The Rocky Horror Show in Frankfurt

Man wird nass, findet abends beim Ausziehen noch immer Konfetti in den Klamotten, hat von den Ratschen das nervtötende Geräusch im Ohr und konnte mit viel Glück einer fliegenden Klopapierrolle von hinten ausweichen.

In der Musicalaufführung der Rocky Horror Show zu sitzen, ist etwas ganz anderes, als sich eine Oper oder ein Theaterstück anzusehen. Ganz. Anders.Und trotzdem „bloody brilliant“.

Kurz zur Handlung:

Erster Akt. Wir lernen Brad Majors und Janet Weiss kennen. Junge, offenbar schüchterne Menschen. Unschuldig und rein. So süß wie die Kirsche auf einem Vanille-Shake in einer amerikanischen Milchbar. Brad schmettert herzerweichend Dammit Janet, seine Liebeserklärung und das Publikum wird Zeuge der Verlobung. Hach…

Doch dann haben die zwei Turteltauben eine Reifenpanne und landen mittem in einer der schlimmsten Regengüsse direkt im Nirgendwo. Es scheint auswegslos zu sein, doch Brad und Janet entdecken ein Schloss. Die erhoffte Rettung ist zum Greifen nach, denn sie dürfen das Schloss betreten, um das Telefon nutzen zu dürfen.

Leider erhält weder Brad noch Janet die Chance, den Hörer in die Hand zu nehmen, um Hilfe zu rufen. In dieser regenreichen Nacht werden sie nämlich Zeuge unfassbaren Ereignissen, die ihre Grundfeste der sittsamen Moral erschüttern werden.

Dies ist nicht nur irgendein Schloss, nein. Hier lebt der verrückte Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter.  Er stammt von dem Planeten Transsexual aus der weit entfernten Galaxie Transylvania. In dieser Nacht stellt er seinen Schlossbewohnern seine neueste Schöpfung vor: Rocky. Er ist ein gutgebauter, blonder junger Mann und seine Existenz dient nur einem Zweck, nämlich dem Vergnügen von Dr. Frank N. Furter in all seinen Facetten. Doch damit nicht genug. Auch das junge Liebespaar erfährt die Täuschungs- und Verführungskünste des Wissenschaftlers am eigenen Leib.

Auf diesem Höhepunkt seiner Wolllust und Macht tötet der Wissenschaftler sogar seinen ehemaligen Geliebten, woraufhin eine wahre Revolte unter seinen mitgereisten Anhängern entfacht wird. Dr. Frank N. Furter wird entmachtet und getötet. Die Aliens kehren zu ihrem Heimatplaneten Transsexual zurück. Brad und Janet kommen mit dem wohl größten Schrecken ihres Lebens davon.


 

Nach We Will Rock You im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten war dies das zweite Musical, dass wir in der Alten Oper zu Frankfurt sahen. Dass diese Aufführung komplett anders würde, wahr uns spätestens dann klar, als drei Männer in Corsage, Slip und Strumpfhalter inkl. Netzstrümpfen an uns vorbei wippten.

Die Fangemeinde des Stücks scheint auch wegen des Kinofilms gewaltig zu sein, was ich ehrlich gesagt nicht erwartet habe. In meiner anerzogenen kulturellen Spießigkeit geht man eben ordentlich angezogen in die Oper, daher Hut ab vor allen Personen im Publikum, die es vergangenen Freitag durchgezogen haben!

Und ja, es war auch verdammt merkwürdig, dass Janet stets mit „Slut“ bzw. „Schlampe“ Rufen kommentiert wurde. Brad war in dem Fall ein „asshole“, also ein „Arschloch“. Auch der Erzähler, in unserem Fall Martin Semmelrogge persönlich, kämpfte mit Humor gegen hartnäckige „boring“-Rufe. Man scheint dies gewohnt zu sein.

Letztendlich war es diesmal nicht nur ein unterhaltsamer Abend in der Oper, sondern auch hinsichtlich der Tontechnik wirklich ein Genuss. Wer verrückte Storys mag, wird The Rocky Horror Show lieben.

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