Im Labyrinth des Schweigens

Es gibt mittlerweile zahlreiche Filme, die sich mit dem 2. Weltkrieg befassen. Siegerseite. Verliererseite. Tragische Geschichten, oft mitten aus den Erlebnissen von Überlebenden. Schindlers Liste. Der Pianist.

Wahrscheinlich denken auch einige mittlerweile „Och nee, nicht noch ein Film, in dem alle Deutschen die Dummen sind“.

Die Unlust, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen wird meist noch mit dem Merkmal „Deutsche Filmproduktion“ stark gesteigert. 2014 kam jedoch ein Film in die Kinos, dessen Hauptfigur fiktiv ist, der Hintergrund zum Film jedoch real und ernst ist. „Im Labyrinth des Schweigens“ ist ein Titel, der Bände spricht.

Ende der 50er Jahre. Das Ende des Krieges liegt schon etwas zurück, im Zuge des Wirtschaftswunders haben die Deutschen den Spaß am Leben wieder entdecken können. Doch manche Bürger wirft der pure Zufall auf der Straße zurück in die Vergangenheit, die nicht vergessen ist, nicht vergessen werden kann. So geht es auch Simon Kirsch, der einen ehemaligen Aufseher im KZ Ausschwitz erkennt, während er unterwegs ist. Sein Bekannter, der Journalist Thomas Gnielka, will ihm helfen und möchte gemeinsam mit ihm Anzeige gegen diesen Wärter erstatten. Doch niemand in der Frankfurter Staatsanwaltschaft interessiert sich wirklich dafür.

Bei dem jungen Staatsanwalt Johann Radmann wird jedoch Interesse an dem Fall geweckt. Er weiß zwar nicht wirklich etwas mit Ausschwitz anzufangen, aber irgendetwas muss sich doch dahinter verstecken . Anfangs noch müde von den Kollegen belächelt, übergibt ihm schließlich der Generalstaatsanwalt die Leitung der Ermittlung. Was auch immer in Ausschwitz passierte, Täter müssen für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden, so Radmanns berechtigte Meinung.

Die Basis des noch mühsamen Ermittlungskampfes sind Dokumente von Kirsch. Listen aus dem Lager mit den Namen einiger Wärter. Aufgespürte Zeugen erzählen in der Vernehmung von den furchtbaren Taten. Die vermeintlichen Täter werden im sichtbar erschütterten Team um Radmann über Telefonbücher ausfindig gemacht und nach und nach festgenommen sowie verhört.

Unterstützung durch Behörden gibt es nicht. Im Gegenteil. Radmann muss sich Anfeindungen anhören. Die zermürbende Arbeit lässt den jungen Mann trinken, was zu privaten Problemen führt. Nachdem er auch noch von der Vergangenheit seines Mitstreiters Gnielka hört, reicht es ihm und er schmeißt seinen Job bei der Staatsanwaltschaft hin. Gerechtigkeit gibt es nicht, wenn sich jeder sein Leben mit Lügen und Vergessen aufbaut.

Sein neuer Job in der Wirtschaft wirkt nett, aber für seinen Kollegen sind die selektiven Maßnahmen an der Deportationsrampe absolut harmlos gewesen. Quasi natürliche Auslese. Für Radmann ist das zu viel. Er will zurück. Er will die Täter für ihre Verbrechen verurteilt sehen…

Der Film stellt die Vorgeschichte zum Auschwitzprozess von 1963 – 1965 stellenweise fiktiv, stellenweise belegt dar. Damals arbeiteten drei Staatsanwälte zusammen, damit es zur Anklage für diesen Prozess kommen kann.

Für mich als Kind einer Generation, die spätestens im Schulunterricht mit diesem Thema der Aufarbeitung einer Schuldfrage konfrontiert war, ist es im ersten Moment stets unvorstellbar, dass Leute nichts gewusst haben (wollen). Auch im Film sind es die jungen Leute, die mit dem Namen Ausschwitz nichts verbinden können, weil ihnen Wissen dazu fehlt. Ich selbst kenne aber auch die Erzählungen, dass Dinge totgeschwiegen worden bzw. man einfach nicht drüber sprechen wollte. Ich komme aus Dessau. Dort wurde Zyklon B hergestellt und in den Osten geschafft. Damals rühmte man sich als treuer Zulieferer für das Reich und überstützte vaterlandstreu den Führer. Heute distanziert man sich davon. Die Mahnzylinder, die symbolisch an der Brücke nahe der ehemaligen Fabrik angebracht sind, nimmt kaum einer wahr…

Natürlich kann man aus rein menschlicher Sicht nachvollziehen, dass das gesamte Thema Krieg nicht zu schönen Unterhaltungen anregt und das Bedürfnis nach Angenehmem, auch mit dem Risiko des Vergessens, größer als das nach Aufklärung kommender Generationen war. Das war immer so, wird auch immer so bleiben.

Fakt ist aber, dass „Im Labyrinth des Schweigens“ ein durchaus gelungener Film ist, der nicht belehrend den Zeigefinger erhebt und sich auch nicht in einer peinlichen Theatralik verliert. Er lässt erahnen, gegen welche Mauern des Schweigens die drei Staatsanwälte damals gerannt sind und wie mühsam ihrer Ermittlungen waren. Umso bedeutender ist die Tatsache, dass es trotzdem zu diesem Prozess kam. Und das hat Vorbildcharakter: Gerechtigkeit fliegt nicht einfach zu. Man muss sie sich sehr oft hart erkämpfen.

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Kinokritik: Alles steht Kopf

Wer kennt es nicht: Manchmal wünscht man sich, hinter die Stirn eines anderen schauen zu können, um zu wissen, was jemand wirklich denkt. Oder einfach mal selbst ergründen können, warum man gerade genau den einen Gedanken so zu Ende dachte und nicht anders.

Disney und Pixar haben mit „Alles steht Kopf“ (original: Inside Out) mal wieder einen wunderbaren Animatinonsfilm geschaffen. Die Figuren sind wie schon bei „Oben“ liebenswürdig und irgendwie ist es neben einer schönen Geschichte wieder tiefgründig genug, um auch als Erwachsener mit den Tränen zu kämpfen und einmal über die Story intensiver nachzudenken, anstatt es als einfachen Kinderfilm abzutun.

Wir befinden uns in Rileys Kopf, genauer gesagt im Kontrollzentrum der nun Elfjährigen. Hier arbeiten die Emotionen Freude, Kummer, Neid, Zorn und Angst. Als wäre es im Kopf eines Mädchens in dem Alter nicht schon spannend genug, zieht Rileys Familie vom idyllischen Land in die große, hektische Stadt. Erschwerend für Rileys Gemüt wird es dann auch noch durch die Abwesenheit von Freude und Kummer im Kontrollzentrum. Diese sind nämlich durch ein Missgeschick plötzlich tief im Gedächtnis von Riley und müssen dringend mit sehr wichtigen Kernerinnerungen zurück in die Zentrale, was natürlich nicht so einfach ist.

Während Angst, Wut und Neid ihr Bestes geben, damit Riley sie selbst bleibt, kämpfen sich Kummer und Freude mit den Kernerinnerungen mühselig durch Rileys Kopf. Langzeitgedächtnis, Abstraktes Denken, Traumfabrik – all diese Ort müssen sie passieren und die Zeit rast. Riley fehlen die Kernerinnerungen, wodurch sie sich in ihrem Wesen verändert und wichtige Verbindungen können so nach und nach dauerhaft verloren gehen…

Hauptaugenmerk beim Film liegt aus Kindersicht bestimmt auf den lustigen Figuren, die die Emotionen darstellen und in ein herrlich buntes Abenteuer purzeln. Das ist auch durchaus gelungen, auch wenn ich nicht verstehe, warum ausgerechnet Kummer so pummelig sein muss. (Ich persönlich schloss sie direkt ins Herd, aber vorurteilsfreier bezüglich Kummerspeck hätte es sicher gehen können.)

Trotzdem wird es größeren Kindern auffallen, dass es mit den Emotionen dann eben nicht so einfach ist. Manchmal kann man einfach nicht erklären, warum man todunglücklich oder unheimlich glücklich ist. Warum man sich fürchtet oder warum der Neid in einem kratzt, obwohl es auch dafür keinen plausiblen Grund gibt. Ich als mittlerweile Erwachsene verstehe mich und mein Verhalten hin und wieder überhaupt nicht. Natürlich ist „Alles steht Kopf“ keine wissenschaftlich fundierte Erklärung, aber die Art und Weise, wie die kleinen Stimmen in uns und all die Bereiche des Gedächtnisses dargestellt sind, wirken lustigerweise plausibel. Natürlich weiß ich, dass es in meinem Gehirn nicht ganz so fluffig und bunt zugeht, aber hey, irgendwie wäre es schon nett. Auch die Idee der Darstellung und Bedeutung sogenannter Kernerinnerungen ist durchaus nachvollziehbar. Jeder, der Demenz in der Familie/im Bekanntenkreis in den unterschiedlichen Stadien beobachten musste, weiß, wie belastend der Verlust vom Gedächtnis und Wissen für Betroffene und Angehörige sein kann.

Ich vergebe für diesen Film eine absolute Filmempfehlung. Ich habe gelacht, ich habe mitgefiebert und ich habe auch arg mit den Tränen gekämpft und verloren. Disney und Pixar haben hier wieder einen tollen Familienfilm geschaffen.

Alle Infos und der Trailer sind hier zu finden.

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Mein Brautkleid

Kleider. Ach ja. Ich mag sie, ziehe gerne welche an. Auch an anderen Frauen sehe ich gerne Kleider und denke mir oft: Ach, ist das ein schönes Kleid. Ja, eigentlich liebe ich Kleider und trage doch viel zu selten welche.

Brautkleider sind nun aber eine ganz eigene Kategorie, ja eigentlich schon Liga. Und selbst wenn auf den ersten Blick Brautkleider in ihren Schnittkategorien irgendwie gefühlt alle gleich sind, so sind sie es wirklich beim besten Willen nicht. Schnitt und Material sind beim Brautkleid wohl die wichtigsten Elemente. Chiffon, Seide, Satin, Spitze, Taft, Tüll, A-Linie, Empire, Mermaid, kurz, lang, mit Reifrock oder ohne. Je besser der Stoff und so ausgefeilter das Handwerk, desto hochwertiger und auch kostenintensiver wird es.

Natürlich begann die Recherche nach meinem Brautkleid auch recht schnell nach dem Antrag. Ich stöberte im Netz, in meinen Zeitschriften, schaute mir auf TLC gefühlt jedes Format über Brautkleider und Hochzeiten an. Es gab da schon oft den Moment, dass ich mir dachte: Oahr nee. Geh weg damit. Hin und wieder gefiel mir aber auch ein Kleid oder ein Schnitt. So sammelte ich nach und nach Kleider, die mir optisch gefielen bzw. an denen mir bestimmte Details gefielen.

Ganz verliebt war ich in die Kleider von Pronovias.  Ach, was starrte ich sie im Netz an. Nicht alle, da mir an vielen Kleidern viel zu viel Glitzer und Bling-Bling war, aber es gab so ganz schöne, schlichte und trotzdem gut aussehende Brautkleider. Sie flossen quasi nur so dahin am großen, schlanken Modelkörper…

Da ich mich beim Klamottenkauf kenne, wollte ich früh anfangen mit der Suche nach meinem Kleid. Im Oktober trommelte ich meine Eltern und seine Mama zusammen und wir fuhren nach Leipzig. An dem Laden Brautmoden für Männer und Frauen die sich trauen spazierte ich zu Uni-Zeiten regelmäßig vorbei und schaute immer recht verliebt ins Schaufenster. Dass ich hier mal mein Brautkleid kaufen werde, tja, daran war damals gar nicht zu denken.

Selbstverständlich hatte ich vorher einen Termin vereinbart. Meine Kleidbeispiele hatte ich auch dabei. Ich fühlte mich durchaus gewappnet.

So kamen wir im Geschäft an, wurden auch gleich freundlich empfangen und zu „meiner“ Kabine geführt. Nach der Versorgung mit Kaffee bzw. Wasser schaute sich die Verkäuferin meine Vorschläge an und konnte davon auch ein paar Modelle direkt heraussuchen, weil diese vorrätig waren. Dazu suchten wir gemeinsam noch einige Kleider in ähnlichen Varianten aus und los ging die erste Ankleiderunde.

Bewaffnet mit Reifrock (den wollte ich doch eigentlich gar nicht?!) und den Kleidern standen wir in der Umkleidekabine und probierten Kleid für Kleid an, das ich dann präsentierte.

Was im Fernsehen bei vielen Frauen wie der größte Spaß des Lebens aussieht, wurde für mich und mein Selbstbewusstsein leichter Horror. Stellt euch vor, ihr steht da, eingehüllt in teuren Stoffe und eure Jury guckt euch sowas von gleichgültig an. Wahrscheinlich hätte ich mit einem Kartoffelsack bei meinen Lieben mehr Emotion hervorgerufen. Das frustriert unheimlich. Ich hakte nach, was denn alles so falsch sei. Ich sei kein Glitzer, ich sei keine Spitze, ich sei kein zu eng, ich sei kein zu weit. Ja, innerlich fragte ich mich, ob ich Typ Grottenolm sei. Mein Oberkörper sei nun mal kürzer und ja, die Beine auch nicht lang. Ja sorry, für mehr als 162cm reichte es trotz Fruchtzwergen nicht. Und ja, ich fand den Glitzer auch doof. Bei meinem Gemecker über zu viele Pailletten meinte die Verkäuferin immerhin sehr geduldig: Die Schneiderin kann die Ihnen auch alle abtrennen. Klar, ich bezahle wahrscheinlich bei einem 2000€-Kleid Pailetten und Steinchen mit, damit die jemand mühevoll abtrennt. Das wäre mir wirklich zu blöd. (Aber gut zu wissen, dass es den Service gibt.) Da stand ich nun und wollte heulen.

Im Nachhinein war mein eigentliches Problem aber, dass ich mich in den Kleidern ziemlich fett fühlte. Ich trage im Alltag meist eine 34/36. Das ist nicht dick, auch wenn ich an mir selbst Problemzonen wahrnehme, die ich gerne etwas reduzieren würde. In diesen Kleidern, die ich mir zur Mehrheit auch selbst aussuchte, fühlte ich mich wahnsinnig unwohl und ja, auch ziemlich häßlich. Die neutrale Reaktion bzw. das konsequente Kopfschütteln und das ständige „Fränzchen, es muss dir doch gefallen!!!“ gaben mir dezent den Rest, denn nach 12 Kleidern gefiel mir erst eines. Dieses schlug bei den anderen aber nicht so wirklich ein. Kein OMG oder AAAAAWE, wie schön. Es folgten die bereits erahnten Wuttränen sowie der Versuch des Besänftigen mit „Du hast doch noch so viel Zeit. Ach Fränzchen…“

Kapitualation stand jedoch für die Verkäuferin noch nicht zur Debatte – an dieser Stelle Hut ab und Danke dafür! Nach einem kurzen Kriegsrat mit ihr ging es in die zweite Runde. Diesmal suchte sie ein paar Kleider zusammen. Nach den ersten Modellen kam dann auch endlich mal ein „Joah, die Richtung wird es“ von draußen. Ich selbst fühlte mich nun auch etwas wohler in den Kleidern.  Als ich das vorletzte Kleid auf dem Bügel sah, wurde mir schon wieder mulmig. Es war die Befürchtung, für gar kein Kleid geeignet zu sein. Ich sah mich in einem unscheinbaren weißen, kurzen Etuikleid mit Blazer heiraten. So schlüpfte ich traurig in das vorletzte Kleid. Es war endlich auch ein Modell ohne nervigen Reifrock. Bevor ich in den Spiegel schauen konnte, lächelte die Verkäuferin sehr zufrieden. Ich drehte mich zum Spiegel und ja, ich fand das Kleid nicht nur toll, sondern mich auch endlich einmal hübsch. Das war dieser ersehnte JAAA!-Moment, an dessen Auftreten ich schon nicht mehr glauben wollte.

Als der Vorhang geöffnet wurde, fing meine Mama direkt an zu weinen. Bestes Zeichen, so blöd das jetzt klingen mag. Seine Mama nickte nur lächelnd und mein Papa wirkte ebenfalls ziemlich zufrieden. Ich drehte mich und fühlte mich einfach wohl. Das Kleid saß natürlich noch nicht perfekt, aber ich hatte endlich das Gefühl, eine echte Braut zu werden.

Den kritischen Moment des Preises an der Kasse überlebte ich zum Glück auch ohne Sauerstoffzelt. Ich würde nicht behaupten, ich hätte dieses Kleid für jeden Preis genommen. Da ist in mir die Vernunft größer. Es ist auch etwas teurer, als erhofft, aber auch entfernt von der absoluten Schmerzgrenze (Die ich durch den Kauf von Schuhen, Tasche und Haarschmuck dann ausreizte *hust*). Da ich an anderen Kleidern an diesem Tag die Schilder sah, muss ich aber sagen, dass es wohl eines der günstigeren Modelle an dem Tag war. Im Schnitt lagen die meisten Kleider zwischen 1.800 und 2.100 Euro, was verdammt viel Geld ist und weit über meinem mir selbst gesetzten Limit liegt.

In der Zwischenzeit habe ich gefühlt eine Million Tipps erhalten, wie ich mich bis zum Schneidertermin und dann dazwischen bis zur Hochzeit zu verhalten habe.

Iss nichts, was bläht. Das bläht tagelang.
Mach keine radikalen Diäten.
Friss aber auch nicht.
Werde nicht schwanger.
Bist du schwanger?
Prüfe, ob es ein Empire-Kleid werden könnte, für den Fall Schwangerschaft.
Trage sexy Dessous.
Trage figurformende Wäsche.
Trage Wäsche, die man nicht durchsieht.
Trage am besten gar keine Wäsche.
Verrate ihm bloß nix zum Aussehen des Kleides.
Verrate aber uns bitte jedes Detail.
Hol es nicht zu früh ab.
Hol es nicht zu spät ab.
Lass es nicht zu spät anpassen.
Lass es nicht zu früh anpassen.
Iss vor der Trauung nichts in dem Kleid.
Iss aber was vor der Trauung.
Übe mit der Trauzeugin das Anziehen so oft wie möglich.
Ziehe das Kleid vor der Trauung nicht zu oft an.
Pack dir eine Häkelnadel ein.
Nimm nichts mit nur Knöpfen.
Nimm nichts mit nur Schnürung.
Nimm keinen Reißverschluss.
Pass auf, dass dir keiner auf das Kleid tritt.
Dir wird jeder auf das Kleid treten, also pass auf.
Du wirst Hilfe brauchen, wenn du auf Toilette gehst.
Trink nicht zu viel, damit du nicht zu oft auf’s Klo musst.
Pass auf, dass dein Brautstrauß zum Kleid passt.

Vergangenes Wochenende war nun die zweite Anprobe. Natürlich freute ich mich schon, auch wenn ich die ein, zwei Tage davor doch ein wenig nervös war – aber im positiven Sinne. Nervenraubend war eigentlich nur der Kauf der Unterwäsche im Vorfeld. Prinzipiell hätte ich natürlich gerne das volle Programm für Mission Sexy Hochzeitsnacht, aber Corsage, Slip und Strumpfhalter passen nun nicht zu allen Modellen. So viel sei verraten: Ich wurde fündig – und das ziemlich budgetschonend und hoffentlich auch attraktiv genug für den Zukünftigen.

Nachdem ich im Geschäft wieder bestens umsorgt wurde und wir sogar noch die passende Handtasche und einen kleinen Haarkamm fanden, ging es zur Schneiderin ins Atelier. Wieder rein ins Kleid und rauf auf das Podest. Während die Schneiderin absteckte, konnte ich mich in aller Ruhe ansehen. Ich mochte das Kleid beim ersten Anprobieren wirklich sehr, aber ich denke, an diesem Wochenende verliebte ich mich so richtig. Vielleicht liegt es daran, dass der Tag der Hochzeit näher kommt und die Vorfreude wächst. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch nie einen Einkauf bereute, wenn ich mich von Anfang an in etwas wohl fühlte und der Moment bei der Schneiderin mir ohne erwartungsvolle Blicke anderer ganz mir gehörte. Mein Kleid. Ich.

In ein paar Wochen führt mich mein Papa zu ihm ins Standesamtzimmer. Ich versuche mir jetzt schon immer mal auszumalen, wie er mich anschauen wird. Hier bin ich wirklich gespannt. Meine Mama meint, er wird mich wunderschön finden, aber sie muss das ja quasi sagen, sie ist meine Mama 🙂 Er selbst sagt auch, dass er weiß, dass ich strahlen werde und das für mich perfekte Kleid fand. Hoffentlich strahlen wir gemeinsam, denn geteilte Freude soll ja doppelte Freude sein, ne?!

Ist schon Juli?

Ansonsten habe ich nur noch folgende Ratschläge für alle Zukunftsbräute:

  • Nehmt max. 3 Personen mit zur Anprobe. Das sollten Leute sein, die ehrlich sind und euch gut kennen. Zu viele Meinungen sind kontraproduktiv, denn Fakt ist: Kleider sind Geschmackssache. Du musst es lieben, du musst dich drin wohlfühlen. Nur weil Freundin Uschi meint, das ultimative Hochzeitskleid hat einen bauschigen Tüllrock, Corsage und 346484 Glitzerpailletten, heißt das noch lange nicht, dass so euer Kleid auszusehen hat. Die Berater sollten euch sehr gut kennen und auch in eurem Gesicht lesen könne, wie wohl oder unwohl ihr euch fühlt.
  • Vereinbart am besten Termine in den Geschäften und fragt nach dem Ablauf. Mir wurde beispielsweise nicht am Telefon gesagt, dass nur die erste Stunde gratis ist. Anschließend würde pro Stunde ein Betrag anfallen, der natürlich bei Kauf eines Kleides wieder verrechnet wird bzw. entfällt. (So entgehen die Läden wahrscheinlich Büchsen-Treffen, die nur aus Jux und Tollerei mal Braut spielen wollen)
  • Zieht an dem Tag am besten helle, unauffällige Unterwäsche an und tragt wenig, am besten kein Make-up. Durch Make-up können die Kleider beschmutzt werden und ihr wollt sicher auch in saubere Outfits schlüpfen. Das gleiche gilt übrigens für Parfum und Deo. Nutzt hier am besten Deo, das keine Spuren hinterlässt.
  • Seid nicht zu enttäuscht, wenn das Traumkleid aus der Zeitung an einem selbst vollkommen miserabel aussieht. Nicht jeder Schnitt schmeichelt jeder Frau. Wir sind alle unterschiedliche Typen. Eine professionelle Verkäuferin kann euch aber sehr gut beraten, da sie weiß, zu welchem Typ Frau welches Modell passt.
  • Mit großer Wahrscheinlichkeit wird euer Kleid nicht das, was ihr euch vorgestellt habt. Bisher hat mir das fast jede Braut bestätigt (eine nähte selbst, dass das ideal war, ist logisch) und auch bei mir war es so, dass ich diesen Schnitt, den Stoff und die Art so nicht erwartet hätte.
  • Probiert auch gleich Schuhe und mögliche Unterwäsche an. So wisst ihr, was passt und was nicht. Auch Accessoires & Co. können gleich mit ausgesucht werden, sofern die Zeit, Lust und Budget es mitmachen.
  • Fragt bitte außerdem vorher, ob es erlaubt ist, wenn eure Begleitung von den Kleidern der engeren Wahl 2-3 Fotos machen dürfen. Nicht jeder Laden möchte dies.
  • Genießt nach der Wahl eures Kleides die Vorfreude!
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Life on Mars – Gefangen in den 70ern

Manchester, England. Gegenwart. Der Polizist Sam Tyler wird im Dienst von einem Auto angefahren. Er verliert das Bewusstsein und als er wieder aufwacht, ist er plötzlich im Jahr 1973. Auch hier arbeitet er erneut als Polizist, jedoch besteht das Team um ihn aus Chaoten und einem stetig nörgelnden Detective Chief Inspector Gene Hunt, der das Abbild eines grantigen Polizisten ist. Polizeiarbeit, wie Sam sie kennt, gab es 1973 nicht. Hier zählen Instinkte. Oder so. Seine Methoden werden müde belächelt.

Tyler lässt sich jedoch nicht unterkriegen und löst trotz trägem Team und fehlender Technik zahlreiche Fälle. Dies beäugen seine Kollegen ziemlich argwöhnisch, doch so nach und nach erarbeitet Sam sich den Respekt, den er verdient.

Es ist nicht eindeutig, ob Tyler sich wirklich im Jahr 1973 befindet oder einfach nur durch seinen schlimmen Unfall im Koma liegt und ziemlich authentische Illusionen hat. Bereits in der ersten Staffel treffen Sam immer wieder Erinnerungsblitze. Was es damit auf sich hat, wird erst in der zweiten Staffel geklärt. Hier erwartet Sam auch ein mysteriöser Anrufer, der ihn regelmäßig kontaktiert. Während Tylers Team 1973 in einer Undercover-Aktion sitzt, erwacht Tyler aus dem Koma.

Life on Mars ist gewiss keine bekannte Serie, aber sie erhielt 2006 den International Emmy Award in der Kategorie Beste Drama-Serie. Das Grundgerüst der Serie ist sicher auch etwas verrückt. Trotzdem sind die einzelnen Episoden bestimmt etwas für Krimifans.

Die Amerikaner übernamen das Serienkonzept für Life on Mars. Hier sah ich die ersten zwei Folgen und kann nur eins sagen: was für ein Schrott. Ich verstehe  beim besten Willen nicht, wie man eine englischsprachige Serie für den amerikanischen Markt neudrehen kann. Wahrscheinlich um das eigene Volk geografisch noch mehr zu verdummen, denn hey, wer kennt schon Manchester in England. Wer also über Life on Mars stolpert, sollte sich die originale Produktion des britischen Rundfunkanstalt BBC ansehen.

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True Detective

„When you can’t remember your lives, you can’t change your lives, and that is the terrible and the secret fate of all life. You’re trapped, by that nightmare you keep waking up into.“ Rust Cohle

Rust Cohle (Matthew McConaughey) lernen wir als einen fertigen Mann kennen. Langes, strähniges Haar. Die Kippe brennt dauerhaft und das Bier kommt direkt aus der Büchse. Dass dieser Mann ein ehemaliger Mordermittler sein soll, ist schwer zu glauben. Er sieht eher aus wie ein wirklich abgefuckter Typ, der nur noch darauf wartet, dass der Tod anklopft.

Der andere Mann, den man zu Beginn kennenlernt ist ein gepflegter Mann mittleren Alters im Anzug. Martin Hart (Woody Harrelson). Ex-Partner von Rust Cohle. Geschieden. Zwei Kinder. Nun Privatdetektiv.

Die Verbindung der beiden ist jedoch ein Ritualmord an einer Ex-Prostituierten, an dem beide 1995 arbeiteten. Nun, 17 Jahre später, werden beide getrennt voneinander zu den Ermittlungen befragt, weil der Täter scheinbar wieder zuschlug, aufgrund eines Unwetters jedoch alle Dokumente zum Fall unbrauchbar sind. Auch nach all der Zeit könnte die Sicht der Dinge nicht unterschiedlicher als die beiden selbst sein und irgendwie wirkt die gesamte Situation nicht ganz plausibel…

HBO produzierte mit True Detectives eine weitere Serie, die süchtig nach mehr macht. Die Dialoge sind keine oberflächlichen Cop-Floskeln, sondern haben Tiefe, sind anschaulich und sind wahrscheinlich eines der wichtigsten Elemente, warum man bei der ganzen Serie stets ein bedrückendes Gefühl hat. Untypisch für aktuelle Serien ist zudem, dass in der ersten Staffel die Handlung vollkommen abgeschlossen ist, nachdem der Spannungsbogen wirklich bis zum Ende ausgereizt wurde. In diesem Fall war es einfach eine gelungene Symbiose aus tollen Schauspielern und der Tatsache, dass die gesamte Staffel von nur einem Drehbuchautoren und einem Regisseur gedreht wurde. Gerne mehr davon, denn hier wirkte von Folge 1 bis 8 alles stimmig.

In diesem Jahr soll nun auch noch die zweite Staffel starten. Ich bin bereits ziemlich gespannt, ob HBO hier einen zweiten Hit landen kann oder es eher etwas Aufgewärmtes wird. Abwarten.

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Rachel Moran: Was vom Menschen übrig bleibt

Mit autobiografischen Romanen hab ich mich noch nicht viel auseinandergesetzt. Beim Stöbern für neuen Lesestoff stieß ich auf „Was vom Menschen übrig bleibt“. Rachel Moran wurde vorgestellt als Ex-Prostituierte, die heute als Journalistin arbeitet und sich stark für den Kampf gegen die Ausbeutung und Legalisierung von Prostituierten einsetzt. Der Hintergrund ihrer Aktivität: Als Jugendliche landete sie selbst auf dem Straßenstrich von Dublin. Mit 22 Jahren, nachdem so so ziemlich jeden Bereich der Prostitution erlebt hat, wagte sie den schwierigen Ausstieg und erkämpfte sich ihre Position in der Gesellschaft.

Wer sich in diesem Werk eine Aneinanderreihung von Geschichten über Freier erhofft, sollte die Finger davon lassen. Selbstverständlich erzählt Moran über diverse Episoden ihres Tuns und das ihrer „Schwestern“. Aber sie werden nicht detailliert mit adjektiven erzählerisch aufgewertet. Sie dienen dem Leser eher als Beispiel für die Argumentation, die Moran gerade anführt. Es ist auch keine rührselige Vorlage für einen tollen Hollywoodstreifen, in der das schwierige Thema der Prostitution romantisch verklärt mit Happy End präsentiert ist. Sie arbeitet thematisch einzelne Aspekte der Prostitution ab und flechtet hier ihre eigenen Erfahrungen und Meinungen ein. Sie argumentiert wohl reflektiert – was aber nicht verwunderlich ist, weil die Entstehungszeit des Buches gut zehn Jahre umfasst.

Rachel Moran gelang es sehr gut, ihre Vergangenheit zu beleuchten ohne sich selbst in eine zu bemitleidende Opferrolle zu stoßen. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, ihre Eltern hatten beide starke, psychische Erkrankungen und das soziale Umfeld wurde von der Mutter bewusst klein gehalten. Als sich der Staat dann einmischte und Rachel in staatliche Obhut kam, besserte sich die Situation auch nicht, denn auch irische Heime bieten keine Nestwärme. Es folgte das Kennenlernen der falschen Männer und so betrat Rachel mit 15 Jahren das erste Mal den Straßenstrich. Für viele ist es vielleicht schwer zu verstehen, aber sie gibt niemandem die Hauptschuld. Nicht ihren Eltern, nicht ihrem damaligen Freund, nicht sich selbst. Es war, wie bei vielen, die Verkettung der Umstände und der beständige Überlebenskampf. Womit soll man als Jugendliche auch Geld verdienen, wenn die staatliche Obhut die Fürsorge nicht übernehmen kann und man keine Ausbildung hat? Ich glaube, dass Moran trotz ihrer Erfahrungen und zugegebener Defizite eine Frau mit einem wahnsinnig starken Charakter hat. Ansonsten wäre sie früher oder später in das Loch des Selbstmitleids und der Selbstaufgabe gefallen, wie es bei vielen anderen leider der Fall ist, die keinen Ausweg sehen.

Für mich selbst nahm ich einiges aus dem Buch mit, was seltsam klingen mag. Zum einen ist es tiefe Dankbarkeit, niemals in die Prostitution abgerutscht zu sein und in einem Elternhaus mit zwei mental gesunden Elternteilen aufzuwachsen, die bis zum heutigen Tag für mich da sind. Sowohl als Heranwachsende als auch als Studentin traf ich zum Glück auch nicht die Sorte falscher Mann, die mich zur Prostitution drängen wollten bzw. die mich generell zu etwas zwingen wollte, was nicht mir und meinen Wünschen entsprach. Dies ist nicht selbstverständlich.

Außerdem regte mich Morans Meinung hinsichtlich des Thema Missbrauchs wirklich zum intensiveren Nachdenken an. Als Außenstehende der Prostitution machte ich mir hier nie wirklich Gedanken. Ja, es gibt Bordelle und den Straßenstrich sowie Escort-Service. Ich kenne auch Kerle, die schon eines der Laufhäuser Hamburgs besuchten, um „nur mal zu gucken“. Natürlich weiß man, dass da keine Frau gerne arbeitet, weil sie es liebt, Sex mit Fremden gegen Bezahlung zu haben. Und genau hier setzt Moran ihre Kritik an. Für sie ist es in keiner Weise nachvollziehbar, wie Menschen von anderen dafür bezahlt werden, um sexuelle Phantasien auszuleben. Auch wenn hier Geld bezahlt wird, beruht die gewünschte Leistungserbringung nie in 100%-igen Einvernehmen. Im Gegenteil. Häufig sei es sogar so, dass die Männer, die für die sexuelle Dienstleistung bezahlen, die von der oder dem Prostituierten gesetzten Grenzen nicht akzeptieren und hier viele Tätigkeiten von Nötigung bis hin zum „tatsächlichen“ Missbrauch realer Alltag ist. Wer hier argumentiert mit „Aber man weiß doch, worauf man sich in der Prostitution einlässt“ hat das Grundproblem nicht verstanden. Es ist immer ein Zwang, der bei der Prostitution vorhanden ist. Immer. Die Gründe sind vielfältig, haben aber meist Geldnot, Zwang durch Dritte (Zuhälter) und/oder Traumata (bsp. frühkindlicher Missbrauch, zerrütete Familienverhältnisse etc.) in der Vergangenheit zur Basis. Von purer Freiwilligkeit, dass einem ungefragt Gegenstände, Finger und sogar Fäuste in Körperöffnungen gestoßen werden, kann hier nicht gesprochen werden. Es passiert aber, es ist Alltag.

Ich weiß, dass es zahlreiche Sexualitäten, Vorlieben und Fetische gibt. Wenn man dies mit anderen erwachsenen Menschen in gegenseitigem Einvernehmen auslebt, ist dies (für mich) vollkommen in Ordnung. Es kann aber nicht in Ordnung sein, dass man diese Handlungen – auch nicht gegen Bezahlung – an Menschen ausübt, die in ihrem Inneren dies gar nicht möchten. Leider ist es aber schwierig, dieses Denken in der Gesellschaft zu etablieren, da Prostituierte in der Hackordnung derart tief stehen, dass sich die Mehrheit nicht zuständig fühlt.

Wie in so vielen Bereichen gehört hier weltweit in den Gesellschaften umgedacht. Ich bezweifle jedoch, dass dies passiert. Dazu ist der Erotikbereich eine zu große und gewinnbringende Marktlandschaft.

 

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The Rocky Horror Show in Frankfurt

Man wird nass, findet abends beim Ausziehen noch immer Konfetti in den Klamotten, hat von den Ratschen das nervtötende Geräusch im Ohr und konnte mit viel Glück einer fliegenden Klopapierrolle von hinten ausweichen.

In der Musicalaufführung der Rocky Horror Show zu sitzen, ist etwas ganz anderes, als sich eine Oper oder ein Theaterstück anzusehen. Ganz. Anders.Und trotzdem „bloody brilliant“.

Kurz zur Handlung:

Erster Akt. Wir lernen Brad Majors und Janet Weiss kennen. Junge, offenbar schüchterne Menschen. Unschuldig und rein. So süß wie die Kirsche auf einem Vanille-Shake in einer amerikanischen Milchbar. Brad schmettert herzerweichend Dammit Janet, seine Liebeserklärung und das Publikum wird Zeuge der Verlobung. Hach…

Doch dann haben die zwei Turteltauben eine Reifenpanne und landen mittem in einer der schlimmsten Regengüsse direkt im Nirgendwo. Es scheint auswegslos zu sein, doch Brad und Janet entdecken ein Schloss. Die erhoffte Rettung ist zum Greifen nach, denn sie dürfen das Schloss betreten, um das Telefon nutzen zu dürfen.

Leider erhält weder Brad noch Janet die Chance, den Hörer in die Hand zu nehmen, um Hilfe zu rufen. In dieser regenreichen Nacht werden sie nämlich Zeuge unfassbaren Ereignissen, die ihre Grundfeste der sittsamen Moral erschüttern werden.

Dies ist nicht nur irgendein Schloss, nein. Hier lebt der verrückte Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter.  Er stammt von dem Planeten Transsexual aus der weit entfernten Galaxie Transylvania. In dieser Nacht stellt er seinen Schlossbewohnern seine neueste Schöpfung vor: Rocky. Er ist ein gutgebauter, blonder junger Mann und seine Existenz dient nur einem Zweck, nämlich dem Vergnügen von Dr. Frank N. Furter in all seinen Facetten. Doch damit nicht genug. Auch das junge Liebespaar erfährt die Täuschungs- und Verführungskünste des Wissenschaftlers am eigenen Leib.

Auf diesem Höhepunkt seiner Wolllust und Macht tötet der Wissenschaftler sogar seinen ehemaligen Geliebten, woraufhin eine wahre Revolte unter seinen mitgereisten Anhängern entfacht wird. Dr. Frank N. Furter wird entmachtet und getötet. Die Aliens kehren zu ihrem Heimatplaneten Transsexual zurück. Brad und Janet kommen mit dem wohl größten Schrecken ihres Lebens davon.


 

Nach We Will Rock You im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten war dies das zweite Musical, dass wir in der Alten Oper zu Frankfurt sahen. Dass diese Aufführung komplett anders würde, wahr uns spätestens dann klar, als drei Männer in Corsage, Slip und Strumpfhalter inkl. Netzstrümpfen an uns vorbei wippten.

Die Fangemeinde des Stücks scheint auch wegen des Kinofilms gewaltig zu sein, was ich ehrlich gesagt nicht erwartet habe. In meiner anerzogenen kulturellen Spießigkeit geht man eben ordentlich angezogen in die Oper, daher Hut ab vor allen Personen im Publikum, die es vergangenen Freitag durchgezogen haben!

Und ja, es war auch verdammt merkwürdig, dass Janet stets mit „Slut“ bzw. „Schlampe“ Rufen kommentiert wurde. Brad war in dem Fall ein „asshole“, also ein „Arschloch“. Auch der Erzähler, in unserem Fall Martin Semmelrogge persönlich, kämpfte mit Humor gegen hartnäckige „boring“-Rufe. Man scheint dies gewohnt zu sein.

Letztendlich war es diesmal nicht nur ein unterhaltsamer Abend in der Oper, sondern auch hinsichtlich der Tontechnik wirklich ein Genuss. Wer verrückte Storys mag, wird The Rocky Horror Show lieben.

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Vorbereitung ist alles

Wie ich eingangs mal erwähnte, ich ahnte nicht wirklich etwas im vergangenen Frühjahr, dass der Herr Hochzeitspläne schmiedet.

Offensichtlich untypischerweise hatte ich auch keine klaren Vorstellungen, wie meine Traumhochzeit auszusehen hat. Bis zu dem Zeitpunkt besuchte ich nur die meines Bruders. Hatte damit zwar standesamtlich und später kirchlich durch, aber es weckte keine Träumerin in mir.

Dies änderte sich natürlich mit der Frage aller Fragen. Wir saßen beide zusammen und sponnen, wie unser Tag wohl aussehen könnte. Das war ganz schön, aber so festgesetzte Wünsche entstanden da auch nicht. Meine eine Kollegin war mir damals geistig weit voraus. Sie wusste genau, was sie will und was nicht. Das bewunderte ich. Wirklich.

Ich gönnte mir dann einfach einen ordentlichen Schwung Hochzeitsmagazine vom Kiosk – regelmäßig. Seichte Abendunterhaltung war gesichert.

Sich solche Magazine irgendwie zu besorgen kann ich nur jedem empfehlen, der nicht schon vier Hochzeiten mitorganisiert hat oder zahlreiche Feiern besuchte und somit weiß, was gefällt und was nicht. Man kann als Neuling im Thema einfach wahnsinnig viel übersehen und vergessen. Außerdem gibt es oft gute Tipps für das Zeitmanagement – wenn man nicht wie ich beruflich durch Eventplanung schon geschädigt ist. Wer meint, er kann ohne Kompromisse und Rückschläge in drei Monaten seine Traumhochzeit in der beliebtesten Location seines Wunschortes planen, ist ein bisschen naiv, denn auch hier kann Geld nicht alles regeln.

Für das Kennenlernen der Brautkleidhersteller ist es das Beste, was es gibt. Dank des Internets kann man sich oft die gesamte Palette der Designer ansehen und auch schauen, in welchen Läden man die Marke finden kann. So bastelte ich mir auch meine Vorstellungen für den Besuch beim Brautmodengeschäft zusammen. Dass mir davon gar nix stand, ist ein anderes Thema…

Auch Dekotipps hab ich gut aus den Zeitungen ziehen können bzw. erkennen können, was so gar nicht mein Fall ist. Viele meinen Ja, eine schicke Location ist alles. Das stimmt, aber kleine Details machen nicht nur die eigene Hochzeit individueller, sondern zeigen auch den Gästen, dass sich das Brautpaar Gedanken gemacht hat, eine bestimmte Stimmung zu schaffen. Ich persönlich mochte es als Gast immer, wenn sich in der ganzen Gestaltung der Hochzeit das Paar darin spiegelte. Es ist nicht immer möglich, aber die Hochzeitsreportagen und Tipps in den Magazinen können gute Starthilfe geben.

Für mich als Beauty- und Make-up-Laie waren auch die Tipps rund um Styling am Hochzeitstag bis jetzt recht praktisch. Klar, ich mache auch nicht alles Vorschläge – weil ich einfach keine Lust bzw. Bedarf habe. Meine Füße sind beispielsweise recht ordentlich gepflegt. Ich muss nicht sechs Monate vorher regelmäßig zur Fußpflege, um in meinen Schuhen einen strahlenden Auftritt hinzulegen. Meine Haut benötigt auch keine Behandlungen mit Peelingmasken und weiß der Teufel was. Aber das ist ja das Gute: Alles kann, nichts muss.

Was außerdem perfekt in einigen Magazinen gelöst ist, ist der Dienstleisterteil. Am Ende des Heftes wartet quasi eine Sonderform des Telefonbuches auf die Paare. Sortiert nach PLZ-Bereichen oder Dienstleistungssparten können hier Profis für die eigene Hochzeit kontaktiert werden. Vom Fotograf über Catering bis hin zum Zauberer oder einer Kinderbetreuung. Wer nicht lange recherchieren will und auch keine Geheimtipps von Freunden und Familie erhält, hat hier gute Chancen, erfolgreich fündig zu werden.

Mein Alltime-Favourite bei den Magazinen ist aber das offenbar noch recht junge marryMAG. Hier gibt es nicht nur die neuesten Trends zu bestaunen, sondern wunderbare Reportagen zu Brautpaaren, sondern auch herrliche DIY-Vorschläge. Beim marryMAG kann ich wirklich reinen Gewissens sagen, ich las alles. Bei anderen wäre das gelogen 😉

Mit der Zeit wuchs nun zu Hause ein ordentlicher Stapel an Magazinen und Zeitschriften. Leider heiratet in meinen Umfeld aktuell nur noch einer – zwei Wochen nach uns. Hier brauche ich der Braut keine Magazine mehr andrehen. Die sind bei der Planung wie wir fast fertig. Wer hier aber Interesse hat und sie sich irgendwie in Frankfurt abholen möchte oder ich sie bei einem Heimatbesuch in Halle, Dessau oder Leipzig irgendwie abgeben kann, ich mache dies gerne. Für den Papiermüll wären sie einfach zu schade. Also: Verlobt euch und nehmt mir das Papier ab!

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Das Ende von Eddy – Buchkritik

Frankreich. Die Picardie. Wir sind in einem kleinen Dorf. Eddy wächst mit einigen Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater trinkt zu viel, die Mutter schimpft zu viel und eigentlich ist sein Leben seit Generationen vorherbestimmt: geboren werden, zur Schule gehen, Schule verlassen, in der Fabrik arbeiten und ein richtiger Kerl sein, der sich prügelt und säuft.

Aber Eddy ist als Kind schon kein richtiger Junge. Statt auf dem Dorfplatz zu bolzen, würde er lieber tanzen lernen. Er liebt es, seine Schulfreundin zu schminken oder die Kleidung seiner Schwester anzuprobieren. Auch die anderen im Dorf bemerken, dass Eddy zu viel mit den Händen beim Sprechen gestikuliert und auch so oft irgendwie zu zart für einen echten Kerl aus der Normandie ist.

Er gibt sich Mühe, will angepasst sein. Eddy nervt es auch selbst, dass er in der Schule das Opfer ist, dass er in manchen Situationen lieber heulen würde anstatt vor Wut einfach zurückzuschlagen. Aber er grinst möglichen Ärger weg, immer in der Hoffnung, dass die wachsende Agression ihm gegenüber nicht eskaliert. Die Mutter, selbst mit der Gesamtsituation überfordert, erkennt es einfach nicht, wenn ihr Sohn gestresst vor ängstlicher Anspannung aus der Schule kommt. Der Vater, ein echter Kerl, weil er säuft und sich prügelt, ist auch nicht an Eddys Gedanken und Ängste interessiert. Hauptsache er verkneift sich seine Tussiattitüden und dann wird er schon noch ein Mann, wie es alle Männer im Dorf worden. Immerhin beleidigt man auch ihn als Vater, wenn Eddy als Tunte oder Tusse beschimpft wird und das kann er nicht auf sich sitzen lassen.

Somit wächst Eddy mit der Einstellung heran, dass Schwule abartig sind. Ein echter Kerl fickt (Frauen) und wird nicht gefickt. Fertig. Wenn er lieber tanzt und Mädchensachen trägt, ist er ein Freak, ein kranker Spinner. Das ist ekelhaft. Daher warnt er auch seinen kleinen Bruder, dass er sich bloß in Mädchen zu verlieben habe. Schwule sind abartig. Punkt.

Nun kommt es jedoch im Holzschuppen, in dem er sich mit seinem älteren Cousin und ein paar anderen Jungs regelmäßig zum Zeitvertreib nach der Schule trifft, zu einer Situation, bei der die Mutter sie entdeckt und schockiert ist. Am Ende ist es Eddy, der mehr als nur bespuckt wird, weil die drei anderen Beteiligten ihn als Sündenbock benutzen. Eddy, die Tunte, schlug das Spiel vor. Eddy, die Schwuchtel, wollte es so. Eddy, die Tussi, ist der Abartige. Leider erkennen die Bewohner des Dorfes in ihrer Beschränktheit nicht, dass es vier Beteiligte gab und nicht nur Eddy.

Eddy sieht seine Chance auf Leben in Frieden nur, wenn er sich zusammenreißt. Er kann ein Kerl sein. Mit einer Freundin. Das wird schon. Er zwingt sich, sich selbst zu beweisen, dass er wirklich mit Haut und Haaren ganz normal ist und Frauen begehren kann…

Das alles klingt nach der unaufgeklärten Schwulenhetze vergangener Zeiten. Édouard Louis, dessen eigentlicher Name Eddy Bellegeule* ist und der in Das Ende von Eddy seine Kindheit ansatzweise verarbeitet, wurde erst 1992 geboren. Er erlebte die Schmähungen, das Mobbing, die Beleidigungen und die Gewalt am eigenen Leibe. Sein endgültiges Entkommen war die Flucht nach Amien und zuletzt Paris, wo er nun Student der Soziologie ist.

Ich stieß in der Literaturecke des Spiegels online auf diesen Roman. Das Thema fand ich ganz interessant und erste Kritiken schwärmten vor allem von der gewaltigen Sprache des Autors. An dieser Stelle bin ich etwas ratlos, weil mir meine Fassung als deutsche Übersetzung vorliegt. Entweder bin ich vollkommen abgestumpft, oder die Übersetzung litt einfach – was Übersetzungen so an sich haben. Meine Französischkenntnisse reichen leider nicht aus, um mir das Original zu Gemüte zu führen und hier vielleicht den auffallenden Sprachgebrauch des Autors zu bemerken. In der deutschen Fassung empfinde ich die Sprache nicht wirklich aggressiv oder gewaltig. Im Gegenteil. Es ist eher sehr einfach gehalten, beinahe primitiv, wodurch die Einfachheit der Dorfbewohner gut unterstrichen wird. Von Sprachgewalt würde ich da nicht sprechen, eher von der Wahl des passenden Sprachstils.

Wenn ich von Einfachheit spreche, meine ich dies auch nicht abwertend. Es wird aber nicht nur durch den Umgang, sondern auch durch die geschilderten Weltanschauungen der Bewohner klar, dass hier komplett andere Werte wichtig sind und der Bildungsstand niedriger ist. Die Frauen sind beispielsweise dafür verantwortlich, wenn die Männer Mist bauen. Sie könnten ja liebevoller sein. Wären die Männer nicht so triebgesteuert und würden die Mädels schwängern, könnten die ja die Schule beenden und was anständiges Lernen. Eier haben ist auch ganz wichtig, um sich zu behaupten. Das zählt für Männer und für Frauen.

Eddy passt mit seiner Art nicht in dieses klassische Gefüge und das merken auch seine Eltern. Die Mutter ahnt sicherlich durch das weiche Verhalten ihres Eddys, dass dieser kein Schlägertyp wird. Der Vater lehnt auch alles kategorisch ab, was nicht seinem einfachen Weltbild passt: Schule und Bildung braucht keiner, Ärzte wollen nur Geld und jeder Angestellte, der mehr Gehalt hat und eine Ausbildung genoss, ist ein arrogantes Arschloch. Der einfache, kleine Mann muss einfach selbst gucken, wie er mit dem Arsch an die Wand kommt. Für Eddy ist es daher schwierig, fernab dieser engen Weltsicht des Dorfes in der Stadt zurechtzukommen, zumal er in der Schule recht passable Noten bekommt und er wirklich etwas aus seinem Leben machen könnte. Er spürt, dass er anders ist, dass er die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen kann, aber er kennt auch keine Alternativen.

Das Ende von Eddy beweist an einem recht aktuellen Beispiel, wie wichtig Aufklärung und Erfahrung für das Erschaffen von Weltbildern und Meinungen ist. Eindrücke prägen und je vielfältiger diese sind, desto geringer ist doch auch die Angst vor Unbekanntem und Neuem. Anderssein ist nichts, was es zu verurteilen gilt, sondern kann eine wahre Bereicherung sein.

Das Buch las sich recht zügig weg, was auch durch den einfachen Schreibtil begünstigt wurde. Wenn Eddy in der Schule gemobbt wurde, körperlich angegriffen und dadurch auch sein Nervenkostüm stark strapaziert war, fühlte ich mit, weil es trotz der Einfachheit doch anschaulich beschrieben ist. So war auch mein Ekel vor den Sachen, die ihm andere Schüler antaten, recht groß. Das ständige Ankämpfen an das Anderssein, dass von ihm innen heraus kommt, war nicht nur zu lesen, sondern zu spüren. Ich sah in den Kopf des heranwachsenden Eddys, verstand seine Erklärungen, warum er dann einfach die Hände den den Taschen ließ, wenn er sprach oder seine Stimme verstellte. Er erschuf einen zweiten Eddy, einen angepassteren – damit endlich die Hetze im Dorf aufhört und auch hier verstand ich als Leser, warum er nicht ankämpfte oder gar abhaute. Bevor Eddy die Schule und somit auch seinen Lebensraum wechselte, gab es für ihn in seiner beschränkten Weltsicht einfach keine andere Lösung als angepasst auf das Beste hoffen.

Daher Hut ab vor jedem, der den Schritt des Outings geht und sich dadurch an einen Pranger stellt, den es nicht geben müsste, denn die Schikanen für Homosexuelle in unserem Zeitalter sind wirklich ein wahres Armutszeugnis für die ach so aufgeklärte Menschheit.

*Bellegeule heißt übersetzt in etwa Schönmaul (belle = schön, geule = Maul, Fresse)

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