WG Ratgeber Putzen

…oder: Wer putzt?!

“Die Wohnung ist super. Ich muss gar nicht putzen und trotzdem ist es immer sauber.” (Zitat eines ehemaligen Mitbewohners, der an Heinzelmännchen glaubte)

Ein wesentliches Merkmal einer WG ist eine gewisse Form von geordnetem Chaos in mehr oder weniger ausgeprägter Form. Das geschieht, wenn mehrere individuelle Wohnansprüche aufeinander treffen. Selten finden sich Menschen zusammen, die exakt die gleichen Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit haben.
Wer da überaus pingelig ist, sollte prinzipiell die Hände von Wohngemeinschaften lassen.  Die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Putzmuffel zum Hygienefanatiker erzieht, ist doch schwindend gering.

Aber wie handhabt man es nun in einer WG? Ganz ehrlich, einen Masterplan habe ich dafür auch nicht, da meistens ich der Mitbewohner mit dem “Pingelanspruch” bin. Meiner Meinung nach sollte das Bad und die Küche generell einmal die Woche Putzmittel und Lappen sehen. Und im Alltag ist es auch nicht schwer, Schmutz sofort zu beseitigen. Allein bei dieser Einstellung gehen die Meinungen schon arg auseinander. Soviel dazu.

Spielregeln für das Sauberkeitsverhalten müssen aber nun einmal in jeder WG aufgestellt werden, sei es die Wohngemeinschaft zu Ausbildungs-/ Studentenzeiten oder in einer Partnerschaft. Jeder sollte für seinen eigenen Dreck selbst zuständig sein. Dazu gehört nun einmal definitiv die Nutzung von Klobürsten bei Bedarf und bei Besitz von Haustieren die regelmäßige Reinigung deren Areale. Und wer in der Lage ist, sich in einer Pfanne etwas zu braten, schafft es – bezogen auf die individuellen motorischen Fähigkeiten – auch, die Fettspritzer zeitnah wegzuwischen.

Bei akuten Dreckschweinverfehlungen muss man zur Not eben auch hier bei Verwarnungen aussprechen und Konsequenzen ziehen, denn eins habe ich hierbei in meinem bisherigen WG-Leben gelernt: Wenn die Müllbeutel mit dem benutzten Katzenstreu nach dem Versuch des ‘Zwischenlagerns’ im Flur zurück ins Zimmer des Tierbesitzers gestellt werden, damit sie zeitnah vom Verantwortlichen zum Müll gebracht werden, bringt das rein gar nichts. Die Beutel landen nicht schneller im Müll. (Sascha und ich haben das für Euch getestet.)

Eine andere, für mich wohl stets existente Frage: Wie kann es sein, dass bei Vorhandensein einer Spülmaschine, das Geschirr nur den Weg auf diesen praktischen Küchenhelfer schafft. Der Kraftakt, das dreckige Geschirr in die Küche zu schleppen, muss gewaltig sein – und meine Kräfte somit immens, da ich das Zeug auch noch einräumen kann….

Ich kenne Wohngemeinschaften, die haben einen sogenannten Putzplan. Jedes Mal ist jemand anderes dran, der die Wohnung putzt. Oder jeder erhält pro Woche eine andere Aufgabe. Vom Küchenschrubbdienst zum Müll herunterbringen, vom Staubsaugen zum Badputzen…Vordrücke an Plänen kann man googlen. Ob sie bei Vorhandensein auch befolgt werden, ist für mich eher fraglich. Wer so schon ein kleiner, schlampiger Schlumpf ist, wird auf wöchentlichen Zwang auch nicht hören.

An sich ist sind die Ideen super, ABER die Frage ist doch: welche Sanktionen drohen dem, der eine Aufgabe nicht erfüllt? 10 Euro in eine vielleicht vorhandene Gemeinschaftskasse? Strafputzdienst für einen gesamten Monat? Nach drei Verwarnungen der Rausschmiss? Das Zauberwort heißt hier auch wieder Kommunikation. Besprecht es am besten gemeinsam am Tisch, wie ihr es in eurer WG handhaben wollt. Manchmal finden sich auch Lösungen, die akzeptabel für alle sind (einer putzt die Küche und das Bad, ein anderer saugt danach Staub und wischt die Räume durch).

Bei der Anschaffung von Putzmitteln eignet sich eine Gemeinschaftskasse (wenn keine andere Möglichkeit der Lösung gefunden wird). Hier spielt eine wichtige zwischenmenschliche Komponente eine große Rolle, nämlich das Vertrauen. Die Führung eines kleinen Haushaltsbuches sowie die Aufbewahrung an einem Ort, der nicht unbedingt für alle, die in der Wohnung ein- und ausgehen, offensichtlich ist, sollte selbstverständlich sein.

Putztipps:

  1. Sucht euch einen Wochentag aus, an dem ihr nicht mit Terminen vollgestopft seid.
  2. Hört beim Putzen eure Lieblingsmusik.
  3. Putzt gemeinsam, das erhöht den Spaß und: niemandem kann vorgeworfen werden, faul zu sein.
  4. Genießt das Lob von Freunden, die zu Besuch sind.
  5. Genießt die Abwesenheit des Stresses, der aufkommt, wenn sich von Mitbwohner XY die Mama spontan angekündigt hat. Wer wöchentlich mal den Lappen schwingt und ein wenig feucht durchwischt, hat nix zu befürchten.
  6. Bringt entspannt am Wochenende das Date mit heim – ohne dass ihr euch für Wollmäuse und Silberfische schämen müsst.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote, die ich mit meiner ersten Mitbewohnerin erlebte und die zeigt, wie unterschiedlich die Auffassung von ‘vorzeigbar’ ist:
An irgendeinem Abend wollten meine damalige Mitbewohnerin und ich abends noch mit Bekannten feiern gehen. Da wir vorher ein wenig zu viel Flüssigkeit zu uns nahmen, mussten wir beide natürlich unterwegs auf dem Weg zum Club noch für kleine Hausdrachen. Da traf es sich, dass wir an der WG des einen Bekannten vorbeikamen und er uns anbot, dass wir bei ihm doch schnell das Bad benutzen könnten. Gesagt getan. Dann saß man dort so auf der Keramik, vor der Schüssel ein kleines Regal auf Rollen, in dessen obersten Fach die Kadefungin-Creme der Mitbewohnerin sowie offensichtlich benutze Taschentücher lagen. Für mich persönlich private Dinge, die dort nichts zu suchen hatten, aber ich bin eh anders. Parallel zu diesen Gedankengängen bereute ich gewisses weiblich-körperliches Unvermögen. Zum Händewaschen gab es keine Seife – warum auch?! Das Waschbecken und auch die Ablage vor dem Spiegel war wahrscheinlich zum Auszug des Vormieters zum letzten Mal gesäubert wurden. Es war eine Mischung aus Barthaaren, Staub und anderen Sachen, die ich nicht so genau untersuchen wollte. Als ich herauskam, sah mich meine Mitbewohnerin an und wir verstanden uns blind.
Ganz ehrlich, bei mir ist auch manchmal ein kleines Chaos; soll heißen: es ist nicht immer alles an seinem vorhergesehenen Platz. Aber wie zur Hölle kann man denn sein Bad noch anbieten, wenn man weiß, in was für einem Zustand es ist? Ich würde mich in Grund und Boden schämen.

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Argo

Der Zufall wollte, dass ich auf meinem Heimweg nicht die Bahn nahm, einen Freund traf und spontan in die Sneak Preview ging um den Film Argo zu erleben. Ein glücklicher Zufall, doch lest selbst.

Das Jahr 1979, der kalte Krieg lässt die Welt frösteln und im Iran heizt sich die Situation auf. Der eingesetzte Schah flüchtet in die USA und entzieht sich der Gerichtsbarkeit. Das Volk will ihn wegen der Gräueltaten unter seiner Führung tot sehen.

Im November 1979 eskaliert die Situation in Teheran. Die Demonstranten, die die Auslieferung des ehemaligen Schahs, der sich in den USA aufhält, fordern, stürmen die US Botschaft und nehmen 52 US-Amerikaner als Geiseln. [Wiki] Sechs Mitarbeiter können jedoch vorerst unentdeckt flüchten und bekommen Schutz in der kanadischen Botschaft. Sie befinden sich in Lebensgefahr, fernab der Heimat.

Dort beginnt die CIA einen Plan auszuarbeiten, wie sie die sechs außer Lebensgefahr bringen können. Der beste, schlechteste Plan, der sich in dieser Situation anbietet ist der, dass ein fiktiver Film (Argo), mit den sechs flüchtigen als Film-Crew eine Ausreise ermöglichen soll.

„Argo fuck your self!“ ist wohl die einprägsamste Zeile aus diesem Film, aber diese wahre Geschichte, gewürzt mit Hollywood-Drama und Hollywood-Thriller, bot viel mehr und ist einen fesselnden Kinobesuch wert.

Das Sahnehäubchen sind die Schauspieler: Ein guter Ben Affleck (Dogma, Jersey Girl, Armageddon) , ein phantastischer Bryan Cranston (Malcom mittendrin, Breaking Bad), ein hervorragender John Goodman (The Big Lebowski, Red State) und etliche andere Filmgrößen.

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Robot & Frank

Anlässlich der 12. Filmkunstmesse Leipzig wurde in der Kinobar Prager Frühling der Film „Robot & Frank“ gezeigt. Für mich der letzte Film dieser Filmkunstmesse. Ein vorheriges Reservieren der Karten war leider nicht möglich, daher sollte mir frühes Erscheinen einen Platz sichern. Letztendlich wäre dies nicht nötig gewesen, denn leider war die Vorstellung nicht ausverkauft. Leider? Ja, denn dieser Film hätte den vollen Saal meiner Meinung nach verdient.

Frank ist ein älterer Herr in seinem Lebensabend. Früher war er Einbrecher, nun  lebt er allein in seinem Haus. Seine zwei Kinder sind schon längst in die Welt gezogen und haben ihr eigenes Leben. Die gezeigte Welt hat sich gewandelt. Immer mehr technische Helferlein, wie Roboter, unterstützen den Menschen. Jung, wie Alt. Frank lehnt dies ab, bekommt aber von seinem Sohn solch ein Gerät geschenkt. Der Roboter soll Franks geistige und physische Fähigkeiten wieder verbessern.

Um die Technik hat sich eine Avantgarde gebildet, die selbst vor Franks geliebter Bibliothek keinen Halt machen will und so beschließt er mit seinem neuen Roboter-Begleiter und seinen zurückgewonnenen Fähigkeiten einen Plan zu schmieden und ihn umzusetzen.

Robot & Frank ist eine liebevolle Komödie, ein Drama zum mitfühlen und ein kleines Science-Fiction Abenteuer ohne zu viel Science-Fiction. Wie Don Quichotte kämpft Frank gegen die Technik-Avantgarde und der Zuschauer fiebert mit. Mein Fazit: Absolut sehenswert.

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