Da Vinci’s Demons

Maler und Bildhauer, Mechaniker und Ingenieur, Architekt und Anatom – Leonardo da Vinci gilt als Genie der Renaissance und zahlreiche Mythen ranken sich um sein Leben.

Wen wundert es da, dass seine Person als Rollenvorlage für eine Historienserie mit fantastischen Elementen genutzt wird? Richtig, niemanden. 2013 fand die Erstausstrahlung von Da Vinci’s Demons statt und die Kritiken waren durchweg positiv. Staffel 2 startete 2014 und angeblich gab der Sender Starz die Produktion einer dritten Staffel bekannt.

Doch worum geht es in Da Vinci’s Demons?

Der Titel ist doch recht plakativ und verursachte zumindest bei mir ein Wirrwarr an Erwartungen an diese Serie, bevor ich sie endlich sah. Soll Da Vinci hier als Irrer dargestellt werden, der von Dämonen heimgesucht wird? Beruht seine Genialität auf Erscheinungen, die ihn heimsuchten? Wird es eine Gut-gegen-Böse-Serie mit Dämonen à la Buffy und Charmed?

Zum Glück nicht.

Wir treffen den jungen Leonardo (Tom Riley) im Florenz des 15. Jahrhunderts. Wie sich schnell herausstellt, ist er der Bastardsohn des Notars der Medici. An seine Mutter hat er keine Erinnerung, obwohl er sich sonst an alles erinnern kann. Leonardo ist ein Freigeist. Er will entdecken, er will forschen, er will genießen, er will LEBEN – und mit all seinen Entdeckungen und Ideen der Zeit weit voraus.

Der junge Da Vinci ist dreist, aber gleichzeitig brilliant und so erhält er ebenfalls Arbeit im Dienste der Medicis. Er soll die Mätresse (Laura Haddock) von Lorenzo Medici (Elliot Cowan) malen. Natürlich bleibt es nicht nur bei der Malerei. Auch seine Ideen für Kriegsgeräte stoßen bei Lorenzo Medici durchaus auf Interesse.

Während Leonardo so ein Projekt nach dem anderen beginnt und nur wenige vollständig beendet, stößt er auf das Buch der Blätter. Dieses mysteriöse Schriftstück scheint ihn näher an die Wahrheit rund um seine Mutter zu bringen und so begibt er sich auf die Suche…

Es ist klar, dass nicht jede Begebenheit in den einzelnen Folgen historisch vollkommen korrekt ist. Ich meine, in einer Folge ist Da Vinci in der Walachhei und kämpft gegen Vlad den Pfähler, den viele von uns nur als Drakula kennen. Die Serie ist jedoch mit Blick für das Detail produziert worden. Die Ideen und die Vorstellungen, die sich in Leonardos Kopf abspielen, sind wunderbar visualisiert worden. Wenn Da Vinci beispielsweise den Bewegungsablauf eines Vogels beim Fliegen studiert, wird der Zuschauer aktiv eingebunden. Er sieht selbst den Flügelschlag in Zeitlupe, erhält die Bewegungsmuster als Skizze eingeblendet. Es ist genau dieser Blick für Kleinigkeiten, die Serien einen eigenen Charakter und jede Menge Charme verleihen.

Serienerfinder und Regisseur ist übrigens der Drehbuchautor David S. Goyer, der auch bei der Batman-Triologie von Christopher Nolan mitarbeitete.

Wohin Staffel zwei und zukünftig irgendwann Staffel drei den Zuschauer entführen, bleibt abzuwarten. Ich jedenfalls mag die Story rund um das Genie Leonardo Da Vinci. Von mir gibt es eine klare Empfehlung, die Serie zu sehen.

Wer jedoch mehr auf Fakten steht, sollte die Finger davon lassen.

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Life on Mars – Gefangen in den 70ern

Manchester, England. Gegenwart. Der Polizist Sam Tyler wird im Dienst von einem Auto angefahren. Er verliert das Bewusstsein und als er wieder aufwacht, ist er plötzlich im Jahr 1973. Auch hier arbeitet er erneut als Polizist, jedoch besteht das Team um ihn aus Chaoten und einem stetig nörgelnden Detective Chief Inspector Gene Hunt, der das Abbild eines grantigen Polizisten ist. Polizeiarbeit, wie Sam sie kennt, gab es 1973 nicht. Hier zählen Instinkte. Oder so. Seine Methoden werden müde belächelt.

Tyler lässt sich jedoch nicht unterkriegen und löst trotz trägem Team und fehlender Technik zahlreiche Fälle. Dies beäugen seine Kollegen ziemlich argwöhnisch, doch so nach und nach erarbeitet Sam sich den Respekt, den er verdient.

Es ist nicht eindeutig, ob Tyler sich wirklich im Jahr 1973 befindet oder einfach nur durch seinen schlimmen Unfall im Koma liegt und ziemlich authentische Illusionen hat. Bereits in der ersten Staffel treffen Sam immer wieder Erinnerungsblitze. Was es damit auf sich hat, wird erst in der zweiten Staffel geklärt. Hier erwartet Sam auch ein mysteriöser Anrufer, der ihn regelmäßig kontaktiert. Während Tylers Team 1973 in einer Undercover-Aktion sitzt, erwacht Tyler aus dem Koma.

Life on Mars ist gewiss keine bekannte Serie, aber sie erhielt 2006 den International Emmy Award in der Kategorie Beste Drama-Serie. Das Grundgerüst der Serie ist sicher auch etwas verrückt. Trotzdem sind die einzelnen Episoden bestimmt etwas für Krimifans.

Die Amerikaner übernamen das Serienkonzept für Life on Mars. Hier sah ich die ersten zwei Folgen und kann nur eins sagen: was für ein Schrott. Ich verstehe  beim besten Willen nicht, wie man eine englischsprachige Serie für den amerikanischen Markt neudrehen kann. Wahrscheinlich um das eigene Volk geografisch noch mehr zu verdummen, denn hey, wer kennt schon Manchester in England. Wer also über Life on Mars stolpert, sollte sich die originale Produktion des britischen Rundfunkanstalt BBC ansehen.

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True Detective

„When you can’t remember your lives, you can’t change your lives, and that is the terrible and the secret fate of all life. You’re trapped, by that nightmare you keep waking up into.“ Rust Cohle

Rust Cohle (Matthew McConaughey) lernen wir als einen fertigen Mann kennen. Langes, strähniges Haar. Die Kippe brennt dauerhaft und das Bier kommt direkt aus der Büchse. Dass dieser Mann ein ehemaliger Mordermittler sein soll, ist schwer zu glauben. Er sieht eher aus wie ein wirklich abgefuckter Typ, der nur noch darauf wartet, dass der Tod anklopft.

Der andere Mann, den man zu Beginn kennenlernt ist ein gepflegter Mann mittleren Alters im Anzug. Martin Hart (Woody Harrelson). Ex-Partner von Rust Cohle. Geschieden. Zwei Kinder. Nun Privatdetektiv.

Die Verbindung der beiden ist jedoch ein Ritualmord an einer Ex-Prostituierten, an dem beide 1995 arbeiteten. Nun, 17 Jahre später, werden beide getrennt voneinander zu den Ermittlungen befragt, weil der Täter scheinbar wieder zuschlug, aufgrund eines Unwetters jedoch alle Dokumente zum Fall unbrauchbar sind. Auch nach all der Zeit könnte die Sicht der Dinge nicht unterschiedlicher als die beiden selbst sein und irgendwie wirkt die gesamte Situation nicht ganz plausibel…

HBO produzierte mit True Detectives eine weitere Serie, die süchtig nach mehr macht. Die Dialoge sind keine oberflächlichen Cop-Floskeln, sondern haben Tiefe, sind anschaulich und sind wahrscheinlich eines der wichtigsten Elemente, warum man bei der ganzen Serie stets ein bedrückendes Gefühl hat. Untypisch für aktuelle Serien ist zudem, dass in der ersten Staffel die Handlung vollkommen abgeschlossen ist, nachdem der Spannungsbogen wirklich bis zum Ende ausgereizt wurde. In diesem Fall war es einfach eine gelungene Symbiose aus tollen Schauspielern und der Tatsache, dass die gesamte Staffel von nur einem Drehbuchautoren und einem Regisseur gedreht wurde. Gerne mehr davon, denn hier wirkte von Folge 1 bis 8 alles stimmig.

In diesem Jahr soll nun auch noch die zweite Staffel starten. Ich bin bereits ziemlich gespannt, ob HBO hier einen zweiten Hit landen kann oder es eher etwas Aufgewärmtes wird. Abwarten.

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Franzi auf Malle

So. Ich habe es hinter mir. Der erste Kurzurlaub auf Malle liegt hinter mir – und nun ja. Ich merke, dass ich für Gruppenurlaube irgendwie untauglich bin, weil mir Dauertrinken irgendwie zuwider ist. Aber: Jeder, wie er es braucht. Meine Leber hat jedenfalls nicht gelitten – und so konnte ich den vollen Zauber unserer wundervollen Finca genießen.

Vergangenen Donnerstag ging es von Frankfurt nach Palma – Gruppenreise mit der Lufthansa. Abgesehen von einer Verspätung des Fluges lief alles nach Plan. In Palma warteten die bessere Hälfte sowie die Mietwagen. Kofferräume voll, alle Mann eingestiegen, ab ging es. Zuerst hat das Navi gesponnen, denn das wollte uns zurück nach Hessen führen. Dann kamen wir im Hinterland Mallorcas an, fanden aber die Finca nicht. Hauptproblem: wir hatten keine genaue Adresse, nur Koordinaten. Wer sein Navi kennt, kann die problemlos eintippen – in unserem Fall traf das nicht zu.

Nachdem wir durch die Pampa irrten und auf zwei Fincas ratlos um Hilfe fragten, riefen wir verzweifelt die Vermieter an. Der Papa vom Eigentümer sackte uns  dann endlich an der lokalen Tankstelle ein und wir erreichten unser Domizil der kommenden Tage.

Die Finca war traumhaft schön und ich würde sehr gerne in anderer Konstellation für ein paar Tage mehr dort noch einmal urlauben – diesmal aber wirklich mit chillen & grillen.

 

 

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Der Kindle und ich

Seitdem ich nicht mehr als Studentin zwischen Hörsaal und der Kasse im Baumarkt pendle, sondern von der heimischen Gemütlichkeit ins Büro, lese ich endlich wieder mehr uniunabhängige Texte. Dank der Literatur kann ich nervige Szenerien im ÖPNV besser ausblenden. Super Sache. Und um dann auch noch mein zweites Zuhause, die Frauenhandtasche, zu entlasten, könnte ich meinen Kindle nutzen. Könnte…

Seit Weihnachten 2011 gehöre ich auch zum damals gefühlt doch recht erlauchten Kreis der eBook-Reader-Besitzer. Jedenfalls fühlte ich das so. In Leipzig. In der Straßenbahn, wenn ich neben anderen sitzen musste. Diese starrten neugierig und rutschten zu sehr in meinen Sitzbereich. Dabei ist mein Eigentum die einfachste Version der Kindle-Reihe ohne großen zusätzlichen Schnickschnack. Das ist vollkommen ok. Bis auf die Tatsache, dass die Tastaturnutzung mich manchmal wirklich etwas nervt – aber ich will mit dem Kindle eigentlich auch keine Romane verfassen.

Ich bekam ihn, weil er auf meinem Amazon-Wunschzettel stand. Mein Bruder dachte, er macht mir eine Freude. Hat er auch. Wirklich. Meine Neugier auf so lustige Gadgets wurde gestillt. Kleine Schwester mit neuem Spielzeug glücklich. Fertig.

Und damals war Amazon auch so nett und hatte Tagesdeals während der Feiertage. Brauchbarer Lesestoff für umme. Hurray \o/ Dann gleich noch ein paar gratis Klassiker geladen. Ab ging die erste starke Lesephase.

Dann lief einige Monate nix zwischen uns. Aber das war nicht schlimm. Die bessere Hälfte hatte sich in einige Werke von Jules Verne verguckt und wollte sie lesen. Also nutzte er ihn. Dann kam eine große Pause von einigen Monden…

Wiederbelebt wurde er dann während meines ersten Praktikums. Pendeln zwischen Mainz und Frankfurt. Reine Fahrtzeit: 40 Minuten. Wer den RMV kennt, weiß, dass es länger dauern kann. Ich arbeitete meine damals heruntergeladenen Inhalte ab. Bram Stokers Dracula in der Originalfassung. Gratis-Angebot der Autoren von Generation Doof. Heilige Scheiße amüsierte mich wider Erwarten mehr, als ich dachte. Einige kleinere Romane und Krimis bzw. Thriller. Versuch an Jules Verne, aber der verstärkte nur meine Müdigkeit. (Sorry) Nachdem ich hier alles abgegrast habe, was mich interessierte, pausierte mein Kindle wieder. Hauptgrund: Ich wollte die Bände von Das Lied von Eis und Feuer zum Anfassen im Bücherregal stehen haben – nach dem Lesen. 

Und genau das ist sicherlich mein Hauptproblem, warum ich den Kindle nicht mehr nutze. Ich möchte ein Buch einfach anfassen, es fühlen, darin Blättern, sein Gewicht in den Handflächen spüren. Außerdem mag ich das warme Gefühl von Räumen, in denen volle Bücherregale stehen. Das hat seinen ganz eigenen Charme und spendet mir – warum auch immer – Trost. Bücher verzaubern mich in ihrer Präsenz mit einem Gefühl der Gemütlichkeit und Ruhe. Ich will einfach, dass Bücher bei mir einziehen und sichtbar ihren Flair versprühen. Basta.

Das hat der Kindle bisher irgendwie noch nicht geschafft – auch wenn er weniger Platz in meiner Tasche einnimmt, meine Wirbelsäule entsprechend entlastet und generell bandscheibenfreundlicher bei Umzügen ist. So eine Kindle-Bücherrei wiegt ja nix. Und wenn man erst an die Einsparung an Papier denkt…

Ich denke, ich werde zukünftig ein Leseverhältnis von 3:1 haben. Dabei gewinnen gedruckte Bücher. Aber hier und da stoße ich wahrscheinlich doch spontan auf ein eBook, dass ich unbedingt schnell parat haben möchte, weil eine Zugfahrt ansteht und mir niemand gewährleisten kann, dass der Presseshop am Bahnhof das Buch vorrätig hat.

Letztendlich liegt es ja nicht am Kindle, sondern an mir, dass unsere Beziehung leicht gestört ist. Seine Lesbarkeit ist klasse, die Bedienung einfach, die Akkulaufzeit unschlagbar. Nur ich steh halt auf etwas mehr Gefühl.

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Urlaubserinnerung

Dank meines verlängerten Wochenendes kam ich die letzten Tage dazu, mich endlich um meine liegengebliebenen „Urlaubsreste“ zu kümmern. Primär betraf das die Gestaltung des Fotoalbums rund um den Urlaub. Die Fertigstellung dauert aber noch ein Weilchen, weil ich Bilder nie wahllos in ein Album klebe, sondern Fotoalben bei mir eher einer Art Tagebuch gleichen.

Die Urlaubserinnerung, die schneller zu basteln ging, ist meine Sand-Glas-Flasche. Während im September meine Füße in weichem, warmen Sand spielten, kam mir die Idee, das es eigentlich ganz schön sei, wenn man von jedem Urlaubsland, wo man war (idealerweise am Meer), etwas Sand in ein Gefäß schichtet und sich dann im Laufe der Jahre an den einzelnen Schichten erfreut und auch gerne an den Urlaub erinnert. Selbstverständlich checkt man im Vorfeld, ob die Ausfuhr von Sand rechtlich ok ist – auch wenn es sich hierbei um kleine Mengen handelt.

Wenn alles gut geht, kommt im Juni die nächste Schicht hinzu. Da ist ein verlängertes Wochenende an der Ostsee geplant und ich freue mich bereits sehr. Ich mag das Meer und die Leute, die am Wasser wohnen, sehr.

Und hier das aktuelle Ergebnis:

Sand in Glasflasche

Ihr findet die Idee auch gut und wollt euch ebenfalls eine sandige Erinnerung basteln? Dann los. Es ist ganz einfach. Besorgt euch einfach eine durchsichtige Glasflasche mit Verschluss. Meine stammt von Butlers und kostete 1,99 Euro. Dann benötigt ihr noch den Sand eures Urlaubsortes. Bastelt euch aus Papier einen Trichter, damit der Sand auch in der Flasche landet und nicht außerhalb. Deckel zu und an den gewünschten Ort stellen. Bis die Flasche voll ist, sollte sie wenn möglich weder umfallen noch geschüttelt werden, sonst vermischen sich die Schichten. Und auch wenn die Tauben bei Aschenputtel eine tolle Auslesearbeit geleistet haben, bei Sand funktioniert das sicher nicht so gut 😉

 

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Von der Plantage ins Weiße Haus

Der Butler

Samstagabend ging es ins Kino. Ich mochte bereits in Leipzig das Passage-Kino, weil dort Arthouse-Filme gespielt werden. Ein Glück gibt es auch hier in Frankfurt das Kino Harmonie. Die Wahl fiel auf die Geschichte eines schwarzen Mannes, der insgesamt sieben US-Präsidenten diente.

Der Butler

Der Film

Amerika in den 1920er Jahren. Cecil Gaines lebt in den Südstaaten auf einer Plantage. Er sieht mit an, wie die Mutter missbraucht und der Vater erschossen wird. Die Herrin der Plantage, gespielt von Vanessa Redgrave, holt ihn sich als „Hausnigger“, also als Diener ins Haus. Er lernt schnell und begreift: Ein perfekter Diener ist man, wenn der Raum sich leer anfühlt, obwohl er in ihm ist.

Cecil (Forest Whitaker) verlässt die Plantage und landet in einem Nobelhotel. Dort ist er so gut bei der Arbeit, dass er eine Anstellung im Weißen Haus bekommt – im Haushalt des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Es bleibt jedoch nicht bei einem Präsidenten. Er arbeitet für Eisenhower (Robin Williams), Johnson (Liev Schreiber), Kennedy (James Marsden), Nixon (John Cusack) und Reagan (Alan Rickman). Hier und da wird er, der Diener, der nichts hören und sehen soll, auch nach seiner Meinung gefragt.

Diese zählt in seinen eigenen vier Wänden kaum. Sein älterer Sohn (David Oyelowo) hasst den Beruf des Vaters als Diener für weiße Männer. Der junge Mann ist stark in der Bürgerrechtsbewegung für die Belange der Afro-Amerikaner engagiert und wird später auch Mitglied der radikalen „Black Panther“-Bewegung. Die Distanzierung zwischen Vater und Sohn wird immer größer. Die Ehefrau und Mutter Gloria (Oprah Winfrey), die ihre Probleme in Alkohol ertränkt, kann immer schwerer zwischen beiden vermitteln. Auch der zweite Sohn verlässt das Elternhaus und leistet – im Gegensatz zu seinem Bruder – freiwillig Dienst für das Vaterland. Unterschiedlicher könnten die Meinungen im Haus nicht sein.

Der Schauspieler Forest Whitaker spielt Cecil wahnsinnig glaubwürdig. Die Spannung zwischen großer Zurückhaltung in seiner Tätigkeit als Diener und dem wachsenden Frust im Inneren, dass die „Schwarzen“ gewaltig diskriminiert werden kann der Zuschauer sehen und fühlen. Es ist der Tod des jüngeren Sohnes, der in Vietnam für das „Vaterland“ starb, es sind die niedrigen Löhne, die Afro-Amerikaner für die gleiche Arbeit wie „Weiße“ bekommen, es ist der Schmerz zu sehen, wie der ältere Sohn immer radikaler wird und es ist die Traurigkeit, dass die eigene Ehefrau stets hinten an steht, denn der Präsident kommt zuerst. Das ist der wahre Cecil. Der Butler verrichtet still und duldsam seine Arbeit – ohne sich etwas anmerken zu lassen. Er trägt – wie seine Kollegen – zwei Gesichter.

Der Hintergrund

Cecils Figur basiert auf Eugene Allen (1919-2010), der 34 Jahre im Weißen Haus gearbeitet hat. Mit seiner Frau Helene war er 65 Jahre verheiratet und hatte einen Sohn. In der Dokumentation „White House Workers: Traditions and Memories“ griff bereits sein langes Arbeitsleben und die Arbeit seiner Kollegen im Weißen Haus auf.

Mein Fazit

Der Film ist absolut sehenswert. Forest Whitaker spielt die Rolle des Cecil mit seinen zwei Gesichtern als Butler und als „Nigger“ absolut perfekt. Der Zuschauer spürt den Stolz, dass er sich diesen Arbeitsplatz im Haushalt des Präsidenten erarbeitet hat. Man bemerkt aber auch die Traurigkeit, dass seine eigene Familie zu kurz kommt und Afro-Amerikaner öffentlich bewusst diskriminiert werden.

Selbstverständlich kann in einem Kinofilm nicht die komplette Geschichte der Bewegung um Martin Luther King & Co. erzählt werden. Soll auch nicht. Doch auch der Geschichtsverlauf im Film zeigt, dass die Weste der Amerikaner im 20. Jahrhundert immer noch nicht so weiß war, wie sie es gerne darstellen wollen.

Wer einen guten Film mit Mehrwert sehen will, für den sollte „Der Butler“ definitiv geeignet sein.

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Fotomagnete

Bei meiner Jagd auf Tischdecken stieß ich durch Zufall im Depot auf Magnete. Da wir aktuell nur die Minions-Magnete haben und diese zwar optisch niedlich, aber nicht wirklich kräftig in ihrer eigentlichen Aufgabe sind, nahm ich die 3er Packung einfach mit. Ich wusste zwar noch nicht, welche Bilder ich da rein basteln soll, aber Haben ist ja bekanntlich besser als Brauchen. Vertrauen in die Magnetstärke der kleinen Fotorahmen hatte ich beim Kauf ehrlich gesagt auch nicht all zu viel, aber schlechter als die Magnete von den Fruchtzwergen oder eben Vitamalz konnten sie nicht sein.

Wie ihr sehen könnt, fand ich Bilder. Selbstverständlich sind die Originale ohne Sonnenbrillen und Masken, aber man muss ja auch mal die Privatsphäre von anderen Menschen schützen – insbesondere von Kindern.

Nachdem ich also mein erstes Bild zurecht geschnitten habe und es an den Kühlschrank pappte, fiel mir auf, dass das doch eine sehr wackelige Angelegenheit werden könnte – obwohl er die Postkarte tapferer hielt als sein Minion-Kollege. Der Magnet und der Rahmen sitzen nämlich locker aufeinander und das verschiebt sich bei der Benutzung. Verschobenes Bild im Rahmen ist auch bei den großen Verwandten nicht so toll anzusehen. Daher griff ich zu Sekundenkleber. Ich klebte den Bildausschnitt mit jeweils vier kleinen Tropfen im Rahmen fest. Den Magneten befestigte ich mit einem kleinen Tropen. Fertig. Fest.

Selbstverständlich landete auch ein wenig Kleber an meinen Fingerspitzen, wo er wesentlich schneller trocknete als auf dem Material, wo er kleben sollte. Also alles wie immer.

Fazit meiner spontanen Kreativ-Bastel-Idee: Da wir noch ein paar Magnete in diesem Haushalt brauchen können und ich gerne in der Deko meinen eigenen, persönlichen Touch habe, werde ich mir wohl noch 1-3 Packungen im lokalen Depot-Store besorgen. Die Erlaubnis dafür bekam ich gestern auch ungefragt. Die bessere Hälfte fragte von sich aus, ob es noch mehr davon gibt. Ich brauche dann nur noch geeignete Motive, die in den winzigen Ausschnitt passen, aber das ist die geringste Sorge.

 

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Es gibt Orte…und es gibt Dreieich

Das kleine, hessische Fleckchen Land Dreieich liegt südlich von Frankfurt. Kann man kennen. Muss man nicht. Wir kannten es bis zum 24.12.2012 auch nicht. Aus einem Weihnachtsgeschenk fielen uns Tickets entgegen. Ein Konzert. Im Burgtheater. Wir waren gespannt, auf

Rainald Grebe – Die Burgentour

Doch, wer ist dieser Mann? Aufgewachsen in Frechen (das ist ein kleines Örtchen ganz nah bei Köln) zog es ihn als junger Mann nach Berlin – er wurde Straßenkünstler. Es folgt ein Studium, ein Diplom für Puppenspiel. In Jena war er am Theaterhaus angestellt. Fans des Quatsch Comedy Clubs kennen ihn bereits seit Jahren. Doch wirklichen Ruhm erreichte er mit seiner Hymne, die Brandenburg gewidmet ist. Die Bühne war und ist sein Leben – und wird es sicher noch einige Jahre sein.

Das Konzert

Nachdem wir froh waren, einen der angeblich zahlreichen Parkplätze an der Burg erkämpft zu haben, liefen vor uns gackernde Weiber Mitte 40. Der Kopfschmerz in meinem Kopf regte sich wie ein hyperaktives Kleinkind auf Speed. Die Aussicht, die kommenden drei Stunden neben Hausmuttis zu sitzen, die bei jedem Wort affektiert herumalbern, stimmte mich nicht glücklich.

Zehn Minuten später saßen wir im Burghof auf stapelbaren Plastikstühlen. Wir stützten uns gegenseitig, denn wir waren beide fix und fertig – mit uns, dem Tag, der Welt. Also beste Voraussetzung, um einen Kulturabend zu überstehen und dem Künstler für seine Leistung angemessen zu huldigen – nicht.

Kurz nach 20 Uhr kam Rainald Grebe auf die Bühne. Weiße Hasenohren, graues Jacket, ein T-Shirt, das mich an meinen Opa erinnerte (und ich mochte meinen Opa sehr), eine graue, unförmige Hose und ein rosa Tutu. Alles in allem nicht der Grebe, den ich aus dem Fernsehen/Internet kannte. Ich war verwirrt. Ich ahnte Böses. Ich wollte heim.

Doch es kam anders. Es gab eine Nebelmaschine, einen Soundcheck, viele Lacher, noch mehr Lieder. Klassiker wie Brandenburg und Dörte wurden jedoch nur angespielt. Und glaubt mir, ich hätte beim Lied über Sachsen oder Sachsen-Anhalt Tränen der Rührung gehabt. Neben dem Wert an Unterhaltung kam aber auch gezielt hier und da ein spitzer Pfeil voller Ironie. Ich mochte es. Det junge Fröllein aus’m Berliner Raum neben mir wusste es nich so richtich einzuordnen. Sie lachte zunehmend weniger, je intelligenter der Text wurde.

Rainald Grebe gab an, dass er bei dem Konzert etwas von sich erzählen wollte. Warum er Künstler wurde. Wie er Künstler wurde. Welche Alltagsphänomene ihm dabei ins Auge sprangen. Das ist ihm gelungen – auch weil es peinliche Fotos aus der Kindheit und Jugend gab und er über sich selbst am besten lachen kann. Es war kein reiner Blödel-Abend eines Comedian, der seine Familienmitglieder für flache Klischeewitze missbraucht. Das ist Rainald Grebe nicht. Er ist Künstler, der klug textet und dazu noch zwei Instrumente beherrscht: seine Stimme und sein Flügel.

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich den Herrn einmal ansehen. Trotz meiner Gnatz-LMAAA-Laune war es ein schöner Abend in einer schönen Kulisse.

PS: Lieber Herr Grebe, sollten Sie dank der Google Alerts oder warum auch immer hier gelandet sein: Das Problem, das Sie mit den leeren Deko-Tellern an der Wand haben/hatten, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Ich verstand es bei meiner Oma auch nie.

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Wochenendausflug im Rheingau

Was die Romanverfilmung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ und die hessischen Staatsweingüter gemeinsam haben? Ein wundervolles Gelände mit einer der wohl schönsten, kulturellen Sehenswürdigkeit Hessens bzw. des Rheingaus:

Kloster Eberbach - SeitenansichtKloster Eberbach

Das ehemalige Zisterzienserkloster liegt in der Nähe von Eltville in mitten von weitreichenden Weinbergen und gepflegten Grünanlagen. Von 1136 bis 1803 lebten in Kloster Eberbach Zisterzienser-Mönche. Nach und nach wurden weitere Anlagen des Klosters errichtet. Architekturinteressierte können romanische, gotische und barocke Bauelemente in allen zugänglichen Gebäudeteilen entdecken.

Blick in den Kreuzgang des Klosters Eberbach Ein Kreuzgang hat kein Anfang und kein Ende, er diente praktischen und liturgischen Aktivitäten. Der Kreuzgang des Klosters Eberbach gleicht sicher einigen Klöstern. Hier finden sich aber vor allem romanische und gotische Bauelemente. Im Zentrum ist heute eine wild anmutende Rasenfläche mit Brunnen und einer Art Weide (glaube ich). An einer Stelle fehlt leider die Überdachung des Kreuzganges. Deren prachtvollen Stützelemente, die das Dach trugen, sieht man aber im Museum vor Ort.

Kapitelsaal im Kloster Eberbach

An der Ostseite des Kreuzganges befindet sich der Kapitelsaal. Hier muss es vor allem im Winter sehr kalt gewesen sein, während die Lesungen aus den heiligen Schriften stattfanden, denn es gibt keine Tür oder gar ein Tor.

Die Wahl eines Abtes oder das Einkleiden der Novizen fand ebenfalls im Kapitelsaal statt.Kloster Eberbach - Blick in den Kreuzgang (aus dem Kapitelsaal)

Die Deckengestaltung ist hier zaghaft-schlicht. Hier und da sind florale Ornamente in Farbe zu sehen. In den Sterngewölben nisten derzeit Schwalben, die Führungen durch das Kloster mit lautem Gezwitscher kommentieren. 

Bibliothek des Klosters

Einen enormen, kulturellen Verlust musste die Klosterbibliothek in den Wirren es Dreißigjährigen Krieg hinnehmen. Die Mehrheit der bereits vorhandenen Bücher, die für damalige Zeiten von sehr hohem Wert waren, wurden von den Belagerern verschleppt oder an andere als Kriegsbeute verkauft.

Kloster Eberbach Hauptschiff

Das Hauptschiff der Klosterkirche ist heute von schlichter Eleganz geprägt. Ich persönlich mag dieses Schlichte. Auch der Altar stellt lediglich ein einfaches Kreuz dar. Ehemalige Mainzer Erzbischöfe haben in dem hinteren Teil ihre Grabdenkmäler. Und: schwer vorzustellen, aber das Gebäude wurde auch mal als Scheune genutzt. Für mich unvorstellbar, aber offensichtlich gab es keine anderen Möglichkeiten.

Weinfässer und Weinpressen im Kloster EberbachHaupteinnahmequelle der Mönche war der Weinbau. Wein und auch Salz wurde auf Schiffen bis Köln transportiert und das bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts. 1476 wurde in Urkunden erstmals der Name einer Rebsorte erwähnt – das Tauberschwarz. Aus ihr wird auch heute noch ein leichter, fruchtiger Wein hergestellt.

Klassische WeinpresseHier im Kloster kann man doch die alten Pressen sehen, mit denen die Trauben ausgequetscht wurden. Das sind gewaltige Holzpressen, mit deren Hilfe die Maische weiterverarbeitet wird. Diese Form der Weinherstellung hatte sich im Rheingau fast überall bis zum Ende des 17. Jahrhunderts durchgesetzt.

1803 wurde das Kloster endgültig aufgelöst. Gewaltige Kriegskosten und politische Neuordnungen zwangen die Mönche unter dem letzten Abt Leonhard II. Müller von Rüdesheim in die Knie.

Anschließend wurde das Klosterinventar verkauft oder zerstört. Um 1815 wurde eine Irrenanstalt in Gebäudeteilen der Anlage untergebracht, bis 1912 wurde Kloster Eberbach auch als Gefängnis genutzt. Während des Kalten Krieges war hier der Regierungssitz für einen bevorstehenden Notfall.  Seit 1998 ist Kloster Eberbach eine Stiftung, die sich selbst finanzieren muss. Dies erfolgt v.a. durch den Weinbau, aber auch durch die erhobenen Eintrittsgelder. Außerdem ist das Kloster ein beliebter Ort für Hochzeitsgesellschaften – aber bei der Kulisse ist das kein Wunder.

Wer hier in der Gegend unterwegs ist und sich für ein bisschen Geschichte interessiert, sollte sich das Kloster und auch seine Umgebung definitiv ansehen. Außerdem ist die dort ansässige Vinothek sehr zu empfehlen!

 

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