Sommerfrische und Backfisch

Bereits im Herbst 2013 planten wir gemeinsamen Urlaub an der Ostsee. Seine Eltern, seine Schwester samt Mann und Kind und wir zwei. Da ich das Meer liebe, waren mir Details zu dem Zeitpunkt unwichtig – ich wollte Seeluft im Gesicht und den Sand zwischen meinen Zehen spüren. Nun war es endlich soweit. Knapp sechs Tage Binz auf Rügen liegen hinter mir und ich kann nur eins sagen: gerne wieder. Binz ist wohl das größte Seebad auf Rügen, bietet einen sehr schönen Sandstrand und auch für die Architekturfans unter uns gibt es einige prachtvolle Gebäude – und das nicht nur im Stil der klassischen Bäderarchitektur. Touristen können über die lange Seepromenade flanieren oder in den kleinen Boutiquen und Shops so manchen Euro lassen. Es ist schon ein sehr touristisch geprägter Ort, in dem die Bordsteine in der Nebensaison wahrscheinlich mit Sonnenuntergang hochgeklappt werden – aber das passiert auch in anderen Orten. Wir bezogen mittwochs wie vereinbart gegen 16 Uhr unser Ferienapartment Wittow in der Villa Ravensberg. Bereits nach der ersten flüchtigen Besichtigung war klar: schick, aber für uns sechs Erwachsene und dem kleinen Wirbelwind könnte es die kommenden Tage schon etwas eng werden – und vollständige Privatsphäre war auch nicht immer gegeben. Die zwei ebenerdigen Schlafzimmer hatten jeweils ein Badezimmer, das man aber nur über den Zugang zum Zimmer erreichen konnte. Die dritte Schlafmöglichkeit unter dem Dach hatte eine maximale Höhe von 1,50m, was somit selbst für mich zu niedrig war. Oben gab es kein Bad und keine Tür, daher wäre man immer mitten im Geschehen, auch wenn man bereits vor den anderen ins Bett gegangen wäre. Ich will aber nicht meckern: Die Einrichtung war total gut in Schuss und für ein Ferienapartment sehr gut ausgestattet und komfortabel.

Selbstverständlich ging es gleich am ersten Tag für mich noch an den Strand. Ich liebe das Meer und könnte eigentlich ewig am Ufer die Füße von den Wellen umspielen lassen. Auch Ludmilla war natürlich sofort dabei.

Zum Abendbrot ging es, trotz des vorherigen Einkaufs, essen. Dort bewies ich wieder meine Ungeduld in Reinform. Mein frischer Hering aus der Pfanne war sehr lecker, aber ich hasse Gräten und bekomme die Krise, wenn ich pulen muss. Das ist nichts für mich, da bin ich durch Filets vollkommen verwöhnt. Die Gaststätte wurde noch durch den Einwurf, dass Mats Hummels ein Aua hätte, unterhalten. Im Apartment warteten auch nur noch zwei Weingläser und dann rief das Bett. Seeluft macht müde. Am Donnerstag spielte das Wetter leider nicht so mit, aber wir machten das Beste draus. Im Nachhinein kann ich nur sagen: Es war gut so, denn die Radtour am Freitag nach Sellin hatte es in sich. Wer meint, dass so eine Insel total flach ist und somit wunderbar für entspanntes Radeln, der irrt – und zwar gewaltig. Aber Sellin war ganz hübsch anzusehen und irgendwie schafften wir es auch zurück. Dafür waren wir alle auch gut kaputt am Abend.

Am frühen Samstagmorgen kam ich endich in den Genuss, die Laufschuhe zu schnüren. Den Rückweg legte ich barfuß am Meer zurück und es war einfach wunderbar. Nach dem Frühstück verabschiedeten sich die jungen Eltern vom Wirbelwind, um bis in den frühen Nachmittag einmal traute Zweisamkeit zu nutzen. Also ging es für uns übrigen mit der Kleinen zunächst zum Spielplatz. Nach einem kleinen Mittagessen kaufte ich mir noch fix eine Mütze, da der Wind in Binz ganz schön kräftig wehte. Meine Ohren waren sofort dankbar. Spontan wurde dann noch beschlossen, sich Prora anzusehen. Eigentlich sollte dies quasi der Cluburlaubsbunker des Deutschen Volkes werden. Aber da der Krieg und dann das Ende kam, wurde Prora nie vollständig fertig. Das Ende vom Lied ist, dass heute ein riesiger Gebäudekomplex steht, mit dem keiner so recht was anzufangen weiß. Das Museum in einem der komplett fertiggestellten Gebäude ist definitiv sehenswert. Trotzdem ist einem das Ausmaß nicht wirklich bewusst – dazu müsste man es einmal komplett ablaufen. Dazu fehlte die Zeit.

Wer aber die Gelegenheit hat, in Prora mal ans Meer zu gehen, sollte dies tun. Der Sand ist wunderbar und dort waren auch weniger Algen, die den Binzer Strandabschnitt gut besiedelt hatten.

Panorama vom Proraer Strand.
Panorama vom Proraer Strand.

Sonntag wollten wir eigentlich mit einem Schiff über die Ostsee fahren und uns den Kreidefelsen aus der Ferne ansehen. Da aber genau die geplante Tour ausfiel und mir die nächste Tour zu spät war, um sich danach noch in die 18°C kalt-warmen Fluten zu stürzen, blieb ich gleich am Strand. Das bereue ich keine Sekunde. Auch wenn der Wind ordentlich wehte und es trotz der Sonne nicht immer schön warm war, hat so ein Tag am Strand für mich ganz viel Urlaubsgefühl bedeutet. Wahrscheinlich liegt das aber an den Kindheitserinnerungen. Am Abend waren wir noch essen, legten eine letzte Runde über die Promenade nach und fingen an, in der Wohnung die ersten Sachen zu packen. Montag hieß es dann leider Abschiednehmen. Auf uns warteten über 800km. Trotzdem ließ ich mich von Baustellen und Staus sowie langsamen Umleitungen nicht ärgern. Ich hatte wunderbare Tage am Meer hinter mir <3.

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