich bin ich zu lange dabei.

Selbstverständlich wird Ludmilla auch weiterhin auf Ausflügen, Trips und in Urlauben dabei sein. Das verspreche ich. Und bis zu neuen Abenteuern hier das Best-of der bisherigen Orte:

Berlin

In Berlin war Ludmilla bisher zweimal. Einmal mit Kumpel Rosko und beim nächsten Mal nur ganz kurz zum Posieren, denn da ging es via Flugzeug weiter nach Dublin.

Dessau

Die mittlerweile etwas traurig anmutende Heimatstadt vom Frauchen. Ludmilla  besuchte hier unter anderem abenteuerliche Orte wie Lost Places. An ihrer Seite war hier wieder Kumpel Rosko.

Dresden

Am 22. Dezember 2010 ging es nach Dresden. Es war kalt, es lag Schnee, aber es war dennoch schön.

Dublin

2011 ging es für ein kurzes Wochenende nach Dublin. Dublin kann man nicht beschreiben, man muss es erleben!

Hamburg

In Hamburg ist man einfach zu selten…Nachholbedarf!

Köln

Auch die Domstadt wurde bereits besucht.

Leipzig

Frauchen verbrachte hier fünf wundervolle Jahre. Ich gut zwei Jahre. Viel erlebt, viel gesehen.

Mainz

Vorerst die neue Heimat. Dank der Nähe zum Rhein endlich ein Leben am Wasser. Mainzelmännchen werden noch gejagt.

 

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr