MeinFernbus – Update einer Erfahrung

Vor gut zwei Jahren fuhr ich das erste Mal mit MeinFernbus. Viel hat sich seitdem getan – auch auf dem Fernbusmarkt.

Damals schossen sie wie Pilze aus dem Boden. Die ersten meldeten bereits den Rückzug an. Trotzdem sieht man immer mal noch neue Anbieter, aber auch ohne Zahlen als Fakten zu recherchieren, ist MeinFernbus der wohl am häufigsten genutzte Fernbus Deutschlands. Durch den Zusammenschluss mit FlixBus und kontinuierlichem Streckenausbau sind mittlerweile über 80 Linien und gut 200 Haltstellen zu verbuchen. Selbst europäische Städte wie Amsterdam, Brüssel, Paris oder gar Zagreb und Budapest sind heute über mein Fernbus zu erreichen. Das Prinzip Fernbus scheint somit zu funktionieren.

Dank des Bahnstreiks benötigte ich am vergangenen Wochenende auch mal wieder den Fernbus als Alternative zur Bahn, da ich auch nicht auf unseren PKW zurückgreifen konnte. Lust auf Bus habe ich persönlich generell nie. Wenn man selbst fährt, hat man was zu tun. Oder kann zumindest als Beifahrer irgendwie die Zeit verfliegen lassen. Im Bus langweile ich mich stets zu Tode, auch wenn ich die Zeit für eigentlich gern gepflegte Hobbys nutzen kann. Wahrscheinlich liegrt es auch daran, dass die hessische Autobahn freitags immer zum Kotzen ist – aber mit einem PKW kommt man dann irgendwie doch schneller voran – und ist auch nicht an die gesetzliche Pause für den Fahrer gebunden. Jammern nützte  nix, ich wollte zu einem mir sehr wichtigen Termin nicht fehlen. Da führte an das verlässliche Fahren von MeinFernbus nichts vorbei.

Prinzipiell hat sich bei MeinFernbus auch nichts verändert. Während ich mich erinnere, dass die allererste Tour von Frankfurt nach Leipzig ohne Pause ging, findet heute auf der Strecke immer eine Pause statt. Der Busfahrer muss nun einmal nach gesetzlichen Regelungen genau diese Pausen einlegen. Auch wenn mich die 30-45 Min Zwangspause wirklich nervten, so ist es doch wichtig und auch gut, immerhin hängt auch von der Konzentration und Leistungsfähigkeit des Fahrers die gute und vor allem sichere Fahrt ab – und ich lebe dann doch lieber.

Die Busse sind modern und sauber. Eine Sitzplatzwahl erfolgt nach dem Modus „wer zuerst kommt, wählt zuerst“, also ganz wie in alten Klassenfahrttagen. Das WLAN ist noch immer unterirdisch schlecht, aber die Steckdosen liefern zumindest Strom für Tablets & Co. Wer dringend eine Steckdose braucht, sollte im Bus an den Fensterscheiben nach den Hinweisstickern suchen. Die Steckdosen befinden sich in den Sitzreihen unter den Sitzen zwischen den zwei Plätzen. Am Snackangebot (Getränke, Knabberzeug) änderte sich nichts. Doch auch heute noch halte ich nix davon, den Fahrer mit meinem 50er abzulenken, weil ich Bock auf Gummibären für einen Euro habe.

Generell bin ich mit meiner Notlösung wirklich zufrieden gewesen, auch wenn es nie etwas aus den angekündigten fünf Stunden Fahrtdauer wurde. Für Staus, Stockungen und Sperrungen kann der Fahrer nichts. Der Preis ist bis heute unschlagbar – auch für Leute, die kurzfristig reisen wollen. Wo ich bei MeinFernbus aber wirklich Handlungsbedarf sehe, ist die Situation an den Abfahrpunkten. Freitag gegen 15 Uhr fahren in Frankfurt zahlreiche Busse ab. Die Platzkapazitäten reichen einfach nicht mehr aus, um die Busse systematisch bzw. übersichtlich zu platzieren. Der ungeübte Fernbusgast gerät hier sicher leicht in Panik. Das Personal vor Ort wirkte auch einfach nur genervt von allem und jedem. Anfragen von eben diesen ungeübten Fahrgästen wurden auch mal barsch abgewürgt mit „ja, der kommt doch noch, meine Güte, der fährt eh erst in 5 Minuten ab – laut Plan.“ Das wirft dann doch ein schlechtes Bild auf die anstehende Reise und hat auch sicher schon so manche Beschwerde nach sich gezogen. Klar, hört der Mitarbeiter diese Frage am Tag hundertmal, mal mehr und mal weniger freundlich. Aber die Abfahrtsituation ist bei den Stoßzeiten einfach unübersichtlich und ich kann die Angst verstehen, dass der Bus ggf. auch ohne gebuchte Fahrgäste seine Tour starten könnte. Ich ging Seig C auch drei Mal ab, um sicher zu gehen, dass da noch nicht mein Bus steht.

Vielleicht können die Städte hier gemeinsam mit MeinFernbus eine vernünftige Lösung in den kommenden Jahren finden, um hier für alle Beteiligten zufrieden zu stellen. Mal sehen.

Für mich war dies wahrscheinlich vorerst das letzte Mal, dass ich von Frankfurt nach Leipzig und zurück tourte. Wer weiß, welche Strecken die Zukunft bringt.

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MeinFernbus – Eine Erfahrung

Letztes Wochenende stand in heimatlichen Gefilden ein außergewöhnliches, familiäres Ereignis an. Da wir zwei Heimreisende beide Frühschicht hatten, wollten wir nur ungern selbst mit unserem Silversurfer danach noch gut vier Stunden selbst auf Deutschlands Autobahnen fahren. Bahntickets sind auf kurzer Frist zu teuer und Mitfahrgelegenheit ist immer so eine Sache mit dem Vertrauen. Dank einer Gesetzesänderung dürfen nun Fernbusse deutsche Autobahnen beehren. Das nutzten wir….

Wieso MeinFernbus?

In den Untiefen des World Wide Webs stießen wir durch Zufall auf das Angebot von MeinFernbus. Angebot angeschaut, festgestellt, dass es für uns ganz günstig ist, weil Frankfurt um die Ecke ist und Leipzig auch ein guter Dreh- und Angelpunkt in unserer Heimat ist. Der Fahrpreis bei rechtzeitiger Voranmeldung von 15 Euro pro Näschen ist natürlich unschlagbar. Das schafft man mit keiner Mitfahrgelegenheit und mit keinem Sparangebot der Bahn, das man Wochen im Voraus kaufen muss.

 Wie liefen der Kauf und dann die Fahrt ab?

Tickets haben wir ganz einfach online gebucht und bezahlt. Freitagnachmittag 15 Uhr ab Frankfurt/Main bis Leipzig. E-Mail Bestätigung und Zettel ausgedruckt (den der Fahrer nicht sehen wollte). Kurz vor der Abfahrt hat man sich einfach beim Fahrer mit seinem Namen gemeldet und er hat einen dann – moderne Technik sei Dank – direkt im Smartphone abgehakt. Platz gesucht, los ging es.

Auf der Hinfahrt fuhr uns Herbert. Sein Lieblingswort ist ‚richtich‘. Er fuhr tapfer im Schneeregen los, um dann wenig später im Stau auf der Autobahn zu landen. Mir war eh alles egal, ich hab mir den Rücken verknackst und konnte mich nicht bewegen. Ich wollte nur Ruhe. Die hatte ich, um uns herum schliefen viele. Faszinierend an der Fahrt war eher, dass der erste drei Minuten nach Fahrtantritt auf das Busklo musste – wie zu besten Ausflugzeiten in der Schule. Dank des Staus war ein pünktliches Ankommen in Leipzig natürlich nicht möglich. 19.40 war veranschlagt, 21 Uhr wurde es.

Auf der Rückfahrt am Sonntagnachmittag fuhr uns Michael. Wieder war es ein normaler Reisebus, aber sehr voll. Unter den Studenten muss sich das Topangebot herumgesprochen haben. Abgesehen von Menschen mit Pionierblasen, die regelmäßig schiffen gehen, war auch diese Fahrt auszuhalten. Ankunft in Frankfurt war 20 Minuten vor der eigentlich geplanten Ankunft.

Das angepriesene WLan im Bus ist eher, naja, eine Baustelle, die definitiv behoben werden sollte. Wenn man zu den acht glücklichen Nutzern gehört, die sich rechtzeitig einloggen, hat man mit Ladezeiten zu kämpfen, die jenseits von Gut und Böse gehören. 56k Leitungen waren damals gefühlt schneller.

Dafür ist der „Bordservice“ zu empfehlen. Getränke und Knabberzeug zu wirklich humanen Preisen. Tüte Gummibären von namenhaften Herstellern kostet auch in manchen Spätis oder Tankstellen einen Euro.

Vorteile

  • unschlagbare Preise (Tickets und Versorgung an Bord)
  • man fährt nicht selbst
  • keine Zwischenhalte
  • genügend Platz für riesige Reisetaschen dank Stauraum unter dem Bus
  • interessantes Verkehrsnetz, das stetig ausgebaut wird

Nachteile

  • mit Verspätungen durch Stau/Pannen ist zu rechnen
  • die WLan Verbindung ist unterirdisch (sorry Leute, nix für ungut)
  • wer +2 reist und gerne nebeneinander sitzen möchte, kann Pech haben, keine Platzreservierung möglich (betrifft auch Leute, denen hinten schlecht wird)

Fazit

Das Angebot von MeinFernbus ist definitiv unschlagbar. Wer es nicht eilig hat und zwingend notwendige Anschlüsse mit kurzen Zeitspannen zwischen der geplanten Busankunft und der nächsten Weiterfahrt plant, ist ganz gut mit der Art zu reisen bedient. Ich für meinen Teil fand die Strecke Frankfurt/Mainz – Leipzig wirklich ok, auch mit kaputtem Rücken.

Wer ein bisschen Hirn hat und die Denkfunktion auch nutzt, dem ist auch klar, dass es Wochentage und auch Situationen gibt, die eine Verzögerung generell mitbringen. Freitag bricht auf den Autobahnen generell die Hölle los, Stau gibt es um und in Frankfurt daher regelmäßig. Das sollte man mit einplanen!

Und Ihr?

Seid ihr auch schon mit MeinFernbus gefahren? Was waren eure Erfahrungen? Habt ihr Tipps für Langstrecken, damit es nicht langweilig wird?

UPDATE 2014

Ende Januar 2014 fuhren wir erneut die Strecke Frankfurt –> Leipzig und zurück. Sowohl auf der Hinfahrt als auch auf der Rückfahrt fuhren wir mit einer Luxus-Bus-Variante. Das umfasste nun ein Entertainmentprogramm mit Bildschirm im Vordersitz und einem Panoramadach, durch das man den Himmel sehen kann (wozu auch immer das hilfreich sein mag…). Der Sitzkomfort war wieder ok. Die Sache mit dem Wlan gab ich erneut auf, auch wenn ich diesmal nur mein Handy verbinden wollte.

Vollkommen neu war die Pflichtpause von 45 Minuten. Das muss man wohl mittlerweile immer einrechnen, denn die Fahrer sollen ihre Lenkzeiten auch nicht überschreiten. Dank der Witterung war man irgendwie gezwungen, sich einen Kaffee oder etwas anderes an der Raststätte zu kaufen, weil man ansonsten wie bestellt und nicht abgeholt in der Gegend stand. Aber offenbar ist die Pause für so manchen immer noch zu kurz, denn auf dem Rückweg verpeilte eine junge Dame, dass der Bus dort nicht den ganzen Tag pausiert. Trotz einer zusätzlichen Sicherheitswartezeit des Busfahrers erhielt er kurze Zeit später einen Anruf, dass man sie vergessen habe. Nach einigem Hin- und Her konnte sie dann wieder zusteigen – natürlich unzufrieden und sich keinerlei Schuld bewusst. Daher hier mein Tipp: Fällt euch auf, dass nach der Pause der oder die neben/vor euch fehlt, meldet es.

Ich selbst bevorzuge nach der zweiten Runde mit MeinFernbus die Fahrt mit dem eigenen Auto, weil man schneller ist. Aber der Fahrtpreis ist mit dem Fernbus natürlich unschlagbar. Daher bleibe ich dabei: Wer Zeit hat und nicht unter zwingenden Termindruck im Zielort noch Anschlüsse bekommen muss, der ist mit MeinFernbus gut beraten.

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