Schweden, Road Trip nach Norden

Ein echter Urlaub ist erst ein echter Urlaub, wenn man das Land richtig gesehen hat. Am besten geht das mit einem Road Trip.

Das Vehikel dazu hatte der Lars schon in Deutschland vorbestellt und wartete schon sehnsüchtig darauf, mit uns 300+ km nach Norden zu juckeln. Plan war es auf der Strecke so viel mitzunehmen, wie möglich – eine Sightseeingtour, kein Elchtest.

Von Uppsala aus startend ließen wir Gävle rechts liegen und machten einen Zwischenstopp in Söderhamn – Proviant aus der örtlichen Kaufhalle beschaffen. Stromerten dort ein wenig durch die Straßen der durch die Industrie geprägten Stadt, aber fanden nichts weltbewegendes und setzten die Reise nach Norden fort.

Zwischen Hudiksvall und Söderhamn packte uns die Abenteuerlust. Das Navigationsgerät verhieß Wald und Meer recht nahe unserer Position. Also von der Autobahn über gut geräumte Landstraßen ab auf verschneite Forstwege. Während uns das Routing-Gerät mehrere Male durch Schneewände schicken wollte kreiselten wir durch den Wald – natürlich mit der großen Hoffnung einen Elch zu sehen. Diese schienen sich aber eher im Landesinneren zu vergnügen (z.B. in einem der Elchparks bei Sala, westlich von Uppsala). Also ab zur nächsten Station: „La Mer“.

Fjäle (61.506824,17.120519), absolute Ruhe und keine Menschenseele. Eine Ansammlung von Ferienhütten und ein Hafen, unweit von Enånger, einem ehemaligen Fischerdorf das im Mittelalter, unter anderem, Surströmming (fermentierte Hering) produzierte.

Etliches Schneegestapfe in der warmen Frühjahrssonne und hunderte Fotos später machten wir uns weiter auf den Weg gen Norden. Sundsvall war als Ziel dieses Tags mittlerweile auserkoren worden.

Im Gegenzug zu vorherigen Naturidylle wurden wir hier wieder mit Industrie (Aluminium, Papier und Chemie), einheimischen Burger-Schnellrestaurants und ein klein wenig Städte-Sightseeing belohnt. Wir erlaubten es uns kurz durch die Stadt zu kreiseln, bevor wir auch wieder Richtung Uppsala zurück mussten. Das Kleinstmobil wollte wieder zu seiner Vierleihstation.

Bis hier hin war es ein normaler Tagesausflug, aber Herr L.P. aus B. wollte das ganze vermutlich etwas spannender gestalten. Einen echten Road-Trip eben – mit extra Kick und Sahnehäubchen und Kirsche oben drauf. Trotz meiner, in beharrlicher Regelmäßigkeit wiederholten, mahnenden Ratschläge der Tankanzeige ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wurde dies nicht getan. Das Tageslicht schwand und so auch unser Benzinvorrat – wäre es ein Trabant gewesen, hätte es mindestens drei aktivierte Reserve-Hebel gegeben haben müssen, um den Füllstand unseres Vehikels zu beschreiben. Die rot glühenden Augen der wilden, blutrünstigen Elche lugten schon aus jedem Busch und Gestrüpp am Wegesrand – wir waren kurzum so gut wie in der Wildnis verloren.

Mit dem letzten fossilen Brennstoff im Zylinder – es kann auch der letzte Tropfen an der Zündkerze gewesen sein, ich war geistig schon nicht mehr aufnahmefähig, wie auch mit dem Bild eines bestialischen Elches, der das letzte Fleisch von den eigenen Knochen zehrt – erreichten wir eine Tankstelle.

Die letzten 50 Kilometer, mit ausreichend Sprit im Tank, konnte der Herr L. sich was anhören. Bis zum heutigen Tage wurde Herr L. aus B. für sein Verhalten nicht zur Rechenschaft gezogen. Skandal!

tl;dr

Wir hatten in Schweden einen Road Trip, hier die Bilder von einem Zwischenstopp in Fjäle.

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