Im Labyrinth des Schweigens

Es gibt mittlerweile zahlreiche Filme, die sich mit dem 2. Weltkrieg befassen. Siegerseite. Verliererseite. Tragische Geschichten, oft mitten aus den Erlebnissen von Überlebenden. Schindlers Liste. Der Pianist.

Wahrscheinlich denken auch einige mittlerweile „Och nee, nicht noch ein Film, in dem alle Deutschen die Dummen sind“.

Die Unlust, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen wird meist noch mit dem Merkmal „Deutsche Filmproduktion“ stark gesteigert. 2014 kam jedoch ein Film in die Kinos, dessen Hauptfigur fiktiv ist, der Hintergrund zum Film jedoch real und ernst ist. „Im Labyrinth des Schweigens“ ist ein Titel, der Bände spricht.

Ende der 50er Jahre. Das Ende des Krieges liegt schon etwas zurück, im Zuge des Wirtschaftswunders haben die Deutschen den Spaß am Leben wieder entdecken können. Doch manche Bürger wirft der pure Zufall auf der Straße zurück in die Vergangenheit, die nicht vergessen ist, nicht vergessen werden kann. So geht es auch Simon Kirsch, der einen ehemaligen Aufseher im KZ Ausschwitz erkennt, während er unterwegs ist. Sein Bekannter, der Journalist Thomas Gnielka, will ihm helfen und möchte gemeinsam mit ihm Anzeige gegen diesen Wärter erstatten. Doch niemand in der Frankfurter Staatsanwaltschaft interessiert sich wirklich dafür.

Bei dem jungen Staatsanwalt Johann Radmann wird jedoch Interesse an dem Fall geweckt. Er weiß zwar nicht wirklich etwas mit Ausschwitz anzufangen, aber irgendetwas muss sich doch dahinter verstecken . Anfangs noch müde von den Kollegen belächelt, übergibt ihm schließlich der Generalstaatsanwalt die Leitung der Ermittlung. Was auch immer in Ausschwitz passierte, Täter müssen für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden, so Radmanns berechtigte Meinung.

Die Basis des noch mühsamen Ermittlungskampfes sind Dokumente von Kirsch. Listen aus dem Lager mit den Namen einiger Wärter. Aufgespürte Zeugen erzählen in der Vernehmung von den furchtbaren Taten. Die vermeintlichen Täter werden im sichtbar erschütterten Team um Radmann über Telefonbücher ausfindig gemacht und nach und nach festgenommen sowie verhört.

Unterstützung durch Behörden gibt es nicht. Im Gegenteil. Radmann muss sich Anfeindungen anhören. Die zermürbende Arbeit lässt den jungen Mann trinken, was zu privaten Problemen führt. Nachdem er auch noch von der Vergangenheit seines Mitstreiters Gnielka hört, reicht es ihm und er schmeißt seinen Job bei der Staatsanwaltschaft hin. Gerechtigkeit gibt es nicht, wenn sich jeder sein Leben mit Lügen und Vergessen aufbaut.

Sein neuer Job in der Wirtschaft wirkt nett, aber für seinen Kollegen sind die selektiven Maßnahmen an der Deportationsrampe absolut harmlos gewesen. Quasi natürliche Auslese. Für Radmann ist das zu viel. Er will zurück. Er will die Täter für ihre Verbrechen verurteilt sehen…

Der Film stellt die Vorgeschichte zum Auschwitzprozess von 1963 – 1965 stellenweise fiktiv, stellenweise belegt dar. Damals arbeiteten drei Staatsanwälte zusammen, damit es zur Anklage für diesen Prozess kommen kann.

Für mich als Kind einer Generation, die spätestens im Schulunterricht mit diesem Thema der Aufarbeitung einer Schuldfrage konfrontiert war, ist es im ersten Moment stets unvorstellbar, dass Leute nichts gewusst haben (wollen). Auch im Film sind es die jungen Leute, die mit dem Namen Ausschwitz nichts verbinden können, weil ihnen Wissen dazu fehlt. Ich selbst kenne aber auch die Erzählungen, dass Dinge totgeschwiegen worden bzw. man einfach nicht drüber sprechen wollte. Ich komme aus Dessau. Dort wurde Zyklon B hergestellt und in den Osten geschafft. Damals rühmte man sich als treuer Zulieferer für das Reich und überstützte vaterlandstreu den Führer. Heute distanziert man sich davon. Die Mahnzylinder, die symbolisch an der Brücke nahe der ehemaligen Fabrik angebracht sind, nimmt kaum einer wahr…

Natürlich kann man aus rein menschlicher Sicht nachvollziehen, dass das gesamte Thema Krieg nicht zu schönen Unterhaltungen anregt und das Bedürfnis nach Angenehmem, auch mit dem Risiko des Vergessens, größer als das nach Aufklärung kommender Generationen war. Das war immer so, wird auch immer so bleiben.

Fakt ist aber, dass „Im Labyrinth des Schweigens“ ein durchaus gelungener Film ist, der nicht belehrend den Zeigefinger erhebt und sich auch nicht in einer peinlichen Theatralik verliert. Er lässt erahnen, gegen welche Mauern des Schweigens die drei Staatsanwälte damals gerannt sind und wie mühsam ihrer Ermittlungen waren. Umso bedeutender ist die Tatsache, dass es trotzdem zu diesem Prozess kam. Und das hat Vorbildcharakter: Gerechtigkeit fliegt nicht einfach zu. Man muss sie sich sehr oft hart erkämpfen.

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

Kinokritik: Alles steht Kopf

Wer kennt es nicht: Manchmal wünscht man sich, hinter die Stirn eines anderen schauen zu können, um zu wissen, was jemand wirklich denkt. Oder einfach mal selbst ergründen können, warum man gerade genau den einen Gedanken so zu Ende dachte und nicht anders.

Disney und Pixar haben mit „Alles steht Kopf“ (original: Inside Out) mal wieder einen wunderbaren Animatinonsfilm geschaffen. Die Figuren sind wie schon bei „Oben“ liebenswürdig und irgendwie ist es neben einer schönen Geschichte wieder tiefgründig genug, um auch als Erwachsener mit den Tränen zu kämpfen und einmal über die Story intensiver nachzudenken, anstatt es als einfachen Kinderfilm abzutun.

Wir befinden uns in Rileys Kopf, genauer gesagt im Kontrollzentrum der nun Elfjährigen. Hier arbeiten die Emotionen Freude, Kummer, Neid, Zorn und Angst. Als wäre es im Kopf eines Mädchens in dem Alter nicht schon spannend genug, zieht Rileys Familie vom idyllischen Land in die große, hektische Stadt. Erschwerend für Rileys Gemüt wird es dann auch noch durch die Abwesenheit von Freude und Kummer im Kontrollzentrum. Diese sind nämlich durch ein Missgeschick plötzlich tief im Gedächtnis von Riley und müssen dringend mit sehr wichtigen Kernerinnerungen zurück in die Zentrale, was natürlich nicht so einfach ist.

Während Angst, Wut und Neid ihr Bestes geben, damit Riley sie selbst bleibt, kämpfen sich Kummer und Freude mit den Kernerinnerungen mühselig durch Rileys Kopf. Langzeitgedächtnis, Abstraktes Denken, Traumfabrik – all diese Ort müssen sie passieren und die Zeit rast. Riley fehlen die Kernerinnerungen, wodurch sie sich in ihrem Wesen verändert und wichtige Verbindungen können so nach und nach dauerhaft verloren gehen…

Hauptaugenmerk beim Film liegt aus Kindersicht bestimmt auf den lustigen Figuren, die die Emotionen darstellen und in ein herrlich buntes Abenteuer purzeln. Das ist auch durchaus gelungen, auch wenn ich nicht verstehe, warum ausgerechnet Kummer so pummelig sein muss. (Ich persönlich schloss sie direkt ins Herd, aber vorurteilsfreier bezüglich Kummerspeck hätte es sicher gehen können.)

Trotzdem wird es größeren Kindern auffallen, dass es mit den Emotionen dann eben nicht so einfach ist. Manchmal kann man einfach nicht erklären, warum man todunglücklich oder unheimlich glücklich ist. Warum man sich fürchtet oder warum der Neid in einem kratzt, obwohl es auch dafür keinen plausiblen Grund gibt. Ich als mittlerweile Erwachsene verstehe mich und mein Verhalten hin und wieder überhaupt nicht. Natürlich ist „Alles steht Kopf“ keine wissenschaftlich fundierte Erklärung, aber die Art und Weise, wie die kleinen Stimmen in uns und all die Bereiche des Gedächtnisses dargestellt sind, wirken lustigerweise plausibel. Natürlich weiß ich, dass es in meinem Gehirn nicht ganz so fluffig und bunt zugeht, aber hey, irgendwie wäre es schon nett. Auch die Idee der Darstellung und Bedeutung sogenannter Kernerinnerungen ist durchaus nachvollziehbar. Jeder, der Demenz in der Familie/im Bekanntenkreis in den unterschiedlichen Stadien beobachten musste, weiß, wie belastend der Verlust vom Gedächtnis und Wissen für Betroffene und Angehörige sein kann.

Ich vergebe für diesen Film eine absolute Filmempfehlung. Ich habe gelacht, ich habe mitgefiebert und ich habe auch arg mit den Tränen gekämpft und verloren. Disney und Pixar haben hier wieder einen tollen Familienfilm geschaffen.

Alle Infos und der Trailer sind hier zu finden.

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

Jack

Ich war im Kino. Vielleicht sollte ich den Film ersteinmal vollständig sacken lassen und ein paar Nächte drüber schlafen. Aber vielleicht ist es so jetzt auch das Beste, dass ich meine Eindrücke zum Film direkt runtertippe. Man weiß es nicht. Ich erstrecht nicht.

Jack – ein 10-Jähriger, der mehr Verantwortung übernimmt als seine Mutter, die, das muss ich zugeben, auch ihre liebevollen Momente im Umgang mit ihren Jungs hat. Aber Jack ist ein Junge, der sich im Rahmen seiner eigenen Kindheit um den kleinen Bruder kümmert, weil die Mutter oft nicht da ist. Da passieren Unfälle. Wer die Schuld trägt und dafür den Preis zahlt, ist klar: Jack. Er muss ins Heim oder wie es schöner klingt: ins betreute Wohnen.

Dort ist auch nicht alles perfekt, wie auch, denn perfekt gibt es nun einmal nicht. Aber er gibt sich Mühe, wie er es immer tut, denn die Belohnung ist zum Greifen nah: Sommerferien bei Mama und dem kleinen Bruder. Die Enttäuschung folgt direkt, weil Mama Besseres zu tun hat. Nach einem Vorfall reißt Jack aus. Er will nach Hause. Dort angekommen ist niemand. Sein kleiner Bruder seit Tagen bei einer Freundin der Mutter, dessen aktueller Hormonausgleicher den kleinen Bruder mit seinen drei Sachen wie Müll auf den Hausflur schmeißt. Jack und sein Bruder suchen nun gemeinsam die Mama. Sie irren gut drei Tage durch eine Großstadt und kein Mensch fragt, warum hier zwei Kids abends im Dunklen allein unterwegs sind. Irgendwann finden Sie die Mama. Sie ist wieder zu Hause. Doch für Jack ist es nicht, wie es war…

Ich kann mein Leben bzw. meine Situation nicht mit einem Film vergleichen. Das ist sinnlos. Ich kann mir die Welt schön reden und sagen: Ach, es ist nur ein Film, der mich etwas aufrührte, mich, in meiner kleinen Welt, in der eigentlich in allen „wichtigen“ Lebensbereichen alles schön ist. Aber mein Kopf sagt, dass es zahlreiche Fälle von dieser Art von Kindesvernachlässigung gibt. Es gibt diesen zehnjährigen Jack, der seinem kleinen Bruder versucht, eine Art Familie zu bieten. Er zieht ihn an, macht ihm Frühstück, geht mit ihm Spielen – weil die Mutter Besseres zu tun hat. Jack darf dadurch kein Kind sein. Es gibt zahlreiche Kinder, die durch die Vernachlässigung der Eltern und der Verantwortung für kleinere Geschwister keine Kinder sein dürfen und das kotzt mich an.

Im Film sieht man ihn ständig rennen. Als würde er um sein Leben rennen und nur unter Stress stehen. Der Junge ist zehn. 10! Anstatt mit seinem kleinen Bruder tagelang durch Berlin zu irren und zu versuchen, seine Mutter zu finden, sollte er mit Freunden spielen und den Sommer am See genießen und einfach nur Kind sein. Stattdessen ist er Beschützer und Familienwahrer, der das Einzige retten möchte, was er hat: Familie.

Ivo Pietzcker spielt Jack. Google Bildersuche zeigt zum Glück auch Fotos, auf denen er bis zu beiden Ohren lacht. Im Film ist es eher so, dass man von Minute zu Minute hilfloser wird, wenn man ihn mit seinem maskenhaften Gesicht sieht. Man will ihm helfen, ihn zum Lachen bringen, ihn drücken und ihm eine gottverdammte Eintrittskarte in ein schönes Leben schenken – wie auch immer das aussehen mag.

Fakt ist: Vernachlässigung gab es, gibt es und wird es immer geben. Nicht nur in den bereits genug stigmatisierten Familien, die auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Es gibt sie auch in wohlhabenden Familien. Es gibt sie überall. Die Frage ist, wie man das Problem lösen kann, ohne viel Schaden anzurichten. Die Arbeit von Familienhilfen und Sozialarbeitern muss dringend gefördert werden, aber auch Familienmitglieder und Freunde und Bekannte sollten nicht einfach blind die Augen verschließen. Sicherlich sollte primär vor der eigenen Tür gekehrt werden, aber umsichtiges Verhalten kostet nichts.

Auf dem Weg nach Hause „spielten“ wir ein „Was wäre wenn“-Gedankenexperiment. Wir kamen nur zu dem Ergebnis, dass wir unsicher sind. Hetzt man den Nachbarn das Jugendamt auf den Hals, weil das Kind 2 Tage mit dem gleichen, versifften T-Shirt zur Schule muss? Eins ist klar, ich möchte mich nie fragen müssen, was ich hätte tun können. Aber vielleicht ist es auch nur zu idealistisch gedacht, um mein Gewissen zu beruhigen.

Ich weiß auch nicht, ob ich Jack als Film empfehlen kann. Eigentlich ja, aber nur an Menschen, die auch gerne mal über einen Film und die Botschaft nachdenken wollen und nicht nur stumpf für knapp 90 Minuten bewegte Bilder sehen möchten. Ich weiß nur eins: traurige, hilflose Kinderaugen erreichen bei weitem nicht mehr jeden – und dieses Abstumpfen ist nicht gut.

 

 

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

Von der Plantage ins Weiße Haus

Der Butler

Samstagabend ging es ins Kino. Ich mochte bereits in Leipzig das Passage-Kino, weil dort Arthouse-Filme gespielt werden. Ein Glück gibt es auch hier in Frankfurt das Kino Harmonie. Die Wahl fiel auf die Geschichte eines schwarzen Mannes, der insgesamt sieben US-Präsidenten diente.

Der Butler

Der Film

Amerika in den 1920er Jahren. Cecil Gaines lebt in den Südstaaten auf einer Plantage. Er sieht mit an, wie die Mutter missbraucht und der Vater erschossen wird. Die Herrin der Plantage, gespielt von Vanessa Redgrave, holt ihn sich als „Hausnigger“, also als Diener ins Haus. Er lernt schnell und begreift: Ein perfekter Diener ist man, wenn der Raum sich leer anfühlt, obwohl er in ihm ist.

Cecil (Forest Whitaker) verlässt die Plantage und landet in einem Nobelhotel. Dort ist er so gut bei der Arbeit, dass er eine Anstellung im Weißen Haus bekommt – im Haushalt des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Es bleibt jedoch nicht bei einem Präsidenten. Er arbeitet für Eisenhower (Robin Williams), Johnson (Liev Schreiber), Kennedy (James Marsden), Nixon (John Cusack) und Reagan (Alan Rickman). Hier und da wird er, der Diener, der nichts hören und sehen soll, auch nach seiner Meinung gefragt.

Diese zählt in seinen eigenen vier Wänden kaum. Sein älterer Sohn (David Oyelowo) hasst den Beruf des Vaters als Diener für weiße Männer. Der junge Mann ist stark in der Bürgerrechtsbewegung für die Belange der Afro-Amerikaner engagiert und wird später auch Mitglied der radikalen „Black Panther“-Bewegung. Die Distanzierung zwischen Vater und Sohn wird immer größer. Die Ehefrau und Mutter Gloria (Oprah Winfrey), die ihre Probleme in Alkohol ertränkt, kann immer schwerer zwischen beiden vermitteln. Auch der zweite Sohn verlässt das Elternhaus und leistet – im Gegensatz zu seinem Bruder – freiwillig Dienst für das Vaterland. Unterschiedlicher könnten die Meinungen im Haus nicht sein.

Der Schauspieler Forest Whitaker spielt Cecil wahnsinnig glaubwürdig. Die Spannung zwischen großer Zurückhaltung in seiner Tätigkeit als Diener und dem wachsenden Frust im Inneren, dass die „Schwarzen“ gewaltig diskriminiert werden kann der Zuschauer sehen und fühlen. Es ist der Tod des jüngeren Sohnes, der in Vietnam für das „Vaterland“ starb, es sind die niedrigen Löhne, die Afro-Amerikaner für die gleiche Arbeit wie „Weiße“ bekommen, es ist der Schmerz zu sehen, wie der ältere Sohn immer radikaler wird und es ist die Traurigkeit, dass die eigene Ehefrau stets hinten an steht, denn der Präsident kommt zuerst. Das ist der wahre Cecil. Der Butler verrichtet still und duldsam seine Arbeit – ohne sich etwas anmerken zu lassen. Er trägt – wie seine Kollegen – zwei Gesichter.

Der Hintergrund

Cecils Figur basiert auf Eugene Allen (1919-2010), der 34 Jahre im Weißen Haus gearbeitet hat. Mit seiner Frau Helene war er 65 Jahre verheiratet und hatte einen Sohn. In der Dokumentation „White House Workers: Traditions and Memories“ griff bereits sein langes Arbeitsleben und die Arbeit seiner Kollegen im Weißen Haus auf.

Mein Fazit

Der Film ist absolut sehenswert. Forest Whitaker spielt die Rolle des Cecil mit seinen zwei Gesichtern als Butler und als „Nigger“ absolut perfekt. Der Zuschauer spürt den Stolz, dass er sich diesen Arbeitsplatz im Haushalt des Präsidenten erarbeitet hat. Man bemerkt aber auch die Traurigkeit, dass seine eigene Familie zu kurz kommt und Afro-Amerikaner öffentlich bewusst diskriminiert werden.

Selbstverständlich kann in einem Kinofilm nicht die komplette Geschichte der Bewegung um Martin Luther King & Co. erzählt werden. Soll auch nicht. Doch auch der Geschichtsverlauf im Film zeigt, dass die Weste der Amerikaner im 20. Jahrhundert immer noch nicht so weiß war, wie sie es gerne darstellen wollen.

Wer einen guten Film mit Mehrwert sehen will, für den sollte „Der Butler“ definitiv geeignet sein.

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

Warm Bodies

Wer glaubt, wahre Liebe sei tot, der irrt. Warm Bodies ist ein Film, der mit Humor die Liebesgeschichte eines ungleichen Paares erzählt.

Worum geht es?

R., gespielt von Nicholas Hoult (Skins „Tony“, About A Boy), ist ein Zombie. Nach dem Zombie Survival Guide ist er aber kein normaler Zombie, denn er denkt. Die Lust auf Menschenfleisch liegt ihm aber dennoch inne. So zieht er mit seinen Zombie-Kollegen los.

Julie, gespielt von Teresa Palmer (Bedtime Stories), ist ein Mensch in einer postapokalyptischen Zeit. Mit einem kleinen Team durchstreift sie die verlassene Welt, auf der Suche nach Medikamenten für ihren Stützpunkt.

Beide Gruppen treffen bei ihrer Suche aufeinander, es gibt Tote und die Geschichte beginnt.

Unverkennbar hat diese Buchadaption Anspielungen zu Romeo und Julia: Das Paar, die zerstrittenen Clans, Rs M(ercutio), und, und, und. Alles etwas aufgepeppt und in ein ungewöhnliches Setting verlegt.

Diese paranormale, romantische Zombie-Komödie sollte nicht zu ernst genommen werden, denn sie nimmt sich selbst nicht so ernst. Wer dem Charme von Zombiefilmen aufgrund Ihres Trashcharakters oder Zombie-Komödien (Shaun of the Dead, Zombieland) erlegen ist, wird sich sicher auch an diesem Film nicht stören. Falls nicht: Schaut dennoch in den Trailer – Allein schon wegen des gelungenen Soundtracks.

(Da ich den Film im Original gesehen habe möchte ich euch auch gerne auf den englischen Trailer hinweisen)

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

Frankenweenie

Wenn ein Kind seinen treuesten Begleiter verliert, ist das ein schlimmes Schicksal. Dies geschieht Victor Frankenstein, ein Junge aus New Holland.

Nicht nur, dass er seinen geliebten Hund verliert, er ist auch sein bester Freund gewesen.

Doch damit wäre der Film ziemlich schnell am Ende und würde einer Tim Burton Regie und Produktion nicht gerecht!

Inspiriert durch seinen neuen Naturkundelehrer, der ein Wissenschaftsprojekt initiiert, kommt Victor auf die Idee seinen Hund, Sparky, ins Leben zurück zu rufen – Ich kann euch verraten, dass er seinem Nachnamen alle Ehre macht.

Mit diesem Erfolg kommt aber auch die ganze Geschichte in Gang und Missgunst, Misstrauen und Chaos folgen.

Diese Stop-Motion Neuauflage – natürlich wieder in schwarz-weiß – hat Herz, Humor, sowie offene und versteckte Anspielungen auf Horrorfilme aus den guten, alten, Tagen. Alle Figuren wirken liebevoll in Szene gesetzt, erscheinen aber nicht zuletzt durch ihr Aussehen bekannt skurril. Burtonesk.

Für Tim Burton Fans ein absolutes Muss, aber auch für alle anderen, die Trash- und B-Movies, Monster- und Science-Fiction-Filme, altmodischen Grusel und Slapstick-Humor mögen, ein Kinobesuch wert.

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

James Bond – Skyfall

Einen Tag vor der dem offiziellen Filmstart in Deutschland sah ich den neuen James-Bond-Film. Für mich war es eher ein sentimental-persönlicher Grund, mir diesen Film anzusehen, da ich ansonsten kein großer Fan von Agentenfilmen bin.* Dennoch bereue ich keinen Cent, den ich für die Kinokarten ausgab. Musik, Darsteller, Storys – alles stimmig für einen guten Kinofilm.

Die Story

Bereits am Anfang geht es heiß her. Verfolgungen mit teuren Autos und klapprigen Mopeds. Eine attraktive, junge Dame, die dem Filmhelden an der Seite steht, Aufträge von M., die eine harte Probe der Loyalität eines Agenten des MI6 darstellen. Viel Knall, Puff, Peng.

Bond verschwindet von der Bildfläche, in London trauert man um ihn. Das Hauptquartier des MI6 wird angegriffen. M wird unter Druck gesetzt, indem gedroht wird, die Identitäten einiger ihrer Agenten öffentlich zu machen. Selbstverständlich kehrt DER Agent des Vertrauens zurück und stellt sich, trotz seiner eigentlichen Dienstuntauglichkeit, dem Gegner….

Die Darsteller 

Daniel Craig („Die Verblendung“, „Layer Cake“) ist auch in diesem Film noch immer Agent 007 aka James Bond. Meiner Meinung nach ist er in diesem Teil in seiner Rolle als Agent angekommen. Ansonsten ist die Rolle des Agenten typisch: ein Mann im besten Alter, top fit, vernascht die Frauen wie selbige Pralinen, fährt tolle Autos, erledigt seine Aufträge.

Auch Judy Dench („Chocolat“) spielt wieder die scheinbar skrupellose Leiterin des MI6, die auf den Namen M hört. Ihre mürrische, unnahbare Art kann man als Zuschauer aber auch in Frage stellen, wenn man die kleinen Regungen bei ihr genau beobachtet. M ist nicht nur eine machtvolle Dame, sondern auch ein Mensch – vor allem in diesem Teil der James Bond Reihe.

Javier Bardem („Das Meer in mir“, „No Country For Old Men“) spielt den Bösewicht. In der Rolle des Raoul Silva startet er seinen Rachefeldzug gegen M, da er einer ihrer ehemaligen Lieblingsagenten war und noch eine Rechnung mit ihr begleichen möchte. Bardems Schauspiel brilliert erneut. Die Darstellung der Nähe von Genie und Wahnsinn erinnerte mich an Heath Ledgers legendäre Rolle als der Joker in Batman. Super Besetzung für den Filmbösewicht.

Ralph Fiennes („Roter Drache“, „Harry Potter“, „Der Voleser“) ist der Vorgesetzte von M und ist ein Koordinator beim Geheimdienst. Sein Auftritt in diesem Film ist sicher als eine Einführung seiner Rolle in kommenden Teilen zu betrachten.

Die bereits erwähnte, attraktive Dame ist Naomie Harris („Fluch der Karibik“) in der Rolle der Eve Moneypenny. Sie erhält am Anfang des Films einen Schussbefehl, bei dem sie statt den Gegner ihren Kollegen, Agent 007, trifft. Dieser Vorfall hält sie jedoch nicht davon ab, ihrem wieder auferstandenem Kollegen frech Kontra zu geben.

Die  Rolle des Q, welcher der Waffenentwickler und Quartiermeister des MI6 ist, wurde mit Ben Whishaw („Das Parfum“) neu besetzt. Auch hier kann ich mir vorstellen, dass die Zusammenarbeit für weitere Teile fortgesetzt werden kann.

Fazit

Als Nicht-Kennerin aller James-Bond-Filme und vor allem als weibliches Wesen, das dann noch seltener von Knall-Puff-Peng-Filmen des Action-Genres begeistert ist, bin ich von „Skyfall“ doch positiv überrascht. Die Handlung des Filmes war in sich abgeschlossen, die Story nicht übertrieben unrealistisch, die Schauspielbesetzung war gelungen. Ein Film, den man wirklich gesehen haben kann

Natürlich gehört zu einem James Bond Film auch ein entsprechender Titelsong. „Skyfall“ von Adele ist meiner Meinung nach mal wieder ein Klassiker der Filmmuikindustrie:

—>  Offizielle Homepage (Seite für weitere Informationen, Videos etc.)

 

*Austin Powers ist eine Ausnahme.

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr

Die Wand

Anlässlich der 12. Filmkunstmesse Leipzig wurde in den Passage Kinos der Film „Die Wand“ mit Martina Gedeck als Eröffnungsfilm gezeigt. Eigentlich hatte ich nicht vor, diesen Film zu sehen, aber eine spontane Eingebung brachte mich doch dazu, den Abend im Kinosessel zu verbringen. Die Vorstellung war komplett ausverkauft und ich konnte nur mit Mühe an der Abendkasse noch ein Ticket ergattern.

Ohne das zugrundeliegende Buch zu kennen oder auch nur eine Vorahnung zu haben, worum es in diesem Film ging, ließ ich mich also auf das Leinwandabenteuer ein.

Die Handlung dreht sich um eine nicht näher benannte Frau, die hinter einer unsichtbaren Wand gefangen ist. Ist das alles? Nein, denn sie ist nicht nur hinter der Wand, sonder auch jeglicher Zivilisation beraubt. Allein in einem bewaldeten Tal ohne Strom und andere Annehmlichkeiten fristet sie ihr Dasein. Wie sie in diese Situation gerät und was sie erlebt, schreibt sie fein säuberlich nieder und dokumentiert damit, vornehmlich für sich selbst, alles. Der Zuschauer bekommt kommentierte Rückblenden und aktuelle Erlebnisse gezeigt und schreitet so mit der Protagonistin durch die Tage, Monate und Jahre. In dieser Zeit lernt Sie sich selbst zu versorgen – sammelt Früchte und Beeren, jagt Wild, schlägt sich Feuerholz und betreibt Viehzucht und schreibt an ihrem Bericht. Schlussendlich geht ihr das Papier aus und damit bleibt ihr Schicksal für uns offen.

Aus dem guten Schauspiel von Frau Gedeck entwickelt sich bei mir eine negative Sicht auf die dargestellte Isolation. Man könnte aber auch vermuten, dass die Wand unsere Protagonistin vor der Außenwelt beschützt. Hier zeigt sich, dass dieser Film viel offen lässt und Raum für Spekulation und Interpretation gibt. In langen Szenen, mit durchaus schönen Bildern, hat man genug Zeit darüber nachzudenken oder der Frau ein inneres »Mach‘ doch mal was!« zuzurufen. Vermutlich habe ich als Stadtmensch einfach zu viele Hummeln im Hintern oder mir und anderen würde so eine Wand zur Besinnung auch gut tun.

Zumindest die Diskussion am Ende des Films mit dem Regisseur, Julian Pölsler, bestätigte, dass die Zuschauer das Werk unterschiedlich interpretierten. Sei es nun Isolation, Schutz, Besinnung auf die Natur oder die Befreiung vom Männlichen, es gab von allem etwas und alle Begründungen ergaben Sinn. Da der Film eine Buchadaption ist, wurden auch die vorhandenen Unterschiede angesprochen. Da mir, wie eingangs erwähnt, dieses Wissen aber fehlt erlaube ich mir nur ein Urteil zum Film.

Email this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr