Wochenendausflug im Rheingau

Was die Romanverfilmung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ und die hessischen Staatsweingüter gemeinsam haben? Ein wundervolles Gelände mit einer der wohl schönsten, kulturellen Sehenswürdigkeit Hessens bzw. des Rheingaus:

Kloster Eberbach - SeitenansichtKloster Eberbach

Das ehemalige Zisterzienserkloster liegt in der Nähe von Eltville in mitten von weitreichenden Weinbergen und gepflegten Grünanlagen. Von 1136 bis 1803 lebten in Kloster Eberbach Zisterzienser-Mönche. Nach und nach wurden weitere Anlagen des Klosters errichtet. Architekturinteressierte können romanische, gotische und barocke Bauelemente in allen zugänglichen Gebäudeteilen entdecken.

Blick in den Kreuzgang des Klosters Eberbach Ein Kreuzgang hat kein Anfang und kein Ende, er diente praktischen und liturgischen Aktivitäten. Der Kreuzgang des Klosters Eberbach gleicht sicher einigen Klöstern. Hier finden sich aber vor allem romanische und gotische Bauelemente. Im Zentrum ist heute eine wild anmutende Rasenfläche mit Brunnen und einer Art Weide (glaube ich). An einer Stelle fehlt leider die Überdachung des Kreuzganges. Deren prachtvollen Stützelemente, die das Dach trugen, sieht man aber im Museum vor Ort.

Kapitelsaal im Kloster Eberbach

An der Ostseite des Kreuzganges befindet sich der Kapitelsaal. Hier muss es vor allem im Winter sehr kalt gewesen sein, während die Lesungen aus den heiligen Schriften stattfanden, denn es gibt keine Tür oder gar ein Tor.

Die Wahl eines Abtes oder das Einkleiden der Novizen fand ebenfalls im Kapitelsaal statt.Kloster Eberbach - Blick in den Kreuzgang (aus dem Kapitelsaal)

Die Deckengestaltung ist hier zaghaft-schlicht. Hier und da sind florale Ornamente in Farbe zu sehen. In den Sterngewölben nisten derzeit Schwalben, die Führungen durch das Kloster mit lautem Gezwitscher kommentieren. 

Bibliothek des Klosters

Einen enormen, kulturellen Verlust musste die Klosterbibliothek in den Wirren es Dreißigjährigen Krieg hinnehmen. Die Mehrheit der bereits vorhandenen Bücher, die für damalige Zeiten von sehr hohem Wert waren, wurden von den Belagerern verschleppt oder an andere als Kriegsbeute verkauft.

Kloster Eberbach Hauptschiff

Das Hauptschiff der Klosterkirche ist heute von schlichter Eleganz geprägt. Ich persönlich mag dieses Schlichte. Auch der Altar stellt lediglich ein einfaches Kreuz dar. Ehemalige Mainzer Erzbischöfe haben in dem hinteren Teil ihre Grabdenkmäler. Und: schwer vorzustellen, aber das Gebäude wurde auch mal als Scheune genutzt. Für mich unvorstellbar, aber offensichtlich gab es keine anderen Möglichkeiten.

Weinfässer und Weinpressen im Kloster EberbachHaupteinnahmequelle der Mönche war der Weinbau. Wein und auch Salz wurde auf Schiffen bis Köln transportiert und das bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts. 1476 wurde in Urkunden erstmals der Name einer Rebsorte erwähnt – das Tauberschwarz. Aus ihr wird auch heute noch ein leichter, fruchtiger Wein hergestellt.

Klassische WeinpresseHier im Kloster kann man doch die alten Pressen sehen, mit denen die Trauben ausgequetscht wurden. Das sind gewaltige Holzpressen, mit deren Hilfe die Maische weiterverarbeitet wird. Diese Form der Weinherstellung hatte sich im Rheingau fast überall bis zum Ende des 17. Jahrhunderts durchgesetzt.

1803 wurde das Kloster endgültig aufgelöst. Gewaltige Kriegskosten und politische Neuordnungen zwangen die Mönche unter dem letzten Abt Leonhard II. Müller von Rüdesheim in die Knie.

Anschließend wurde das Klosterinventar verkauft oder zerstört. Um 1815 wurde eine Irrenanstalt in Gebäudeteilen der Anlage untergebracht, bis 1912 wurde Kloster Eberbach auch als Gefängnis genutzt. Während des Kalten Krieges war hier der Regierungssitz für einen bevorstehenden Notfall.  Seit 1998 ist Kloster Eberbach eine Stiftung, die sich selbst finanzieren muss. Dies erfolgt v.a. durch den Weinbau, aber auch durch die erhobenen Eintrittsgelder. Außerdem ist das Kloster ein beliebter Ort für Hochzeitsgesellschaften – aber bei der Kulisse ist das kein Wunder.

Wer hier in der Gegend unterwegs ist und sich für ein bisschen Geschichte interessiert, sollte sich das Kloster und auch seine Umgebung definitiv ansehen. Außerdem ist die dort ansässige Vinothek sehr zu empfehlen!

 

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