Das Kind im Manne…

…und auch in der Frau.

Ein paar Gesellschaftsspiele hat ja jeder in seinem Besitz. Klassiker wie Tabu oder Activity, UNO und Monopoly finden sich eigentlich in jedem Haushalt. Leider stauben sie bei vielen immer mehr ein. Canasta scheint etwas zu sein, das nur alte Damen spielen. Pokern ist nur was für harte Kerle, Memory etwas für kleine Kinder. 

Aber: es gibt Revivals. Auf so mancher WG-Party wurde Looping Louie zum weit verbreiteten Vorglühen gespielt. Wer seine drei Münzen zuerst verlor, muss irgendetwas mit Prozenten trinken. Kenner des Spiels wissen, dass man irgendwann nur noch verliert und der Alkohol die eigene Spielsituation beim besten Willen nicht verbessert. Alkohol bremst die Motorikfähigkeiten stark ein. Ziel des (Trink-)Spiels ist erreicht. Aber so sind Spiele, irgendwer gewinnt und andere verlieren (Deswegen verwalte ich bei Monopoly grundsätzlich die Bank).

Je mehr Leute sich finden, desto mehr Spaß macht es. Daher sind Wohngemeinschaften eigentlich ideal, um sich regelmäßig zum Spielen zusammenzusetzen. Es muss ja auch keine durchzechte Nacht werden, sondern nach dem Abendessen einfach ein bis zwei Stunden gemeinsam die Würfel über den Tisch jagen oder die rhetorischen Fähigkeiten mit Tabu schulen. Schöner Nebeneffekt: Man verbringt gemeinsam Zeit und hat mal wieder etwas mit dem anderen zu tun. Das geht nämlich aufgrund vom Alltag sehr häufig verloren.

Die Wintermonate hier waren ideal, um am Wochenende gemütlich mit Freunden beieinander zu sitzen. Im Warmen bei gutem Essen, einem leckeren Wein oder Whisky gemeinsam erzählen und: spielen. Unsere vorhandene Spielesammung ist ganz gut aufgestellt, die Nachbarn jagten auch neue Spiele, die getestet werden wollten. Da wurden Erwachsene Menschen wieder kleine Kinder – und jeder wollte gewinnen. Leider wird das im Frühling und Sommer wohl weniger werden, da man nach dem Grillkoma froh ist, wenn man nur noch sitzen muss, ohne sich zu bewegen.

Dennoch mein Tipp: Ruft in eurer WG mal zum Spieleabend auf. Setzt euch an den größten Tisch in der Wohnung, stellt ein paar Knabbereien und Getränke bereit und los geht es. Das ist der Grundstein, für den Rest de Spaßpegels ist dann jeder selbst zuständig 😉

 

 

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Ohrenfrieden

„Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr.“ Arthur Schopenhauer (1788-1860)

In Wohngemeinschaften ist an sich immer Leben. Die Tagesrhythmen sind nie oder selten deckungsgleich. Einer steht früher auf, der andere geht später ins Bett. Der Dritte ist nachtaktiv. Manchmal ist noch Besuch oder ein Schlafgast da. Mein Tipp: Wenn man absolut seine Ruhe haben will/braucht, hilft nur eins:

Ohropax

Die kleinen Schaumstoffstöpsel gibt es in fast jeder Drogerie und Apotheke oder sogar in gut sortierten Supermärkten. Oft gibt es auch No-Name-Produkte, deren Qualität mit der bekannten Marke vergleichbar ist.

Handhabung? Ganz einfach und generell bekannt: zusammendrücken und ab ins Ohr. Aber aufpassen: Nicht zu tief. Gehörgänge sind sensibel und es lebt sich einfach besser, wenn sie funktionieren. Und nachdem sie sich dann wieder ausgedehnt haben, hat man eins: RUHE.

Ich persönlich hatte sie in allen vier Wohngemeinschaften immer am Bett liegen. Der Hauptgrund: ich wache gefühlt bei jedem – entschuldigt den Ausdruck – Pups auf. Quietschende Tür, knarrender Boden, Vogelgezwitscher, Straßenlärm, mauzende Katzen, heimkommende Mitbewohner oder klingende Freunde. Auch trotz meiner zickigen Charakterzüge wollte ich nicht jedes Mal wie eine Furie raus rennen und Ruhe befehlen. Zumal das bei Vogellärm und der Müllabfuhr sicher weniger effektiv ist. Und ständiges Rumkritteln lässt die Stimmung innerhalb der WG auch gegen null sinken, wodurch auch niemanden geholfen ist.

 

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Meine Butter, meine Wurst, meine Nudel

Essen müssen wir alle. Der eine mehr, der andere weniger. Mancher mit Fleischeinlage, der andere lieber vegan. Jeder wie er will.

In Wohngemeinschaften ist das nicht anders. Aber da ist dieses Thema häufig noch um einiges spannender. Nachvollziehen können das nur Familien, in denen die 13-jährige Pubertätsgöttin nun beschließt, keine süßen Ferkel mehr auf ihrem Teller haben zu wollen. Und überhaupt, Fleisch macht nur fett und mit ihrem Top-BMI kann sie sich das nicht leisten…oh ich schweife ab.

Zum eigentlichen Thema: Regelt in eurer WG, wie das mit dem Essen und dem Teilen gehandhabt werden soll. Das klingt alles total easy, wenn man sagt, jede Woche kauft wer anderes ein, aber das geht auf Dauer nicht gut – sagt mir meine Erfahrung.

Stellt euch vor, ihr regelt es wirklich so. Woche 1 kauft Horst ein. Anfang des Monats, das Budget ist groß. Woche 2 ist dann Uschi dran. Uschi kauft gerne im Bio-Laden. Für das Geld ist weniger im Wagen, dafür kriegen die Jungs statt tierisches Eiweiß glücklich gewachsene Haferflocken zum Frühstück in den linksdrehenden Soja-Joghurt. In Woche 3 kauft Svenni wieder im Discounter um die Ecke alle Angebote weg – Rote Grütze mit Chemiesauce für alle \o/. Woche 4, Monatsende und überhaupt keine Lust auf Einkauf, das ist Melli. Deswegen gibt es nur ein halbes Brot und Frischkäse mit Geschmack (der ersetzt Butter und Wurst, weil: streichbar und Geschmack in einem Produkt. Da ist sie ein Fuchs.). Zwischendurch frisst Svenni Horsts Lieblingspudding und Melli schmiss Uschis Schimmelkäse weg, weil „Schimmel nix im Kühlschrank zu suchen hat!“.

Ihr seht, es geht hinten und vorne nicht auf. Das Argument, dass man ja gemeinsam einkaufen gehen könne und immer ein anderer bezahlt, greift hier auch nicht. Irgendein Leckermaul schmeißt seinen Pudding und seine Kekse immer in den Korb, aber wehe dem, er ist mit zahlen dran und andere wollen etwas. Irgendeiner macht immer Minus.

Darum mein Tipp: jeder kauft für sich ein und bekommt sein eigenes Fach im Kühlschrank. Wenn gemeinsam gekocht wird, dann wird vorher gemeinsam eingekauft. Dann gibt es auch keine bitterbösen Konflikte, wenn sich mal wer benachteiligt fühlt.

Gewürze und andere Dinge, die im Küchenalltag benötigt werden, müssen natürlich auch irgendwie angeschafft werden. Wenn der Mitbewohner gerne mit frisch gemahlenen Meersalz kocht und du es regelmäßig mitbenutzt, dann kaufe das auch bitte nach und nicht nur das billige Salz für 30 Cent.     Wenn du nicht einsiehst, 5 Euro für handgemachte und frische Pasta auszugeben, diese Nudeln der Mitbewohnerin aber trotzdem alle machst, weil du Hunger hattest, dann kaufe auch angemessenen Ersatz.

Ich kann da nur für mich sprechen, aber ich werde sehr gnatzig, wenn ich mir etwas bewusst kaufte, mich beispielsweise nach Feierabend auf meinen Fruchtjoghurt freue, nach Hause komme und das Ding weg ist. In meiner Erziehung wurde mir beigebracht, dass man das nicht macht – ohne zu fragen. Von daher: Dass man vor dem Aufessen der Sachen den Besitzer natürlich fragt, ob das überhaupt ok ist, muss ich hier hoffentlich nicht extra betonen! 

Und zum Schluss eine lustige Anekdote zum Thema WG-Essen und „unberechtigtes Aufessen“:

Ich beschloss recht zeitnah, dass ich lieber für mich selbst einkaufe. Zum einen habe ich gewisse Vorlieben, zum anderen einen hungrigen Freund. Meiner Meinung nach muss er nicht von anderen durchgefüttert werden. Einige Tage, nachdem er bei mir war, wurde ich etwas unhöflich gefragt, warum er die Lieblingswurst von Mitbewohner A gegessen habe. Ich konnte mich nicht erinnern, dass dies der Fall war, fragte aber nach. Er aß sie auch nicht. Ich klärte die Situation, indem ich erneut betonte, dass wir nur das aßen, was ich kaufte. Thema war für mich dann im wahrsten Sinne gegessen.

Viele Wochen später, Mitbewohner A,B,C kauften immer noch gemeinsam ein. Wieder hieß es von Herrn A, man habe ihm irgendwas weggegessen. Diesmal wurde sich bei Mitbewohner B ausgekotzt, dass Herr C ja „immer die guten Sachen sofort vernichte“. Andersherum hörte Herr C diese Story über Herrn B – erzählt von Mitbewohner A. Alles verwirrend. Letztendlich hat Herr A es sicherlich alleine inhaliert, obwohl er selten einen Einkauf bezahlte. 

Und daraufhin entschieden sich auch Herr B und C, lieber für sich einkaufen zu gehen – dann isst man niemandem heimlich die „guten Sachen“ weg. Interessanterweise waren die Lebensmittelvorräte von Herrn A daraufhin stets sehr übersichtlich gehalten.

Und mein Profi-Tipp zum Schluss: Schreibt euren Namen auf euer Zeug oder klebt Zettel dran, dass IHR DAS ESSEN WOLLT! Bei Menschen mit funktionierenden Hirnwindungen funktioniert dieser Hinweis in 9 von 10 Fällen!

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Türschild

Ich stieß soeben bei meiner privaten ‚Recherche‘, wann denn meine geplante Enten-Überraschung endlich mal in die Filiale geliefert wird, auf folgendes:

Fotogeschenk – Türschild

Das jetzt noch pünktlich zum Fest unter dem Baum liegen zu haben ist für mich eher unwahrscheinlich, was aber wahrscheinlich an meiner persönlichen Warterei auf ein anderes Produkt liegt (dessen Bearbeitungszeit ich momentan nicht mehr nachvollziehen kann).

Finde die Idee ganz lustig, wenn man beispielsweise eine WG hat, die einen feststehenden Namen hat. Bin mir aber nicht sicher, ob ich es wirklich haben wollen würde. Da fand ich das Schild „Drittes OG“ schon sympathischer. Btw, wo ist das eigentlich abgeblieben?!

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WG Ratgeber Putzen

…oder: Wer putzt?!

“Die Wohnung ist super. Ich muss gar nicht putzen und trotzdem ist es immer sauber.” (Zitat eines ehemaligen Mitbewohners, der an Heinzelmännchen glaubte)

Ein wesentliches Merkmal einer WG ist eine gewisse Form von geordnetem Chaos in mehr oder weniger ausgeprägter Form. Das geschieht, wenn mehrere individuelle Wohnansprüche aufeinander treffen. Selten finden sich Menschen zusammen, die exakt die gleichen Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit haben.
Wer da überaus pingelig ist, sollte prinzipiell die Hände von Wohngemeinschaften lassen.  Die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Putzmuffel zum Hygienefanatiker erzieht, ist doch schwindend gering.

Aber wie handhabt man es nun in einer WG? Ganz ehrlich, einen Masterplan habe ich dafür auch nicht, da meistens ich der Mitbewohner mit dem “Pingelanspruch” bin. Meiner Meinung nach sollte das Bad und die Küche generell einmal die Woche Putzmittel und Lappen sehen. Und im Alltag ist es auch nicht schwer, Schmutz sofort zu beseitigen. Allein bei dieser Einstellung gehen die Meinungen schon arg auseinander. Soviel dazu.

Spielregeln für das Sauberkeitsverhalten müssen aber nun einmal in jeder WG aufgestellt werden, sei es die Wohngemeinschaft zu Ausbildungs-/ Studentenzeiten oder in einer Partnerschaft. Jeder sollte für seinen eigenen Dreck selbst zuständig sein. Dazu gehört nun einmal definitiv die Nutzung von Klobürsten bei Bedarf und bei Besitz von Haustieren die regelmäßige Reinigung deren Areale. Und wer in der Lage ist, sich in einer Pfanne etwas zu braten, schafft es – bezogen auf die individuellen motorischen Fähigkeiten – auch, die Fettspritzer zeitnah wegzuwischen.

Bei akuten Dreckschweinverfehlungen muss man zur Not eben auch hier bei Verwarnungen aussprechen und Konsequenzen ziehen, denn eins habe ich hierbei in meinem bisherigen WG-Leben gelernt: Wenn die Müllbeutel mit dem benutzten Katzenstreu nach dem Versuch des ‘Zwischenlagerns’ im Flur zurück ins Zimmer des Tierbesitzers gestellt werden, damit sie zeitnah vom Verantwortlichen zum Müll gebracht werden, bringt das rein gar nichts. Die Beutel landen nicht schneller im Müll. (Sascha und ich haben das für Euch getestet.)

Eine andere, für mich wohl stets existente Frage: Wie kann es sein, dass bei Vorhandensein einer Spülmaschine, das Geschirr nur den Weg auf diesen praktischen Küchenhelfer schafft. Der Kraftakt, das dreckige Geschirr in die Küche zu schleppen, muss gewaltig sein – und meine Kräfte somit immens, da ich das Zeug auch noch einräumen kann….

Ich kenne Wohngemeinschaften, die haben einen sogenannten Putzplan. Jedes Mal ist jemand anderes dran, der die Wohnung putzt. Oder jeder erhält pro Woche eine andere Aufgabe. Vom Küchenschrubbdienst zum Müll herunterbringen, vom Staubsaugen zum Badputzen…Vordrücke an Plänen kann man googlen. Ob sie bei Vorhandensein auch befolgt werden, ist für mich eher fraglich. Wer so schon ein kleiner, schlampiger Schlumpf ist, wird auf wöchentlichen Zwang auch nicht hören.

An sich ist sind die Ideen super, ABER die Frage ist doch: welche Sanktionen drohen dem, der eine Aufgabe nicht erfüllt? 10 Euro in eine vielleicht vorhandene Gemeinschaftskasse? Strafputzdienst für einen gesamten Monat? Nach drei Verwarnungen der Rausschmiss? Das Zauberwort heißt hier auch wieder Kommunikation. Besprecht es am besten gemeinsam am Tisch, wie ihr es in eurer WG handhaben wollt. Manchmal finden sich auch Lösungen, die akzeptabel für alle sind (einer putzt die Küche und das Bad, ein anderer saugt danach Staub und wischt die Räume durch).

Bei der Anschaffung von Putzmitteln eignet sich eine Gemeinschaftskasse (wenn keine andere Möglichkeit der Lösung gefunden wird). Hier spielt eine wichtige zwischenmenschliche Komponente eine große Rolle, nämlich das Vertrauen. Die Führung eines kleinen Haushaltsbuches sowie die Aufbewahrung an einem Ort, der nicht unbedingt für alle, die in der Wohnung ein- und ausgehen, offensichtlich ist, sollte selbstverständlich sein.

Putztipps:

  1. Sucht euch einen Wochentag aus, an dem ihr nicht mit Terminen vollgestopft seid.
  2. Hört beim Putzen eure Lieblingsmusik.
  3. Putzt gemeinsam, das erhöht den Spaß und: niemandem kann vorgeworfen werden, faul zu sein.
  4. Genießt das Lob von Freunden, die zu Besuch sind.
  5. Genießt die Abwesenheit des Stresses, der aufkommt, wenn sich von Mitbwohner XY die Mama spontan angekündigt hat. Wer wöchentlich mal den Lappen schwingt und ein wenig feucht durchwischt, hat nix zu befürchten.
  6. Bringt entspannt am Wochenende das Date mit heim – ohne dass ihr euch für Wollmäuse und Silberfische schämen müsst.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote, die ich mit meiner ersten Mitbewohnerin erlebte und die zeigt, wie unterschiedlich die Auffassung von ‘vorzeigbar’ ist:
An irgendeinem Abend wollten meine damalige Mitbewohnerin und ich abends noch mit Bekannten feiern gehen. Da wir vorher ein wenig zu viel Flüssigkeit zu uns nahmen, mussten wir beide natürlich unterwegs auf dem Weg zum Club noch für kleine Hausdrachen. Da traf es sich, dass wir an der WG des einen Bekannten vorbeikamen und er uns anbot, dass wir bei ihm doch schnell das Bad benutzen könnten. Gesagt getan. Dann saß man dort so auf der Keramik, vor der Schüssel ein kleines Regal auf Rollen, in dessen obersten Fach die Kadefungin-Creme der Mitbewohnerin sowie offensichtlich benutze Taschentücher lagen. Für mich persönlich private Dinge, die dort nichts zu suchen hatten, aber ich bin eh anders. Parallel zu diesen Gedankengängen bereute ich gewisses weiblich-körperliches Unvermögen. Zum Händewaschen gab es keine Seife – warum auch?! Das Waschbecken und auch die Ablage vor dem Spiegel war wahrscheinlich zum Auszug des Vormieters zum letzten Mal gesäubert wurden. Es war eine Mischung aus Barthaaren, Staub und anderen Sachen, die ich nicht so genau untersuchen wollte. Als ich herauskam, sah mich meine Mitbewohnerin an und wir verstanden uns blind.
Ganz ehrlich, bei mir ist auch manchmal ein kleines Chaos; soll heißen: es ist nicht immer alles an seinem vorhergesehenen Platz. Aber wie zur Hölle kann man denn sein Bad noch anbieten, wenn man weiß, in was für einem Zustand es ist? Ich würde mich in Grund und Boden schämen.

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WG Ratgeber: Zusammenziehen

…oder: drum prüfe, was zusammenzieht

Liebenswerte Wohngemeinschaften fallen nicht einfach so vom Himmel. Meistens warten sie seit der Gründung auch nicht extra auf Dich und reservieren Dir ein Zimmer. Das Hauptmerkmal einer WG ist häufig das Kommen und Gehen einzelner Mitbewohner.

Doch zunächst eine Anekdote von mir: Zu Beginn meines Studiums in Leipzig schaute ich mir auch diverse Wohngemeinschaften an. In meinem jugendlichen Leichtsinn dachte ich mir, dass man so Geld sparen und gleichzeitig neue Leute kennenlernen könnte. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Hurray. In meinem Kopf war der Masterplan makellos. Bereits nach dem zweiten Besichtigungstermin in bereits bestehenden Wohngemeinschaften wurde ich jedoch rasant auf den Boden der nackten Tatsachen geholt:

Laut Inserat handelte es sich um eine 3er WG mit einem Lehramtsstudenten  
(Englisch und Geschichte) um die 30 Jahre sowie einer Azubine. Soweit, so gut. Die Wohnung wurde mir von einem verlebt aussehenden Typen gezeigt, der sich als der Lehramtsstudent ausgab. Während er mir Details der Räumlichkeiten schilderte, schwor ich mir, dass meine Kinder niemals bei so einem Wesen Unterricht haben sollen. NIE! Das Highlight der Wohnung war das für mich gedachte Zimmer – bereits möbliert. Das Bett im ramontischen Stil à la Puff Deluxe mit Spiegel am Kopfende füllte den Raum fast vollständig aus. Daneben stand ein langer, sperriger Schrank – ebenfalls mit Spiegel. Der Lehramtsfutzi grinste neben mir äußerst dreckig und meinte, ich könne das so übernehmen, koste auch nix extra. Was für ein Angebot! Im Bad hing über die Wanne verteilt die Wäsche. Meine Frage, wie man da dann ohne Behinderung duscht, wurde mit “wir duschen nur einmal die Woche” abgewürgt. Hurray! Nicht. Nach diesem Schock überzeugte ich meine Eltern davon, mir dann doch lieber ein Wohnklo am Rande der Stadt zu finanzieren, auch wenn ich als Webcamgirl in diesem bestens ausgestatteten Zimmer vielleicht sehr erfolgreich geworden wäre…

Was kannst Du daraus lernen? Schau Dir die Leute genau an bei Besichtigungsterminen. Sowie Du sofort ein ungutes Gefühl in der Magen-Darm-Gegend hast, sollte dein Motto lauten: LAAAAAAAAAAAAAAAAAAAUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUF!!!!!!!!

Die Auswahl der Mitbewohner sollte stets gut überlegt werden. Es geht hierbei um Menschen, die Du wahrscheinlich tagtäglich siehst, Du teilst dir den Thron und Nasszellen mit ihnen und wirst über kurz oder lang ein Teil deren Leben – auch wenn Du in so mancher Lebenssituation vielleicht gar nicht so intim teilnehmen möchtest. Solche Dinge müssen Dir bewusst sein, wenn Du dich für das Abenteuer Wohngemeinschaft entscheidest.

Für die eigene Suche gibt es dank des Internets diverse Möglichkeiten, ein neues Zuhause zu finden. Wichtig ist jedoch, dass man sich von vornherein klar macht, was man möchte – und was man zahlen kann. Checklisten sind dabei super und das Abhaken einzelner Punkte macht so manchen ja auch unheimlich viel Spaß, weil man denken kann, dass man etwas Großes geschafft hat.

Hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass eine WG nicht zwingend die gleichen paradiesischen Zustände wie das familiäre Nest der letzten Jahre bietet. Kompromissbereitschaft ist an dieser Stelle ein gutes Stichwort, das sicher noch häufiger fallen wird. Wer viel erwartet, kann bitter enttäuscht werden und andersherum. Schimmelfreie Zimmer sollten ein Muss sein, jedoch kann man nicht überall Highspeedinternet, einen immer gefüllten Kühlschrank und Whirlpool erwarten.

So sollte ein Besichtigungstermin Pflicht sein. Zum einen lernst Du dabei die Leute kennen, zum anderen dient es aber auch dazu, das Zimmerangebot zu überprüfen. An dieser Stelle möchte ich erneut auf meine Erfahrungen zurückgreifen:

Erstens: Menschen können sich sehr gut verstellen. Aus dem netten jungen Mann, der zwar ein wenig verpeilt, aber dennoch sympathisch wirkt, kann sich eine wahre Wunderblume des Lebens entwickeln, der Pflanzen mehr als Tiere liebt, aber generell mit der Umwelt nicht klar kommt. Andererseits können Mitbewohner durch ein gemeinsames Leben aber auch wahrlich aus sich herauskommen und sich zu treuen Seelen im eigenen Freundeskreis entwickeln.
Zweitens: Ein Casting für neue Mitbewohner ist für beide Seiten anstrengend. Zum einen scheinen viele Freaks total auf Wohngemeinschaften abzufahren, zum anderen ist die Auswahl als Gemeinschaft sehr schwer, wer denn nun ‘passen’ könnte. Da ist der wirtschaftliche Druck, dass das Zimmer neu besetzt werden muss- koste es, was es wolle. Aber auch Kandidaten scheinen oft derart unter Strom zu stehen, dass sie nicht sie selbst sind – das böse Erwachen ist da vorprogrammiert. Darum: nehmt Euch alle Zeit! Lernt Euch kennen, kocht gemeinsam, geht gemeinsam weg. Das hilft ungemein und kann vor übereilten Entscheidungen schützen!

Wenn sowohl die Chemie zwischen den bereits dort wohnenden Leuten als auch die Wohnung stimmt, dann herzlichen Glückwunsch, dann hast Du möglicherweise einen Glücksgriff getätigt. Ansonsten weitersuchen – oder in der Not alleine bleiben und eine Katze zulegen.

PS: Ein letzter Tipp in diesen Beitrag: Sollte der Vermieter die Möglichkeit bieten, dass Du und deine Mitbewohner jeweils einzelne Mietverträge bekommen, dann nutze die Chance. Sollte dann nämlich der Fall eintreten, dass Mietrückstände auftreten, dann haftest Du nur für deinen eigenen Anteil. Es erspart einiges an finanziellen Ärger. Nicht jeder Vermieter macht das mit, weil es für ihn zusätzliche Verwaltungsarbeit darstellt, aber eine Nachfrage kostet ja meistens nichts.

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WG Ratgeber

oder warum ich mir überhaupt anmaße, pseudo-kluge Tipps zu geben

Wohngemeinschaft. Dieses zusammengesetzte Substantiv, in Fachkreisen auch Kompositum genannt, zeigt seine wahre Bedeutung ohne lange Umschweife: gemeinsam wohnen.

Nicht jeder ist dafür gemacht. Jene haben ihre Kindheit sicher auch voller Unbehagen verlebt, bis sie endlich die Füße unter Vaters Tisch hervorziehen und Mutters Koch- und Waschservice den Rücken zukehren konnten. Aber die Mehrheit der Menschen ist und bleibt ein Rudeltier. Folglich gibt es seit Menschengedenken Wohngemeinschaften in den unterschiedlichsten Formen des Zusammenlebens. Diese sind nicht immer partnerschaftliche Verbindungen voller Liebe und Zweisamkeit, die in einer mehrköpfigen Familie enden kann.

Wovon ich hier schreibe, ist die Wohngemeinschaft in Form von ‘ich ziehe mit nicht-verwandten Menschen in eine Wohnung und hoffe auf das Beste”. Ich persönlich habe es durch. Eine tolle Mädels-WG, eine Zweck-WG in der Kombination Vegetarier und Fleischliebhaberin, das Abenteuer mit drei ausgewachsenen Männern inklusive zweier Katzen, die ich nun auf ein Zusammenleben mit zwei Kerlen und keinen Haustieren außer ein paar ungewollten Lebensmittelmotten reduzierte.

Was soll ich sagen. Das Leben in einer Wohngemeinschaft hat Vor- und Nachteile – wie alles andere im Leben auch. Man kann Freunde für das Leben kennenlernen, man kann gruselige Erfahrungen sammeln. Für mein eigenes Dasein war und ist “Die WG” ein doch recht prägender Teil meines jungen Erwachsenenlebens, denn ich habe viel gelacht, ein wenig geweint, mich viel aufregen können, noch mehr backen können. Das wichtigste, was ich in meiner Rolle als WG-Mutti jedoch lernte: Übernimm IMMER nur für dein eigenes Tun die vollständige Verantwortung und sei erwachsen genug, deinen eigenen Mist in allen Bereichen des Lebens auch persönlich aufzuräumen.

Und genau deswegen wirst Du als WG-Leben-Neuling hier regelmäßig bitte nachsehen, ob ich irgendwelche Tipps&Tricks veröffentlicht habe, denn sozial wie ich bin*, teile ich meine Lebenserfahrung gerne mit euch Lehrlingen.

*ja, ich finde auch, dass mir allein dafür schon der Friedensnobelpreis verliehen werden sollte

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